Berlin, 30. Januar 2019. Ein aktueller Bericht der Vereinigung der Auslandspresse in China beklagt die massive Einschränkung einer freien Berichterstattung durch staatliche chinesische Behörden. Unter dem Titel „Under Watch: Reporting in China’s Surveillance State” dokumentiert er insbesondere die Schwierigkeiten der ausländischen Journalisten, in Regionen wie Tibet oder die Uigurenregion Xinjiang (Ost-Turkestan) zu reisen bzw. dort zu arbeiten.

Der „Foreign Correspondents’ Club of China“ (FCCC) hat für den Bericht mehr als 100 China-Korrespondenten aus 31 Ländern oder Regionen nach ihren Erfahrungen im Jahr 2018 befragt. Obwohl sie mit Ausnahme der sogenannten Autonomen Region Tibet (TAR), die ungefähr die Hälfte der Fläche des historischen Tibets ausmacht, theoretisch das gesamte Staatsgebiet der Volksrepublik China frei bereisen dürften, hätten viele Korrespondenten erfahren müssen, dass dies praktisch nicht möglich war. So sei einem namentlich nicht genannten Reporter aus Großbritannien unmissverständlich bedeutet worden, dass Xinjiang oder Tibet für ihn tabu seien. Die Hälfte der Korrespondenten, die aus den außerhalb der TAR gelegenen Teilen Tibets berichten wollte, sei daran gehindert worden.

Der FCCC-Bericht enthält einige konkrete Beispiele, wie die chinesischen Behörden die Arbeit der ausländischen Journalisten verhinderten. So seien im Februar 2018 der New York Times-Reporter Steven Lee Myers und sein Fotograf für fast 17 Stunden festgehalten worden, nachdem sie im osttibetischen Kloster Dzongsar über die dortigen Neujahrs-Feierlichkeiten berichten wollten. Die Polizei habe sie daran gehindert zu telefonieren und sie zurechtgewiesen, ehe man sie zum nächsten Flughafen brachte. Im März 2018 sei der Bürochef von Le Monde Brice Pedroletti in der osttibetischen Region Ngaba (chin.: Aba) wiederholt verfolgt worden. Lokale Funktionäre hätten ihm „Hilfe“ und „Unterstützung“ angeboten und seien Pedroletti auch dann noch nachgegangen, als er dies abgelehnt hatte.

Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) unterstreicht der Bericht des FCCC die Notwendigkeit freien Zugangs nach Tibet – sowohl für Journalisten, als auch für normale Bürger. Denn, wie FCCC-Präsidentin Hanna Sahlberg bemerkte, geschieht die zunehmende Beeinträchtigung der Arbeit ausländischer Medien in China zur selben Zeit wie die weltweite Expansion der chinesischen Staatsmedien, die Pekings Propaganda auf allen Kontinenten verbreiten. Dieser doppelte Standard der chinesischen Führung ist einer der Gründe für den „Reciprocal Access to Tibet-Act“ (RATA), der kürzlich in den USA Gesetzeskraft erlangte. Das Gesetz verlangt für alle Bürger der Vereinigten Staaten, insbesondere aber für Journalisten und Diplomaten, freien Zugang nach Tibet. Funktionären, die dies US-Bürgern verwehren, werden im Gegenzug keine Visa für die USA erteilt.

Lesen Sie dazu auch unseren Bericht „New China foreign correspondents report shows need for access to Tibet, ICT says“.

 

Pressekontakt:

Kai Müller
Geschäftsführer
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

 

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