Tibet-Politik

PRESSEMITTEILUNG: China lässt politische Gefangene Ngawang Sangdrol ausreisen

31. März 2003

Berlin/Washington: Die Nonne Ngawang Sangdrol (26), eine der bekanntesten politischen Gefangenen Tibets, konnte am Freitag, fünf Monate nach ihrer Entlassung aus dem Drapchi-Gefängnis in Lhasa, aus medizinischen Gründen in die USA ausreisen. Sie ist ein Symbol des tibetischen Widerstands.

Sangdrol wurde am Flughafen in Washington D.C. von Mitarbeitern der International Campaign for Tibet (ICT) in Empfang genommen. Sie konnte das Flugzeug selbständig verlassen. Sie sei sehr glücklich, angekommen zu sein, aber sie sei auch sehr müde und überwältigt, meinte Sangdrol. ICT wird sicherstellen, dass Sangdrol die notwendige medizinische Versorgung und Pflege bekommt.

"Dies ist eine sehr wichtige Freilassung für die Tibetbewegung. Leider bedeutet es nicht, dass sich die Bedingungen in Tibet verbessert haben: Auch heutzutage würde jeder Tibeter für das verhaftet werden, was sie vor elf Jahren getan hat", stellte Gudrun Henne, Geschäftsführerin von ICT-Deutschland, fest.

Ngawang Sangdrol war zum ersten Mal mit 13 Jahren wegen politischen Protests für neun Monate verhaftet worden.

„Schon als junges Mädchen wurde Sangdrol geschlagen und gefoltert, doch ihr Kampfgeist und ihre Hartnäckigkeit haben überlebt. Sie ist ein Vorbild für alle Tibeter und Tibeterinnen", sagte Dechen Pemba, 24, von ICT-Deutschland.

15jährig wurde Ngawang Sangdrol 1992 erneut verhaftet, weil sie versucht hatte, zu demonstrieren. Mit nur 26 Jahren hat Sangdrol bereits elf Jahre in chinesischen Gefängnissen verbracht. Ihr Strafmaß von insgesamt 21 Jahren ist das längste, das jemals einer weiblichen Gefangenen in Tibet zuteil wurde. Sie hätte am 3. November 2011 entlassen werden sollen.

Ngawang Sangdrols Freilassung folgt auf jahrelange Kampagnen von Tibetorganisationen und Menschenrechtsgruppen und nachhaltige Bemühungen westlicher Regierungen. Auch Lodi Gyari, der Sonderabgesandte Seiner Heiligkeit des Dalai Lama, hatte bei seinem Besuch in Lhasa und Beijing im September 2002 besonders auf ihre Entlassung gedrängt.

Auffällig ist, dass sie mit dem jährlichen Treffen der Menschenrechts Kommission der UN in Genf zusammenfällt und nur wenige Wochen vor dem angekündigten Besuch des US Vize Präsidenten Dick Cheney in Beijing stattfindet.

1993 gelang es Sangdrol zusammen mit 13 weitere Nonnen, Lieder über ihre Liebe zu Tibet auf Kassette aufzunehmen und aus dem Gefängnis zu schmuggeln. Nachdem dies bekannt wurde, erhöhten die chinesischen Behörden ihre Strafe um 6 Jahre und setzten Sangdrol erneut schweren Misshandlungen aus. 1996 wurde ihre Strafe wegen erneuter Proteste im Gefängnis weiter erhöht. 1998 wurde ihr die dritte Strafverlängerung wegen Protesten im Gefängnis zuteil, unter anderem wegen eines Protests anlässlich des Besuchs einer Delegation von Vertretern der Europäischen Union. Chinesischen Behörden zufolge wurde Ihre Strafe 2001 um 18 Monate verkürzt, weil sie "wahre Reue und Reformwillen" gezeigt habe.

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