International Campaign for Tibet
 

Tibet: China lässt ehemalige Residenz der Eltern des Dalai Lama abreißen und durch Neubau ersetzen / International Campaign for Tibet: Kulturelle Rechte der Tibeter verletzt

Berlin, 1. August 2018. Die ehemalige Residenz der Eltern des gegenwärtigen Dalai Lama im Zentrum von Lhasa wurde abgerissen und durch einen Neubau aus Beton ersetzt, belegt ein neuer Bericht der International Campaign for Tibet. Bei dem Yabshi Takster-Haus handelte es sich um eines der größten und bedeutendsten der wenigen noch verbliebenen historischen Gebäude in Lhasa, sein Abriss fand offenbar im Frühjahr statt, nur wenige Wochen vor der Sitzung des Welterbekomitees der UNESCO in Bahrain. Dieses befasste sich unter anderem mit dem Schutz der UNESCO-Weltkulturerbestätte „Potala Palast-Ensemble“, das neben dem Potala Palast auch den Jokhang-Tempel und dessen unmittelbare Umgebung in der Altstadt Lhasas umfasst. Das Yabshi Takster-Haus war im traditionellen tibetischen Stil eigens für die Eltern des Dalai Lama errichtet worden, die ihrem Sohn in die tibetische Hauptstadt gefolgt waren, wo er auf seine zukünftigen Pflichten als geistliches und politisches Oberhaupt Tibets vorbereitet werden sollte. Es lag in der Nähe des Potala Palasts, in dem der Dalai Lama bis zu seiner Flucht aus Tibet im Jahr 1959 lebte.

„Der Abriss historisch wichtiger Gebäude in Lhasa zerstört wertvolles Kulturgut und bedroht das kulturelle Erbe der Tibeter. Es ist nicht akzeptabel, mit Nachbildungen und touristischer Inszenierung ein intaktes Kulturerbe vorzugaukeln und gleichzeitig missliebige Geschichte auszuradieren. China verletzt dadurch die kulturellen Rechte der Tibeter“, sagte Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet.

Während der Kulturrevolution in den sechziger Jahren wurde das Gebäude von den sogenannten Roten Garden in Beschlag genommen. Bis 1990 nutzte die chinesische Regierung das Yabshi Takster-Haus dann als Gästehaus, später wurde es Teil eines Hotels, in andere Teile des Gebäudes seien Händler eingezogen, so ein älterer, inzwischen online nicht mehr verfügbarer Beitrag einer tibetischen Bloggerin. In den letzten Jahren war das Yabshi Takster-Haus immer stärkerem Verfall preisgegeben. Tibeter, die sich um das Gebäude sorgten, hätten es aus Furcht vor möglichen Repressionen wegen der direkten Verknüpfung des Hauses mit dem Dalai Lama nicht gewagt, sich öffentlich für dessen Erhalt oder Renovierung einzusetzen.

Dass China seine Verpflichtungen nach der Weltkulturerbekonvention der UNESCO missachtet und Lhasas verbliebenes, einzigartiges Kulturerbe gefährdet, belegte bereits ein ICT-Bericht aus dem Juni unter der Überschrift „Zerstörung, Kommerzialisierung, gefälschte Nachbildungen“.

 

Pressekontakt:

Kai Müller
Geschäftsführer
Tel.: +49 (0) 30 27 87 90 86
E-Mail: presse(at)savetibet.de
Twitter: @savetibet

International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
Schönhauser Allee 163
D-10435 Berlin
www.savetibet.de

Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

Netzwerk


Werde Teil der Community!