Berlin, 22. Juli 2019. Tausende Mönche und Nonnen wurden in einer neuerlichen Vertreibungswelle von den chinesischen Behörden gezwungen, das buddhistische Studienzentrum Yachen Gar im Osten Tibets zu verlassen. Bereits in den vergangenen Jahren war es in Yachen Gar, wo einst bis zu 10.000 Mönche und Nonnen lebten, zu Vertreibungen gekommen. Tibetischen Quellen zufolge haben die chinesischen Behörden ihr Vorgehen verschärft. Seit Mai seien etwa 3.500 Menschen gezwungen worden, das im Landkreis Palyul (chin.: Baiyu, Provinz Sichuan) gelegene Yachen Gar zu verlassen. Die Betroffenen hätten aus Teilen Tibets gestammt, die verwaltungsmäßig nicht zur chinesischen Provinz Sichuan gehören. Die Behörden hätten angeordnet, dass in dem Studienzentrum maximal 4.700 Mönche und Nonnen verbleiben dürften.

Berichten zufolge wurden viele der Vertriebenen in offenbar extralegalen Hafteinrichtungen interniert, wo sie zwangsweisen „Umerziehungsmaßnahmen“ ausgesetzt sind und ein hohes Folterrisiko besteht. Tibetische Nonnen, die in diesen Einrichtungen angesichts ihrer Behandlung in Tränen ausbrachen, wurden einer Quelle von „Radio Free Asia“ (RFA) zufolge brutal geschlagen. Ähnliches ist auch aus der Uigurenregion Xinjiang (Ost-Turkestan) bekannt, wo Insassen der „Umerziehungslager“ ebenfalls hart bestraft wurden, wenn sie weinen mussten. Laut dem Bericht von RFA müssten die tibetischen Nonnen in einem der Lager tagsüber an „Umerziehungskursen“ teilnehmen. Abends dann würde man sie zwingen, chinesische Propagandafilme anzuschauen, die beispielsweise Erfolge der Chinesen im Krieg gegen Japan zeigten. Einige der Nonnen seien unter dem Druck dieser Behandlung in Tränen ausgebrochen und daraufhin von den Lagerwachen „grün und blau“ geschlagen worden. Die Schläge seien so hart gewesen, dass manche der Nonnen anschließend kaum mehr hätten stehen können. Man habe ihnen mitgeteilt, dass sie wegen ihres Weinens eineinhalb Jahre in Haft bleiben müssten, während man die anderen nach sechs Monaten freilassen werde. Auch werde man ihnen Pakete mit Essen oder Kleidung vorenthalten, die von ihren Familienangehörigen für sie abgegeben wurden.

Die Vertreibungen aus Yachen Gar erinnern an die Vorgänge im gleichfalls in Osttibet gelegenen Studienzentrum Larung Gar. Dort fanden seit dem Sommer des Jahres 2016 ebenfalls Massenvertreibungen statt. Tausende Unterkünfte wurden von den Behörden dem Erdboden gleichgemacht, Tausende Mönche und Nonnen vertrieben.

Die Vertreibungen und die extralegale Internierung zur „Umerziehung“ fügen sich in das Bild einer chinesischen Politik in Tibet, die darauf abzielt, mithilfe modernster Überwachungstechnologie und unter Einsatz zehntausender Parteikader, die in Klöster, Schulen und Privatwohnungen geschickt werden, die kulturelle und religiöse Identität der Tibeter zu unterminieren, so die International Campaign for Tibet.
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unserem Bericht „New phase of expulsions at important Buddhist institute leads to rounding up of monks and nuns for “re-education”.

Pressekontakt:

Kai Müller
Geschäftsführer
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

 

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