TCV-Kinderdörfer:
«Solide Ausbildung und
feste kulturelle Identität»

 

Quelle: TCV

Lobsang Tsomo ist die Generalsekretärin der Tibetan Children’s Villages (TCV), der tibetischen Kinderdörfer, die in Indien eine enorm wichtige Rolle in der Bildung der jungen Tibeterinnen und Tibeter spielen. Die Einrichtungen der TCV spielen zugleich eine entscheidende Rolle für die Bewahrung und Weitergabe der tibetischen Kultur im Exil. ICT unterstützt die tibetischen Kinderdörfer seit vielen Jahren, aktuell etwa mit einem Ernährungsprogramm. (Sie lesen hier Teil 2 unseres Interviews mit Lobsang Tsomo, der erste Teil erschien mit unserem November-Newsletter)

Welche Bedeutung haben die tibetischen Kinderdörfer für die Erhaltung der tibetischen Kultur?

Die Bedeutung der tibetischen Kinderdörfer für die Bewahrung der tibetischen Kultur zeigt sich in unserem Leitbild. Dieses lautet, „sicherzustellen, dass alle tibetischen Kinder, die unter unserer Obhut stehen, eine solide Ausbildung und eine feste kulturelle Identität erhalten und zu selbständigen und mitwirkenden Mitgliedern der tibetischen Gemeinschaft und der Welt im Allgemeinen werden“. Angetrieben von der Bedeutung dieser Mission und einigen der Schlüsselkomponenten unserer Ziele, nämlich „ein solides Verständnis der tibetischen Identität, Kultur und moralischen Werte zu entwickeln“, spielen die TCV neben der Förderung des körperlichen und intellektuellen Wachstums der Kinder eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung der besten traditionellen und modernen Bildung zur Bewahrung der tibetischen Kultur. Im Exil betreuen wir mehr als die Hälfte der tibetischen Kinder im schulpflichtigen Alter. In den letzten sechs Jahrzehnten haben mehr als 52.000 Kinder unser Bildungssystem durchlaufen und stehen nun im Dienste der Weltgemeinschaft. Angesichts der verzweifelten Lage in Tibet unter der repressiven chinesischen Politik ist es die Aufgabe einer Organisation wie der tibetischen Kinderdörfer, sich darum zu bemühen, jungen Tibetern eine angemessene Bildung und Betreuung zu bieten.

Wie wichtig ist das Thema Ernährung für die tibetischen Kinderdörfer, welchen Herausforderungen sehen Sie sich in dieser Hinsicht gegenüber?

Da die Ernährung für das gesunde Wachstum und die Entwicklung von Kindern von entscheidender Bedeutung ist, ist die finanzielle Unterstützung, die wir von der ICT erhalten, sehr wichtig und hilfreich. Für eine ganzheitliche Entwicklung ist die Ernährung der Kinder ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Angesichts der schwindenden Zahl von Kindern, die aus Tibet und aus der Exilgemeinschaft kommen, stehen die tibetischen Kinderdörfer – wie viele andere wohltätige Einrichtungen auch – vor einigen Herausforderungen. Sicherlich gäbe es hier und da noch einiges zu wünschen, um die Ernährung unserer Kinder weiter zu verbessern und aufzuwerten. Doch immerhin können wir trotz der finanziellen Engpässe unseren Kindern ein Menü anbieten, das in Anbetracht unserer Situation als ziemlich gut bezeichnet werden kann. Von unserem Unterhaltsbudget pro Kind gehen die höchsten Ausgaben in die Küche, also in die Ernährung der Kinder.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Tibetan Children’s Villages, der tibetischen Kinderdörfer?

Nach 62 Jahren sind die TCVs heute eine blühende Gemeinschaft, die rund 6.500 schulpflichtige Kinder und weitere 850 Jugendliche im Rahmen ihres Hochschulprogramms unterrichtet und betreut. Solange die tibetische Gemeinschaft Bedarf hat, werden die tibetischen Kinderdörfer ihre lebensspendende Arbeit fortsetzen. Zugleich sind sie auf die finanzielle Hilfe von Spendern und das große Potenzial ihrer einstigen Schüler sowie der ehemaligen Mitarbeiter angewiesen. Mein Wunsch ist es, dass die Organisation weiter gedeiht und vorankommt, um die Zukunft Tibets – seine Kinder – zu gestalten. Auf diese Weise werden die Kinder zu künftigen Führungspersönlichkeiten heranwachsen, die die Welt zu einem besseren Ort machen.

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