Tibet: Sorge um zum Tode verurteilten Tibeter / Möglicherweise unter Folter erzwungenes „Geständnis“ einziger Beweis / ICT: Vermutlich kein faires Verfahren
Berlin, 29. Januar 2014. Die International Campaign for Tibet (ICT) ist in Sorge um Dolma Kyab, einen Tibeter aus der osttibetischen Autonomen Präfektur Ngaba (chin.: Aba), der im vergangenen August in einem offenbar rechtsstaatswidrigen Geheimverfahren von einem chinesischen Gericht zum Tode verurteilt worden war. Dolma Kyab (chin. Transliteration: Drolma Gya) war die Ermordung seiner Ehefrau, Kunchok Wangmo, zur Last gelegt worden. Berichte tibetischer Quellen legen jedoch nahe, dass diese sich in Wahrheit aus Protest gegen die chinesische Politik in Tibet selbst angezündet hatte und an den Folgen verstorben war. Die Behörden hätten versucht, dieses zu vertuschen, indem Dolma Kyab beschuldigten, seine Ehefrau ermordet und anschließend versucht zu haben, sie Bluttat wie eine Selbstverbrennung aussehen zu lassen. Das Gerichtsverfahren war nicht-öffentlich, die chinesischen Staatsmedien erwähnten in einer Meldung vom 16. August 2013 als einzigen Beweis ein „Geständnis“ Dolma Kyabs, der tibetischen Quellen zufolge in der Haft schwer gefoltert worden war. Laut den verfügbaren Informationen hatte Dolma Kyab auch keinen Anwalt seiner Wahl zur Seite.
Die Verhängung der Todesstrafe erfolgt in Tibet nicht sonderlich häufig. Nach chinesischem Recht muss das Urteil nun von einem höheren Gericht überprüft werden, im vorliegenden Fall also von einem Höheren Volksgericht sowie dem Obersten Volksgerichtshof. Diese Gerichte können das Urteil umwandeln, beispielsweise in eine für zwei Jahre aufgeschobene Todesstrafe, was in der Regel lebenslängliche Inhaftierung bedeutet. Wird das Urteil hingegen bestätigt, droht eine rasche Hinrichtung. Näheres über den aktuellen Stand von Dolma Kyabs Verfahren ist derzeit nicht bekannt. Dolma Kyab wird gegenwärtig im Gefängnis von Barkham (chin.: Maerkang), der Hauptstadt der Autonomen Präfektur Ngaba in der Provinz Sichuan festgehalten.
Einen ICT-Bericht mit weiteren Details können Sie hier herunterladen:https://savetibet.de/fileadmin/user_upload/content/berichte/Aktuelle_Berichte/ICT_Bericht_28012014.pdf.
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Kai Müller
Geschäftsführer
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Schönhauser Allee 163
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel, London und Berlin sowie Rechercheteams in Dharamsala, Indien, und Kathmandu, Nepal.

Berlin, 16. März 2011. Der 21 Jahre alte tibetische Mönch Phuntsog aus dem Kloster Kirti in Ngaba (chin.: Aba) in der chinesischen Provinz Sichuan hat sich heute Morgen öffentlich angezündet und ist anschließend seinen Verletzungen erlegen. Augenzeugen in Kontakt mit tibetischen Exil-Quellen zufolge soll die Polizei die Flammen gelöscht und auf Phuntsog eingeschlagen haben. Kurz danach sei der Mönch gestorben. Die Selbstverbrennung Phuntsogs fiel zusammen mit dem dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des friedlichen Protests im Kloster Kirti im Jahre 2008. Dabei waren mindestens zehn Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Tod Phuntsogs führte anschließend zu einer großen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurückgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti „eher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu übergeben“. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem Militär umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem Frühjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey überlebte, wurde allerdings anschließend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem Maße erschütternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter über die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.

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