14 Jahre wegen Geburtstagsfeier

Auf bis zu 14 Jahre Gefängnishaft lautete am 6. Dezember 2016 das Urteil eines Gerichts im osttibetischen Ngaba (chin.: Aba). Verurteilt wurden insgesamt neun Tibeterinnen und Tibeter dafür, dass sie im Sommer 2015 an der Organisation von Geburtstagsfeiern für den Dalai Lama beteiligt waren. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter beging damals seinen 80. Geburtstag. Unter den Verurteilten befinden sich mehrere, teils hochrangige Mönche, aber auch buddhistische Laien. Die niedrigste Haftstrafe lag bei fünf Jahren. Wie zwei im indischen Exil lebende tibetische Mönche mit guten Verbindungen in die Region mitteilten, waren alle Verurteilten Ende 2015 festgenommen und seither durchschnittlich ein Jahr an unbekanntem Ort in Incommunicado-Haft festgehalten worden. Angehörige oder Freunde wussten weder, in welcher Haftanstalt sie sich befanden, noch ob sie überhaupt am Leben waren.
Aus Sicht der International Campaign for Tibet sprengen die Urteile des chinesischen Gerichts „jedes nachvollziehbare Maß“ und belegen erneut die Unrechtsnatur des chinesischen Justizsystems. Menschen mit bis zu 14 Jahren Haft zu belegen, weil sie den Geburtstag ihres verehrten geistlichen Oberhaupts feierten, ist monströs. Die Urteile sind nicht nur ein massiver Anschlag auf das Recht auf die freie Ausübung der Religion, sie sind zudem eindeutig politisch motiviert und dienen alleine dem Zweck, eine Warnung für alle Tibeterinnen und Tibeter darzustellen, die loyal zum Dalai Lama stehen. Einzelheiten können Sie unserer Mitteilung sowie unserem englischsprachigen Originalbericht „Tibetans sentenced to long prison terms for involvement in Dalai Lama’s 80th Birthday celebration“ entnehmen, der auch Fotos der meisten Verurteilten enthält.

Larung Gar: Kein weiterer Abriss!

Kurz vor Weihnachten beschäftigte sich das Europäische Parlament intensiv mit der Lage der Menschenrechte in Tibet. In einer Dringlichkeitsresolution verurteilte es dabei unter anderem das Vorgehen der chinesischen Behörden in dem buddhistischen Studienzentrum Larung Gar in Osttibet. Die chinesische Regierung wird aufgefordert, die Zerstörung von Unterkünften und die Vertreibung von Bewohnern Larung Gars einzustellen. Die Resolution greift auch die jüngsten Verurteilungen von neun Tibetern wegen der Organisation von Geburtstagsfeiern für den Dalai Lama (zu dem entsprechenden Beitrag nach oben scrollen) und die neuen repressiven Sicherheitsgesetze auf, wobei sie insbesondere auf das sogenannte „Antiterror-Gesetz“ eingeht. Neben weiteren Aspekten thematisiert das Europaparlament darin auch auf den Fall des zu lebenslanger Haft verurteilten uigurischen Menschenrechtsverteidigers Ilham Tohti. Die Abgeordneten verlangen dessen sofortige und bedingunslose Freilassung. Den vollständigen Text der Resolution finden Sie hier auf Englisch im Anhang unserer Mitteilung.
In dem Dokument gehen die Europaabgeordneten auch auf die Serie von Selbstverbrennungen in Tibet ein. Traurige Aktualität erhielt dies dadurch, dass es nur wenige Tage vor Verabschiedung der Resolution im nordosttibetischen Landkreis Machu zu einer Selbstverbrennung gekommen war. Tashi Rabten, ein tibetischer Familienvater, zündete sich am 8. Dezember offenbar aus Protest gegen die chinesische Politik in Tibet selbst an und erlag seinen Verletzungen. Weitere Einzelheiten können Sie unserer Mitteilung entnehmen. Der Fall von Tashi Rabten belegt aus Sicht der ICT einmal mehr den enormen Leidensdruck, unter dem die Menschen in Tibet leben müssen. Larung Gar ist hierfür ein besonders anschauliches Beispiel. Auch über die Weihnachtsfeiertage gingen die Zerstörungen und Vertreibungen in dem buddhistischen Studienzentrum weiter. Auf Facebook dokumentieren wir die aktuellen Nachrichten aus Larung Gar. Alleine im Dezember haben wir an acht Tagen Beiträge dazu gepostet. (Sie können diese übrigens auch dann verfolgen, wenn Sie nicht Mitglied bei Facebook sind.) Sollten Sie noch nicht unterzeichnet haben, können Sie gerne auch Ihre Unterschrift unter unsere Larung Gar-Petition setzen. Sie ist an die Vereinten Nationen gerichtet und wird im Laufe des Jahres übergeben werden. Herzlichen Dank all denjenigen, die schon unterzeichnet haben. Sollten Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis Unterschriften sammeln wollen, senden wir Ihnen auch gerne kostenlos Aktions-Postkarten zu. Eine E-Mail an info(at)savetibet.de genügt. Bitte lassen Sie uns lediglich wissen, wie viele Postkarten Sie benötigen.

Der Preis der Unterdrückung

Unterdrückung hat ihren Preis – auch für den Unterdrücker. ICT hat einen seltenen Beleg dafür erhalten, dass die auch in Tibet eingesetzten paramilitärischen Polizeieinheiten aufgrund ihrer Einsätze unter psychologischen Problemen leiden, die bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen reichen können. Ein von der militärpsychologischen Abteilung der Universität der Bewaffneten Volkspolizei veröffentlichtes Dokument beschreibt die Auswirkungen der Einsätze im Rahmen der sogenannten „Stabilitätserhaltung“ bzw. der „Antiterror“-Einsätze auf die Truppen. Das Papier bestätigt damit auch die besondere Natur der Polizeieinsätze, die insbesondere in Tibet und der Uigurenregion Xinjiang (Ost-Turkesten) nur wenig mit normaler Polizeiarbeit zu tun haben, sondern mit allen Mitteln die unumschränkte Herrschaft der Kommunistischen Partei sichern sollen. Den Militärpsychologen zufolge reichen die Folgen für die einzelnen Polizisten bis hin zum völligen „psychischen Zusammenbruch“. Unseren vollständigen Bericht „Rare admission of psychological impact on troops involved in counter-terror, oppressive policies“ finden Sie auf der Webseite unserer US-Kollegen. Erschienen ist er im Rahmen unserer Reihe „ICT Inside Tibet“, für die wir insbesondere auch Informationen auswerten, die von den chinesischen Staatsmedien verbreitet werden.

Wertvolle Anerkennung

Eine gute Nachricht zum Jahresende: Im Dezember hat das Kuratorium des Deutschen Instituts für Menschenrechte e.V. beschlossen, die International Campaign for Tibet Deutschland als Mitglied des Vereins aufzunehmen. Wir sehen darin eine wertvolle Anerkennung unserer Arbeit für die Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes und freuen uns sehr, mit unserer Expertise zum Gelingen dieser wichtigen Einrichtung beitragen zu können.
Das Deutsche Institut für Menschenrechte e. V. soll die Öffentlichkeit über die Lage der Menschenrechte im In- und Ausland informieren und zur Prävention von Menschenrechtsverletzungen sowie zur Förderung und zum Schutz der Menschenrechte beitragen. Es handelt unabhängig von Vorgaben und Weisungen der Bundesregierung oder anderen öffentlichen und privaten Stellen in eigener Initiative oder auf Ersuchen der Bundesregierung oder des Deutschen Bundestages unter eigenverantwortlichem Einsatz seiner Ressourcen.
Mehr über das Deutsche Institut für Menschenrechte finden Sie auf dessen Homepage.

Herzlichen Dank!

Die Weihnachtsspendenaktion 2016 stand ganz im Zeichen unseres Projekts "Gesunde Ernährung für tibetische Flüchtlingskinder". Viele von Ihnen haben sich daran mit einer Spende beteiligt und dafür sagen wir Ihnen ein herzliches Dankeschön! Ihre Unterstützung bedeutet eine große Hilfe für eine bessere Versorgung der tibetischen Flüchtlingskinder mit frischem Obst und Gemüse. Sie bestärkt uns zugleich darin, das Projekt auch im kommenden Jahr weiter zu betreiben. Auch 2017 wollen wir mithelfen, den Speiseplan der tibetischen Flüchtlingskinder um frisches Obst und Gemüse zu bereichern. Damit sie gesund aufwachsen, ist eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung sehr wichtig. Nicht zuletzt Äpfel werden weiterhin dringend benötigt, denn sie helfen, die Kinder mit lebenswichtigen Vitaminen zu versorgen.
Informationen über unser Projekt finden Sie Dies ist auch online möglich. Unser sicheres Spendenformular finden Sie hier. Allen Spenderinnen und Spendern ganz herzlichen Dank!

Irmtraut Wäger: Amala – Mein Leben für Tibet

Unsere Arbeit

Kampagnenarbeit, Hilfsprojekte, politische Arbeit und mehr: Hier finden Sie weitere Informationen über unsere aktive Arbeit für die Menschen in Tibet. Mehr über unsere Arbeit

Tibetische politische Gefangene brauchen unsere Unterstützung!

Seit den landesweiten Protesten im letzten Jahr befinden sich immer noch mehr als 1.200 Tibeter in Haft oder sind „verschwunden“ – und müssen mit großer Wahrscheinlichkeit Folter und Misshandlungen hinnehmen. Der Grund: viele haben auf friedliche Weise gegen die Verhältnisse in Tibet und die Politik Pekings auf dem Hochland protestiert. Grundlegende Rechte werden ihnen damit systematisch vorenthalten.
Die Situation in Tibet ist eine Menschenrechtskrise, die uns alle angeht. Helfen auch Sie wie Schauspieler Hannes Jaenicke bei unserer Kampagne für tibetische Gefangene auf www.missingvoices.net oder sehen Sie ein Statement von Hannes Jaenicke auf unserer Webseite, laden Sie ein eigenes Videostatement hoch oder nehmen Sie an unserer Appellaktion an Staatspräsident Hu Jintao teil!

So können Sie helfen!

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende bei unserem Einsatz für die Wahrung der Menschenrechte und die Selbstbestimmung des tibetischen Volkes.
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So können Sie helfen!

Mit 5 € können Malstifte und Zeichenblöcke gekauft werden.
Mit 50 € können 5 warme Decken gegen die Kälte bezahlt werden.
Mit 250 € könnten fünf zusätzliche Betten angeschafft werden.
Internationaler Vorsitzender ist der bekannte Schauspieler Richard Gere (Foto). Er setzt sich bereits seit vielen Jahren aktiv für die Freiheit und die Selbstbestimmung Tibets ein.

ICT – News April 2009 Chinesisches Gericht verhängt Todesstrafe gegen Tibeter

Am 8. April hat das Mittlere Volksgericht in Lhasa zwei Tibeter zum Tode verurteilt. Ihnen wird vorgeworfen, Geschäfte von Han-Chinesen in Brand gesetzt zu haben und dadurch den Tod mehrerer Menschen verursacht zu haben. Es handelt sich dabei um die ersten Todesurteile im Zusammenhang mit den Unruhen in Lhasa vom März 2008. Insgesamt wurden vor dem Mittleren Volksgericht in Lhasa drei Fälle von Brandstiftung verhandelt, die sich einem Bericht der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge alle am 14. März 2008 ereignet haben sollen. Dabei hätten sieben Menschen den Tod gefunden. Zwei Angeklagte, deren Namen von Xinhua mit Losang Gyaltse und Loyar angegeben wurden, erhielten die Todesstrafe, zwei weitere Todesstrafen ergingen mit zweijährigem Aufschub, ein Angeklagter erhielt lebenslänglich. Todesstrafen mit Aufschub können in China bei guter Führung in lebenslange Haft umgewandelt werden. 
Der Meldung zufolge seien zwar alle fünf Angeklagten von Rechtsanwälten vertreten worden. Aus früheren Fällen ist jedoch bekannt, dass eine freie Wahl des Anwalts häufig unmöglich ist. So wurden im vergangenen Jahr 18 engagierte Bürgerrechtsanwälte massiv bedroht, sollten sie ihre Dienste Angeklagten in politisch sensiblen Verfahren anbieten. Generell muss davon ausgegangen werden, dass in solchen Fällen internationale Mindeststandards nicht eingehalten werden. Folter und Einschüchterung der Angeklagten sind an der Tagesordnung, die Gerichte stehen unter hohem Druck, ihre Urteile entsprechend den Erwartungen der politischen Führung zu fällen. ICT fordert die chinesischen Behörden auf, alle Urteile, die gegen Teilnehmer an den Protesten in Tibet vom März 2008 ergangen sind, unter der Teilnahme unabhängiger Beobachter zu überprüfen und in jedem Fall von der Anwendung der Todesstrafe abzusehen. Die Härte der ergangenen Urteile dürfte in keiner Weise geeignet sein zu einer Beruhigung der Lage beizutragen. Die Spannungen in Tibet dürften dadurch im Gegenteil nur noch erhöht werden.
Wenn Sie mehr über unseren weltweiten Einsatz für das tibetische Volk erfahren möchten, sehen Sie das
ICT-Video „20 Years ICT“.

„Tag der Befreiung der Leibeigenen“ provoziert Widerspruch

Mit großem Aufwand inszenierte die chinesische Staatsführung am 28. März in Lhasa die Feierlichkeiten zum „Tag der Befreiung der Leibeigenen“ in Tibet. Tatsächlich aber markiert das Datum den 50. Jahrestag der Niederschlagung des tibetischen Volksaufstands. Damit begann die Phase der direkten Herrschaft Pekings über Tibet. Am 28. März verkündete der chinesische Ministerpräsident Zhou Enlai die Auflösung der tibetischen Regionalregierung. Dies bedeutete das vorläufige Ende des tibetischen Volksaufstands, der am 10. März begonnen hatte. In seinem Verlauf verloren mehrere zehntausend Tibeter ihr Leben, der Dalai Lama musste – begleitet von zahlreichen Flüchtlingen – seine Heimat verlassen und lebt seither im indischen Exil. Der neue Feiertag muss als Reaktion auf die massiven Proteste im März 2008 gesehen werden. Diese machten aller Welt deutlich, dass die chinesische Herrschaft von den Tibetern keineswegs als Befreiung empfunden wird. Mit massiver Propaganda soll nun der große Fortschritt gewürdigt werden, den China angeblich nach Tibet gebracht hat. Vor allem der chinesischen Öffentlichkeit gegenüber wird deshalb betont, wie unsagbar rückständig die gesellschaftlichen Verhältnisse in Tibet gewesen seien. Dabei wird vom Dalai Lama keineswegs bestritten, dass Tibet vor 1959 eine äußerst arme Gesellschaft war und dass es große Ungerechtigkeiten gab. Klar ist, dass der Dalai Lama längst schon Reformen eingeleitet hatte und Tibet auch ohne chinesische Herrschaft seinen eigenen Weg der Modernisierung gegangen wäre. Insofern ist der „Tag der Befreiung der Leibeigenen“ eine Provokation für die tibetische Bevölkerung und ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die an einer Entspannung der Lage interessiert sind.

Missing Voices – prominente Unterstützer jetzt online

Neue prominente Unterstützer auf der neuen ICT-Webseite für politische Gefangene: Burkhardt Müller-Sönksen (FDP), Obmann im Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages, Thomas Mann (CDU), Präsident der Tibet-Intergroup im Europäischen Parlament, jetzt mit Statements auf www.missingvoices.net. Machen Sie mit: auch Sie können uns Ihr Video zuschicken und damit den vielen inhaftierten Tibetern symbolisch eine Stimme verleihen! Vielen Dank!