Dr. Gyal Lo berichtet
über chinesisches
Internatssystem

 

Foto: ICT

Es kann nicht verwundern, dass China enormen Aufwand treibt, um Tibet vor der Weltöffentlichkeit abzuschotten. Internationale Journalisten, Diplomaten, ja selbst Vertreter der Vereinten Nationen und einfache Touristen können allenfalls unter großen Schwierigkeiten das „Dach der Welt“ bereisen. Wer es dennoch schafft, steht unter ständiger Beobachtung durch Polizei und Geheimdienste, unbeobachtete Gespräche mit Tibetern sind kaum möglich und bringen diese im Zweifel in Schwierigkeiten.

Zudem werden alle Auslandskontakte von Tibetern streng überwacht und nicht selten mit harschen Strafen belegt. Für „Freedom House“ ist Tibet deshalb auch das am wenigsten freie Land der Welt – gleichauf mit Syrien und Süd-Sudan.

Aus Sicht von Peking bietet diese rigorose Abschottung Tibets einige unabweisbare Vorzüge. Während es nur wenige authentische Berichte aus dem Land in die internationalen Medien schaffen, flutet das KP-Regime den öffentlichen Raum mit Jubelpropaganda über seine angeblichen Erfolge und darob glückliche Tibeter. Eine einfache Nachrichtensuche im Internet wird unweigerlich zahlreiche Beispiele dafür zutage fördern.

Umso wichtiger ist es, diesem chinesischen Narrativ eine wahre Beschreibung der Lage entgegenzusetzen. Organisationen wie die International Campaign for Tibet werden nicht müde, dies zu tun – mögen sich auch unsere Mittel im Vergleich zu dem gewaltigen Apparat, über den die Machthaber in Peking verfügen, bescheiden wirken.

Und so war es unseren ICT-Kollegen in Belgien und den Niederlanden ein Herzensanliegen, den führenden Experten für das chinesische System von Zwangsinternaten in Tibet nach Europa zu bringen und ihn dabei zu unterstützen, Parlamente, politische Entscheider und Medienvertreter zu informieren. Stationen seiner Europareise waren Belgien, die Niederlande und Italien.

Die Rede ist von Dr. Gyal Lo, der tibetische Bildungssoziologe gilt international als Kronzeuge für die forcierte Assimilationspolitik der chinesischen Regierung in Tibet und insbesondere für das koloniale Internatssystem für tibetische Kinder. Im Juni 2022 konnten wir ihn bereits in den Deutschen Bundestag begleiten, wo er den Mitgliedern der Parlamentsgruppe Tibet einen Überblick über die Lage verschaffte.

Juni 2022: Dr. Gyal Lo vor dem Reichstag. ICT-Mitarbeiterin Palmo Tenzin (li.) und ICT-Geschäftsführer Kai Müller (re.) begleiten den tibetischen Bildungswissenschaftler zu seinen Gesprächen mit dem Menschenrechtsausschuss des Bundestages und den Mitgliedern der Parlamentsgruppe Tibet. (Foto: ICT)

Dr. Gyal Lo ist dafür prädestiniert wie wohl niemand sonst. Im Jahr 2016 wurde der Experte für die „gestohlenen Kinder Tibets“ persönlich Zeuge der Auswirkungen von Chinas Assimilationspolitik auf seine eigenen Großnichten; nach nur drei Monaten Besuch einer Vorschule im Internat begannen diese, miteinander auf Chinesisch zu kommunizieren und sich emotional von ihrer Familie zu entfernen. Entsetzt über diese Situation unternahm er eine wissenschaftliche Feldforschung und besuchte mehr als 50 Internate, um deren Auswirkungen auf die Kinder und ihre Gemeinden zu dokumentieren.

Seinen Recherchen zufolge werden bis zu einer Million tibetischer Kinder in diesen obligatorischen Internaten systematisch von ihrer Sprache und Kultur entfremdet, wodurch sie möglicherweise psychischen und emotionalen Schaden nehmen und einer hochgradig politisierten Erziehung in chinesischer Sprache ausgesetzt werden.

Dr. Gyal Lo lebt heute im kanadischen Exil und hat mit seiner Arbeit dazu beigetragen, die internationale Gemeinschaft auf das Ausmaß der beispiellosen und schädlichen Assimilierungskampagne Chinas aufmerksam zu machen. Wir werden ihn dabei auch weiterhin unterstützen und nicht aufhören, auf nationaler wie internationaler Ebene den „Sprach-Genozid“ in Tibet anzuprangern, wie Dr. Gyal Lo Pekings Politik kürzlich in einem Interview charakterisierte.

Denn die Zeit drängt. Bei seinen Gesprächen in Belgien, den Niederlanden und Italien betonte Dr. Gyal Lo die dramatischen und unumkehrbaren Auswirkungen des chinesischen Internatssystems. „Wenn diese Politik fortgesetzt wird, werden die tibetische Kultur und Identität innerhalb von 15 bis 20 Jahren ausgelöscht werden“, warnte er seine Zuhörer. Das dürfen wir nicht zulassen!

Ermutigend ist die wachsende internationale Unterstützung, die wir dabei spüren. Experten der Vereinten Nationen und nationale Parlamente haben zuletzt mehrfach deutliche Kritik am chinesischen System von Zwangsinternaten in Tibet geübt. ICT wird weiterhin alles daran setzen, dass diese Stimmen lauter werden. Damit das Regime in Peking zum Umdenken bewegt und das System der Zwangsinternate in Tibet beendet wird.

 

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