Pressemitteilung: Nepal: Tibetischer Mönch stirbt nach Selbstverbrennung in buddhistischer Pilgerstätte / Australierin wird Augenzeugin / Dritte Selbstanzündung in Kathmandu seit 2011
Berlin, 8. August 2013. Ein 38-jähriger tibetischer Mönch namens Karma Ngedon Gyatso hat sich am Morgen des 6. August in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu selbst angezündet und ist unmittelbar danach verstorben. Ort des Geschehens war die Boudha Stupa im Zentrum von Kathmandu, eine bedeutende buddhistische Pilgerstätte. Bereits im vergangenen Februar hatte sich dort ein tibetischer Mönch selbst verbrannt, auch er war seinen Verletzungen erlegen. Die erste Selbstanzündung eines Tibeters in Nepal hatte sich vor zwei Jahren ereignet.
Karma Ngedon Gyatso soll erst im Oktober 2011 von Tibet nach Nepal gekommen sein. Er war stark körperbehindert, wegen einer Lähmung der unteren Körperhälfte konnte er nicht aufrecht gehen, offenbar zog er sich mit seinen Armen und Händen über den Boden. Von Menschen, die ihn kannten, wurde er als tief religiös beschrieben, er soll regelmäßig die Boudha Stupa besucht und dort trotz seiner Behinderung die rituelle Umrundung des Heiligtums vollzogen haben.
Eine australische Augenzeugin, deren Bericht auf Facebook gestellt wurde (siehe: http://tinyurl.com/m825vme), schildert darin, wie sie eher zufällig auf einen Mönch aufmerksam wurde, der etwas abseits der großen Menschenmenge auf der Erde saß und dessen Schoß in Flammen stand. Sie habe zunächst vermutet, er hätte sich versehentlich an einer Butterlampe angezündet, als sie sah, wie er eine Flasche mit einer Flüssigkeit über seinem Kopf ausleerte. Vermutlich habe es sich um Benzin oder Kerosin gehandelt, denn der Mönch habe unvermittelt in Flammen gestanden. Die Australierin weiter: „Soweit ich hören konnte, war er vollkommen still. Ich begann nach Hilfe zu rufen. Er kippte auf die Seite und blieb zusammengekrümmt liegen, sein Gesicht war verzerrt, aber weder schrie noch rief er etwas.“ Ein nepalesischer Augenzeuge, der als erster zur Stelle war, schilderte der „Himalayan Times“ wie er die Flammen auf dem Körper des Mönchs mit einem Feuerlöscher erstickt und anschließend die Polizei gerufen habe. Der australischen Augenzeugin zufolge dauerte es etwa fünf oder zehn Minuten, bis Polizisten an Ort und Stelle erschienen. Die Beamten brachten Karma Ngedon Gyatsos Körper ins Tribhuwan-Universitätskrankenhaus, wo er gegen 8:30 Uhr für tot erklärt wurde.
Tibetische Exilquellen bestätigen, dass Karma Ngedon Gyatso aus Damshung (chin.: Dangxiong) in der Nähe von Lhasa stammte, vermutlich habe an den Folgen einer Kinderlähmung gelitten. Von der Presse zitierte Aussagen von namentlich nicht genannten nepalesischen Polizeibeamten, der Mönch sei „psychisch labil“ gewesen, wurden von Personen, die Karma Ngedon Gyatso kannten, gegenüber der International Campaign for Tibet (ICT) zurückgewiesen.
Neu installierte Überwachungskameras
Im vergangenen September hatten die nepalesischen Behörden damit begonnen, die Gegend rund um die Boudha Stupa mit Überwachungskameras auszustatten. Der Bevölkerung wurde gesagt, diese dienten der verbesserten Sicherheit der Touristen und sollten sicherstellen, dass Besucher der Stupa das Eintrittsgeld entrichten. Schnell jedoch kam der Verdacht auf, in Wirklichkeit ginge es den Behörden darum, so genannte “anti-chinesische Aktivitäten” der Tibeter unterbinden zu können. Die Stelle, an der Karma Ngedon Gyatso sich selbst anzündete, lag möglicherweise außerhalb des Bereichs, der von den in der Stupa installierten Überwachungskameras eingesehen werden konnte.
Erst vor wenigen Tagen meldete der „Himalayan News Service“, dass alleine an der Boudha Stupa, „die von Offiziellen als Zentrum der Bewegung für ein ‚Freies Tibet‘ und anti-chinesischer Aktivitäten bezeichnet werde“, 16 moderne Überwachungskameras installiert worden seien (siehe: http://tinyurl.com/l6lwrgd). Gerüchteweise soll dabei sogar automatische Gesichtserkennung eingesetzt werden, was bei den Tibetern das Gefühl der ständigen Überwachung weiter verstärke. Ob die neuen Überwachungskameras direkt von chinesischen Behörden finanziert wurden, ist nicht bekannt. Allerdings meldete die nepalesische Presse, dass die chinesische Regierung im Juli Überwachungstechnik im Wert von umgerechnet 3 Millionen US-Dollar an die Polizei Nepals geliefert habe (siehe: http://tinyurl.com/k6nlw5t).
Einen englischsprachigen Bericht können Sie hier herunterladen.
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Kai Müller
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Berlin, 16. März 2011. Der 21 Jahre alte tibetische Mönch Phuntsog aus dem Kloster Kirti in Ngaba (chin.: Aba) in der chinesischen Provinz Sichuan hat sich heute Morgen öffentlich angezündet und ist anschließend seinen Verletzungen erlegen. Augenzeugen in Kontakt mit tibetischen Exil-Quellen zufolge soll die Polizei die Flammen gelöscht und auf Phuntsog eingeschlagen haben. Kurz danach sei der Mönch gestorben. Die Selbstverbrennung Phuntsogs fiel zusammen mit dem dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des friedlichen Protests im Kloster Kirti im Jahre 2008. Dabei waren mindestens zehn Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Tod Phuntsogs führte anschließend zu einer großen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurückgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti „eher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu übergeben“. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem Militär umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem Frühjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey überlebte, wurde allerdings anschließend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem Maße erschütternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter über die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.

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