International Campaign for Tibet
 

Tibetischer Schriftsteller Dolma Kyab nach zehn Jahren Haft aus Gefängnis entlassen / Sein „Verbrechen“: ein unveröffentlichtes Buchmanuskript / Sorge um Gesundheitszustand

Berlin, 14. Oktober 2015. Der tibetische Schriftsteller Dolma Kyab wurde am 8. Oktober nach zehneinhalb Jahren Haft aus dem Chushur-Gefängnis in Lhasa entlassen. Seine Verurteilung wegen angeblicher „Gefährdung der Staatssicherheit“ war mutmaßlich alleine wegen der Gedanken erfolgt, die Dolma Kyab in einem unveröffentlichten Buchmanuskript mit dem Titel „Der unruhige Himalaja“ formuliert hatte. Neben Menschenrechtsgruppen hatte sich auch eine Gruppe bekannter Schriftsteller aus Tibet und China in einem gemeinsamen Brief für seine Freilassung eingesetzt; dennoch musste Dolma Kyab seine Gefängnisstrafe voll absitzen. Auch die Schriftstellervereinigung PEN hatte sich für seinen Fall eingesetzt. Im Jahr 2009 zeichnete ihn Human Rights Watch mit dem renommierten "Hellman-Hammett-Preis" für verfolgte Schriftsteller aus. Dolma Kyab war nach seiner Freilassung von Polizisten in seinen Heimatort im nordosttibetischen Landkreis Dola (chin.: Qilian) gebracht worden, wo er von Freunden und Angehörigen mit Khatags, tibetischen Glücks- und Segensschals, willkommen geheißen wurde.

Der heute 39-Jährige war am 9. März 2005 in Lhasa festgenommen worden, wo er an einer Mittelschule Geschichte unterrichtete. Seine Verurteilung in einem geheimen Gerichtsverfahren dürfte wegen eines unveröffentlichten Buchmanuskripts erfolgt sein, das er unter dem Titel „Der unruhige Himalaja“ in chinesischer Sprache verfasst hatte. Dolma Kyab hatte in Peking studiert. Im November 2003 konnte er ins nordindische Dharamsala reisen, dem Sitz der tibetischen Exilverwaltung und Wohnort des Dalai Lama. Dort lernte er Englisch und Hindi und begann an seinem Manuskript zu arbeiten, das Kapitel zu Tibets Geschichte, Geographie, seinem völkerrechtlichem Status sowie zu Demokratie und Religion enthält. Ein mit Dolma Kyab befreundeter ehemaliger politischer Gefangener, der nun im indischen Exil lebt, sagte: „In seinem Buch wollte Dolma Kyab die Ansichten der tibetischen Jugend über das Tibet von heute ausdrücken, beispielsweise wie sie über tibetische Geschichte und Kultur, über Menschenrechte, Demokratie, Literatur usw. denkt. Dolma Kyab fühlte, eine starke Verantwortung, diese Gedanken einem größeren Publikum zu vermitteln. Er hat eine enge Verbindung zum Denken gebildeter junger Tibeter, sowohl in Tibet wie auch im Exil.“ Auszüge aus Dolma Kyabs Buch finden sich in englischer Übersetzung auf der Literaturwebseite High Peaks Pure Earth und in der ICT-Publikation „Like Gold That Fears no Fire: New Writing from Tibet“ ( http://www.savetibet.org/like-gold-that-fears-no-fire-new-writing-from-tibet/).

Neben Tibetisch und Chinesisch spricht Dolma Kyab auch Japanisch. Es wird angenommen, dass er in der Haft sein Englisch weiter verbessern konnte. Vermutlich musste er diese im Chushur-Gefängnis in Lhasa verbringen. Als der UN-Sonderberichterstatter zu Folter Manfred Nowak im Jahr 2006 als erster internationaler Beobachter die Gelegenheit bekam, Chushur zu besuchen, wurde Dolma Kyab vor ihm versteckt. Nach Auskunft eines aus dem selben Heimatort stammenden Freundes ist Dolma Kyabs Familie in Sorge um seinen Gesundheitszustand. Es sei geplant, ihn so bald wie möglich medizinisch behandeln zu lassen. 

Pressekontakt:

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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

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