Eltern werden verpflichtet,
ihre Kinder von religiösen
Aktivitäten fernzuhalten

 

Foto: Kit Rawson-CC-BY-SA-3.0

Berlin, 10.01.2024. Die chinesischen Behörden in Tibet haben jeglichen privaten Tibetisch-Unterricht für Kinder während der Winterferien verboten. Laut einer Bekanntmachung des chinesischen Bildungsministeriums gilt das Verbot während der zwei Monate dauernden Ferienzeit für alle Schultypen, wie „Radio Free Asia“ (RFA) unter Berufung auf tibetische Quellen berichtet.

Die lokalen Behörden seien angewiesen, die Verbotsanordnung zu überwachen. Strenge disziplinarische Maßnahmen würden gegen diejenigen ergriffen, die gegen die Vorschrift verstoßen.

Die chinesischen Behörden führten stichprobenartige Kontrollen in „Wohngebieten und kommerziellen Einrichtungen” durch und gingen von Tür zu Tür. Die Überprüfungen fänden zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten statt, so der Bericht.

Verbot religiöser Aktivitäten

Tibetische Eltern seien zudem verpflichtet, ihre Kinder von allen religiösen Aktivitäten fernzuhalten. Laut der Bekanntmachung dürften die Eltern ihre Kinder nicht religiös erziehen und müssten sicherstellen, dass diese „völlig frei von religiösen Einflüssen sind”.

Die Eltern müssten auch dafür sorgen, dass sich tibetische Kinder „freiwillig von religiösen Stätten distanzieren“ und sich nicht an religiösen Aktivitäten beteiligen, heißt es in der Bekanntmachung.

In der Vergangenheit hatten viele tibetische Kinder während der Winterferien zusätzlichen Privatunterricht in ihrer Muttersprache erhalten. Auch Religion, Mathematik und Geschichtenerzählen seien auf diese Weise unterrichtet worden, so eine tibetische Quelle.

Jetzt sei es „nur noch wenigen von der chinesischen Regierung autorisierten Organisationen und Einzelpersonen, die politische Umerziehungsprogramme durchführen“, erlaubt, tibetische Schüler in den Ferien zu unterrichten.

Verbot wird kontrolliert

Die chinesischen Behörden belassen es offenbar nicht bei stichprobenartigen Untersuchungen und Tür zu Tür-Kontrollen. Darüber hinaus führten sie auch „Umfragen unter den tibetischen Kindern durch, um herauszufinden, welche Fächer ihnen in ihren außerschulischen Kursen beigebracht werden und wo”, so eine Quelle von RFA.

In der Mitteilung des Bildungsministeriums heißt es, dass tibetische Kinder nur an Zusatzkursen und Workshops teilnehmen können, die von staatlich autorisierten Personen und Organisationen angeboten werden.

Bereits im Jahr 2021 hatten die chinesischen Behörden in Tibet damit begonnen, tibetischen Kindern die Teilnahme an informellen tibetischen Sprachkursen oder Workshops während der Winterferien zu verbieten. Zuvor schon waren die letzten verbliebenen tibetischen Privatschulen geschlossen worden. Seitdem haben die Machthaber ihre Kampagne gegen die Weitergabe der tibetischen Kultur und Sprache an die Kinder weiter verschärft.

Anhaltende „Sinisierungs“-Kampagne

Ihren stärksten Ausdruck findet die anhaltende „Sinisierungs“-Kampagne in Gestalt der chinesischen Zwangsinternate die von der großen Mehrzahl der tibetischen Kinder besucht werden müssen. Dem tibetischen Bildungsexperten Dr. Gyal Lo zufolge werden bis zu einer Million tibetischer Kinder in diesen obligatorischen Internaten systematisch von ihrer Sprache und Kultur entfremdet. Es besteht dabei die akute Gefahr, dass sie psychischen und emotionalen Schaden nehmen und einer hochgradig politisierten Erziehung in chinesischer Sprache ausgesetzt werden.

International sorgt Pekings Politik zunehmend für deutliche Kritik. So haben sich zuletzt etwa auch kanadische Parlamentarier der Forderung des UN-Sozialausschusses nach einem Ende von Zwangsinternaten für tibetische Kinder angeschlossen. Zuvor hatten sich bereits die Bundesregierung sowie die Regierungen der USA und der Tschechischen Republik besorgt über die Verdrängung der tibetischen Sprache und Kultur und die Verschlechterung der Menschenrechtslage in Tibet durch die Assimilationspolitik der chinesischen Regierung geäußert.

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