International Campaign for Tibet
 

International Campaign for Tibet begrüßt Ankunft von Dhondup Wangchen in den USA / ICT: „Ehemaliger politischer Gefangener endlich in Freiheit und Sicherheit“

Berlin, 27. Dezember 2017. Die International Campaign for Tibet (ICT) begrüßt die Nachricht von der Ankunft des ehemaligen tibetischen politischen Gefangenen Dhondup Wangchen in den USA. Wangchen zählt zu den prominentesten politischen Gefangenen Tibets der letzten Jahre. Für seine gewaltlose Arbeit erfuhr er große Anerkennung und Unterstützung einer weltweiten Öffentlichkeit sowie von zahlreichen Parlamenten und Regierungen. Wangchen ist in den USA mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern zusammengetroffen, die dort seit mehreren Jahren leben. Nach Haftentlassung im Jahre 2014 hatte er sich lange Zeit vergeblich um eine Ausreise aus der Volksrepublik China bemüht, während seine Bewegungsfreiheit weiterhin eingeschränkt blieb.

In einer Erklärung der Schweizer Organisation "Filming for Tibet", die sich in den vergangenen Jahren in besonderer Weise für die Freilassung Wangchens eingesetzt hatte, heißt es: "Dhondup Wangchen ist am Nachmittag des 25. Dezember in San Francisco eingetroffen, nach einer schweren und gefahrvollen Flucht aus Tibet und der Volksrepublik China." Sie zitiert Wangchen ferner mit den Worten: "Nach vielen Jahren ist dies das erste Mal, dass ich das Gefühl von Sicherheit und Freiheit spüren kann. Ich möchte allen danken, die es möglich gemacht haben, dass ich heute meine Frau und meine Kinder in meinen Armen halten kann. Dennoch fühle ich den Schmerz, mein Heimatland Tibet hinter mir lassen zu müssen."

Dhondup Wangchen hatte im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking gemeinsam mit dem mittlerweile ebenfalls im Exil lebenden Tibeter Golog Jigme damit begonnen, einen Dokumentarfilm über das Leben in Tibet unter chinesischer Herrschaft zu drehen. Wegen dieses Films, der später den treffenden Titel „Leaving Fear Behind“ erhalten sollte, wurde Dhondup Wangchen am 26. März 2008 verhaftet, nachdem es ihm zuvor noch gelungen war, das Filmmaterial außer Landes zu schaffen. Dort wurde „Leaving Fear Behind“ schließlich veröffentlicht. Seine Premiere erlebte der Film jedoch in einer Geheimvorführung für ausgewählte Journalisten in Peking am 6. August 2008, wenige Tage vor Eröffnung der Olympischen Spiele. In dem Film kommen zahlreiche Tibeter zu Wort, die trotz drohender Verfolgung in ungewohnter Offenheit über ihre Lebenswelt und Vorstellungen berichten. Für „Leaving Fear Behind“ hatte Dhondup Wangchen zwischen Oktober 2007 und März 2008 mehr als 100 Interviews mit Tibetern geführt. Im Dezember 2009 wurde er wegen „Anstiftung zum Separatismus“ von einem chinesischen Gericht nach einem unfairen Verfahren zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt, die er voll verbüßen musste.

Die International Campaign for Tibet erinnert an den hohen Preis, den Dhondup Wangchen dafür zahlen musste, dass er auf seinem Recht auf freie Meinungsäußerung bestand. „Dhondup Wangchen hat nichts getan, was eine Verhaftung, geschweige denn eine Verurteilung, rechtfertigen würde. Die sechs Jahre, die er in chinesischer Haft ertragen musste, erinnern uns in drastischer Weise an das extreme Leid, das Pekings Politik den Menschen in Tibet zufügt“, sagte dazu ICT-Geschäftsführer Kai Müller. „Es erfüllt uns mit besonderer Freude, dass Dhondup Wangchen nach fast zehn Jahren der erzwungenen Trennung nun wieder imstande sein wird, mit seiner Familie zusammenzuleben. Endlich ist er in Freiheit und Sicherheit“, so Müller weiter. Insbesondere seine Frau Lhamo Tso hatte sich in den vergangenen Jahren mit Reisen in viele Länder der Welt unermüdlich für die Freilassung ihres Ehemanns eingesetzt. Die International Campaign for Tibet hatte sie dabei unterstützt.

Dhondup Wangchen war für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet worden, so etwa von dem "Committee to Protect Journalists", das ihn im Jahr 2012 mit dem "International Press Freedom Award" auszeichnete. Neben vielen anderen Menschenrechtsorganisationen hatte sich die International Campaign for Tibet gegenüber den Regierungen der USA und Deutschlands sowie der EU-Kommission, den Vereinten Nationen und weiteren europäischen Regierungen für Dhondup Wangchen eingesetzt.

Eine Erklärung der International Campaign for Tibet in englischer Sprache kann hier eingesehen werden.

Pressekontakt:


Kai Müller
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Twitter: @savetibet

International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
Schönhauser Allee 163
D-10435 Berlin
www.savetibet.de

Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

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