Junge Tibeter
fordern Tibets
Unabhängigkeit

Quelle: RFA

​„Verkleidet als Geschäftsleute, Bettler und gewöhnliche Besucher“ mischten sich chinesische Polizisten unter die Bevölkerung der Ortschaft Dza Mey im osttibetischen Landkreis Sershul (unten eine Straßenszene aus der Kreisstadt) und versuchten, Aktivitäten und Stimmungen der Menschen auszuspionieren. So berichteten Medien unter Berufung auf tibetische Quellen. Ergänzt wurden die Zivilpolizisten durch ein massives Aufgebot paramilitärischer Polizeieinheiten, die in einem großen Konvoi nach Dza Mey gekommen und nun überall ausgeschwärmt seien. In Einsatzfahrzeugen patrouillierten sie durch die Straßen.

Das Alltagsleben in der kleinen Landgemeinde sei angesichts der engmaschigen Überwachung komplett aus den Fugen geraten. Damit reagierten die chinesischen Behörden auf die Proteste junger Tibeter, die vor Kurzem in dem zu Dza Mey gehörenden Dorf Dza Wonpo Flugblätter verteilt hatten, auf denen die Unabhängigkeit Tibets gefordert wurde. So protestierten die beiden Tibeter Yonten (Foto oben) und Choegyal am 21. November im Hof der örtlichen Polizeistation gegen die chinesische Regierung. Kurz darauf wurden die beiden von chinesischen Polizisten festgenommen. Schon Anfang November hatten in Dza Wonpo vier junge Mönche eine ähnliche Protestaktion durchgeführt. Kunsal, 20, Tsultrim, 18, Tamey, 18, und Soeta, 18, verteilten im Hof eines chinesischen Verwaltungsgebäudes hunderte Flugblätter, auf denen die Unabhängigkeit Tibets sowie die Einhaltung der Menschenrechte in Tibet und insbesondere die Achtung der Rechte der tibetischen Bevölkerung gefordert wurden.

Junger Tibeter stirbt nach Selbstanzündung

In Tibet hat sich Berichten zufolge erneut ein junger Tibeter aus Protest selbst angezündet und ist an seinen Verletzungen gestorben. Tibetische Quellen im Exil mit guten Verbindungen in die Region berichteten, dass sich der 24-jährige Yonten (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen jungen Protestierer aus Sershul) am 26. November in der osttibetischen Stadt Ngaba (chin.: Aba, Provinz Sichuan) selbst in Brand setzte. Den Berichten zufolge war Yonten ein ehemaliger Mönch des Klosters Kirti, das insbesondere seit 2008 Schauplatz zahlreicher Proteste und massiver Repression durch die chinesischen Behörden gewesen ist. Die International Campaign for Tibet (ICT) ist bestürzt über die neuerliche Selbstanzündung. ICT-Geschäftsführer Kai Müller: „In Tibet herrscht ein totalitärer Polizeistaat. Peking schottet das Land systematisch ab und traurige Vorfälle wie die erneute Selbstverbrennung eines Tibeters sind Ausdruck eines Alltags aus Überwachung, Kontrolle und Indoktrination. Die internationale Gemeinschaft muss die Situation in Tibet mit Nachdruck thematisieren.“

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