Protest gegen Olympische
Winterspiele 2022
in Peking!

 

Foto: ICT

Es ist ein Bild von hoher Symbolkraft: Vor dem Hauptquartier des belgischen Nationalen Olympischen Komitees steht der tibetische Aktivist und Filmemacher Dhondup Wangchen. Vor sich hält der ehemalige politische Gefangene ein Schild mit der Aufschrift #No Beijing 2022 – Keine Olympischen Winterspiele Peking 2022. Im Hintergrund erkennt man das Wahrzeichen der belgischen Hauptstadt, das weltberühmte Atomium. Dhondup Wangchen ist auf einer Mission, die ihn durch mehrere europäische Hauptstädte führt. Wenige Monate vor Beginn der Spiele will er nun Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger auf die schweren Menschenrechtsverletzungen in Tibet aufmerksam machen. Dhondup Wangchen weiß, wovon er spricht.

Internationale Bekanntheit erlangte er mit seinem Film „Leaving Fear Behind“ aus dem Jahr 2008. Wenige Monate vor Eröffnung der Olympischen Sommerspiele Peking hatte er dafür in Tibet Interviews durchgeführt, in denen er die Menschen zu ihrer wahren Lage unter der chinesischen Herrschaft befragte. Dafür musste er einen hohen persönlichen Preis bezahlen: Dhondup Wangchen wurde verurteilt und musste 6 Jahre in chinesischer Haft verbringen. 2017 gelang ihm glücklicherweise die Flucht ins Exil. Inzwischen genießt er politisches Asyl in den USA. Er sagt: „China hat versucht, mich zum Schweigen zu bringen, doch jetzt können sie das nicht mehr tun.“ In Frankreich, Belgien und den Niederlanden ist er mit Politikern und Aktivisten zusammengetroffen, in beiden Ländern konnte er den Medien Interviews geben. Er sagt klipp und klar: In China werden die Menschenrechte massiv verletzt. Das Land könne daher kein würdiger Gastgeber für Olympische Spiele sein.

Am 6. Dezember wird er in Berlin an einer Online-Veranstaltung teilnehmen, die ICT gemeinsam mit der Tibet Initiative Deutschland e.V. organisiert und die wir live im Internet übertragen. Wenn Sie sich direkt an Dhondup Wangchen wenden und aktiv an der Diskussion teilnehmen wollen, können Sie sich bei uns melden. Eine begrenzte Zahl an Teilnehmern kann zugeschaltet werden. Schicken Sie einfach Ihren Teilnahme-Wunsch bis Montag 12 Uhr per E-Mail an . Alle anderen können die Diskussion im Livestream bei uns auf Facebook verfolgen.

Der Widerstand gegen Peking 2022 wächst

Das sehen offenbar immer mehr Menschen genauso. Und zwar nicht nur die Teilnehmer einer Aktion, die kürzlich vor der Zentrale des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne stattfand. Die Tibeter präsentierten dort einen Sarg mit den fünf olympischen Ringen und der Aufschrift 1894 – 2021 und forderten einen Boykott der für den Februar 2022 geplanten Olympischen Winterspiele in Peking. Damit befinden sie sich mittlerweile in guter Gesellschaft. „Ampel-Politiker fordern Olympia-Boykott“, hieß es unlängst in der Presse: „Der Fall Peng Shuai soll nicht ohne Folgen für China bleiben. In der deutschen Debatte werden die Forderungen nach einem diplomatischen Boykott der Winterspiele lauter. Auch die Kritik am IOC nimmt zu.“

Reinhard Veser schreibt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, der Fall der „verschwundenen“ chinesischen Tennisspielerin zeige, „was Diktatur für den einzelnen bedeuten kann“. Hier werde deutlich, was Willkürherrschaft bedeutet: „Man kann unter ihre Räder geraten, ohne sich gegen das Regime zu stellen. Es reicht, dass man im falschen Moment den Weg eines Mächtigen kreuzt.“ Veser fordert, die demokratischen Staaten sollten „daraus den Schluss ziehen, dass es sinnvoll ist, gegenüber Peking in die Offensive zu gehen“.

Fragwürdige Rolle von IOC-Präsident Thomas Bach

Doch leider sehen das nicht alle so. Besonders das Verhalten des IOC-Präsidenten hat zuletzt viel Kritik auf sich gezogen: „IOC-Chef Thomas Bach lässt sich für Chinas Propaganda einspannen“, kommentierte etwa der „Tagesspiegel“ die Rolle des obersten Olympia-Funktionärs in Pekings Inszenierung. Thomas Bach gab an, mit Peng Shuai per Video telefoniert zu haben. Damit sei nun alles in Ordnung, das IOC erklärte sich nach dem Anruf „erleichtert“, „als gehe es einzig darum, dass Peng lebt, Umstände egal“, so die Zeitung. Ihr Urteil ist eindeutig: „Mit freundlicher Hilfe des deutschen IOC-Chefs hat die Kommunistische Partei Chinas den Propagandasieg errungen, den sie in diesem Moment brauchte.“

All das hätte man kommen sehen können. So war die erneute Vergabe Olympischer Spiele an Peking durch das IOC aus Sicht von ICT von Anfang an ein Fehler. Bereits vor den Sommerspielen 2008 war eine Verbesserung der Menschenrechtslage versprochen worden, zu der es dann jedoch nie kam. Statt der in Aussicht gestellten Öffnung des Landes trat die KP Chinas nur noch autoritärer auf. Die gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Tibet 2008 wurde nicht aufgearbeitet, heute sind Überwachung, Indoktrination und „Sinisierung“ allgegenwärtig. Die Olympischen Spiele hätten deshalb niemals an Peking vergeben werden dürfen. Regierungsvertreter sollten von diesen Spielen fern bleiben und sie nicht durch ihre Anwesenheit aufwerten. Angesichts der massiven Menschenrechtsverletzungen der KP Chinas wäre dies das Mindeste, was man aus menschenrechtlicher Sicht erwarten darf.

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