Internate sollen Kinder
von tibetischer Sprache
und Kultur entfremden

Quelle: RFA

Mithilfe eines groß angelegten Internatssystems versucht die chinesische Führung offenbar, tibetische Kinder von ihrer Herkunftskultur zu entfremden. Laut einem aktuellen Bericht des „Tibet Action Institute“ haben die chinesischen Behörden in Tibet ein regionales Netz von Internaten eingerichtet. Bewusst würden tibetische Kinder auf diese Weise schon in jungem Alter von ihren Eltern und ihrem Zuhause getrennt. Das Programm ziele darauf ab, die Kinder von ihrer eigenen Sprache und Kultur fernzuhalten und sie staatlichem Einfluss auszusetzen. Es sei Teil einer Assimilationskampagne, die darauf abziele, „Bedrohungen für die Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas durch die Beseitigung ethnischer Unterschiede zu begegnen”, wie „Radio Free Asia“ (RFA) aus dem Bericht zitiert.

Erzwungene Trennung von Familien und Kultur

In den Schulen fände der Unterricht hauptsächlich auf Chinesisch statt und beinhalte zudem eine intensive politische Indoktrination. Das „Tibet Action Institute“ bezeichnet die Internate als chinesische „Kolonialprojekte“ und sagte, dass etwa 800.000 tibetische Kinder im Alter von bis zu 18 Jahren in den Schulen lebten. Dort litten sie unter psychologischen und emotionalen Traumata, die durch die erzwungene Trennung von ihren Familien und ihrer Kultur verursacht würden. Die tibetische Schriftstellerin Tsering Yangzom Lama verglich die chinesischen Internatsschulen in Tibet in einem Zeitungskommentar mit den berüchtigten „Residential Schools“ in Kanada. Diese hatten die staatlichen Behörden im 19. Jahrhundert für die Kinder der kanadischen Ureinwohner eingerichtet und erst im Jahr 1996 geschlossen.

Selbst Kinderreime und Gutenachtgeschichten auf Chinesisch

Die Folgen der chinesischen Internatsschulen für das langfristige Überleben der tibetischen Identität seien „gravierend“, heißt es in dem Bericht. Ein tibetischer Lehrer habe gesagt, die chinesischen Behörden in Osttibet verlangten von Kindern ab vier Jahren, in Schulen zu leben, in denen „die Lehrer nur Mandarin sprechen und den gesamten Lehrplan in Mandarin abhalten, einschließlich Kinderreimen und Gutenachtgeschichten“. Wenn die Kinder dann schließlich im Alter von sieben Jahren in die Grundschule kämen, könne kaum eines von ihnen Tibetisch sprechen, so der Lehrer. Ergänzt wird das System der Internatsschulen offenbar durch verstärkten Druck auf die noch existierenden tibetischen Privatschulen. Auch dort werde nun die politische Ideologie des sogenannten „Xi Jinping-Denkens“ gelehrt. Alle Lehrbücher würden ins Chinesische übersetzt, Lehrer und Schüler müssten „ihre Gedanken umwandeln“, Mönche dürften nicht mehr unterrichten und Schulen keinen Unterricht über den tibetischen Buddhismus mehr anbieten.

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