Harte Repressions-
kampagne in
tibetischer Kleinstadt

Quelle: HRW

Schon seit mehreren Wochen ist die osttibetische Kleinstadt Dza Wonpo im Griff einer harten Repressionskampagne der paramilitärischen chinesischen Polizei. Wie „Human Rights Watch“ (HRW) berichtete, traf am 5. März ein größerer Trupp der paramilitärischen Bewaffneten Volkspolizei (PAP) in Dza Wonpo ein. Die Angehörigen der „Schneewolf“-Einheit der PAP paradieren seitdem täglich mit einer riesigen chinesischen Fahne durch das Zentrum von Dza Wonpo. Offensichtlich sollen damit die Bewohner der tibetischen Kleinstadt eingeschüchtert werden. Zudem waren bereits vor dem Eintreffen der „Schneewolf“-Einheit Polizisten in größerer Zahl nach Dza Wonpo gekommen, die mehrere lokale Tibeter tagelang festgehalten und verhört hatten. Auslöser der massiven Polizeiaktion ist der Tod des jungen tibetischen Mönchs Tenzin Nyima, der vor einigen Monaten an den schweren Verletzungen starb, die ihm durch Schläge im Gefängnis zugefügt worden waren. Mehrere Tibeter aus seinem Heimatort Dza Wonpo hatten daraufhin Solidaritäts- und Beileidsbekundungen auf dem chinesischen Netzwerk WeChat gepostet. Seit dem Bekanntwerden von Tenzin Nyimas Tod haben die chinesischen Behörden in Dza Wonpo auch die Überwachung von Handys verschärft. So schreibt die Webseite der tibetischen Exilregierung tibet.net, im März hätten die Einwohner Dza Wonpos eine App auf ihre Telefone herunterladen müssen, die den Behörden Informationen und Zugriff auf die Daten der Nutzer gibt. Dadurch dürfte die Weitergabe von Informationen aus Tibet noch schwieriger und riskanter geworden sein.

Razzien nach Dalai Lama-Bildern

Ein weiterer Schwerpunkt der staatlichen Repressionskampagne sind Hausdurchsuchungen, bei denen es die Polizisten offenbar auf Bilder des Dalai Lama abgesehen haben. In einer öffentlichen Versammlung verkündeten chinesische Beamte, dass das Zeigen und der Besitz von Fotos des Dalai Lama strafrechtlich verfolgt werde. Darüber hinaus werde man all denjenigen öffentliche Leistungen streichen, bei denen solche Bilder gefunden würden. Die bei der Versammlung anwesenden Tibeter mussten anschließend eine Erklärung unterschreiben, in der sie sich verpflichteten, keine Bilder des Dalai Lama aufzubewahren oder zu verbreiten, sich allen illegalen Aktivitäten zu widersetzen und den Anweisungen der Partei Folge zu leisten. Wenige Tage später führten die PAP-Kommandos eine „Säuberungsaktion“ durch, bei der sie Wohnungen nach Bildern des Dalai Lama durchkämmten. Im örtlichen Altersheim hätten die Polizisten dabei alle Proteste der Bewohner ignoriert und Bilder von chinesischen KP-Führern im traditionellen tibetischen Thangka-Stil an die Wände der Zimmer gehängt. Die Altenheimbewohner seien gezwungen worden, der KP öffentlich ihre „Dankbarkeit“ auszudrücken.

Verhaftungsserie in Ost-Tibet

ICT ist besorgt angesichts einer Serie von Verhaftungen im osttibetischen Landkreis Serthar, wo innerhalb kurzer Zeit sechs prominente tibetische Aktivisten festgenommen hat. Nach Angaben des in der Schweiz lebenden ehemaligen politischen Gefangenen Golog Jigme spielten alle sechs Verhafteten eine herausgehobene Rolle in ihren jeweiligen Gemeinden. Aufgrund der rigorosen chinesischen Kommunikationsbeschränkungen in Tibet und der mit der Weitergabe von Informationen einhergehenden hohen Risiken sind derzeit nur vier der sechs Verhafteten namentlich bekannt. Auch die konkreten Anlässe für die Festnahmen bleiben einstweilen im Dunklen. Am 23. März 2021 wurden zunächst der Autor und Umweltaktivist Seynam, der Autor und frühere politische Gefangene Drubpa Kyab sowie der politische Aktivist Yudrum verhaftet. Kurz darauf traf es die tibetische Aktivistin und ehemalige politische Gefangene Tsering Dolma sowie zwei weitere noch nicht identifizierte Tibeter. Der Verbleib aller sechs inhaftierten Tibeter ist bisher unbekannt. ICT fordert ihre sofortige Freilassung.

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