Wichtiger Besuch

Man sah dem tibetischen Besucher seine 70 Jahre nicht an, als er in Berlin hochkonzentriert einen Termin nach dem anderen absolvierte. Ein Interview folgte auf das nächste, die ersten davon im ICT-Büro in der Schönhauser Allee. Viele Medienvertreter wollten die Gelegenheit nutzen, direkt mit Kirti Rinpoche zu sprechen, dem Oberhaupt von mehr als drei Dutzend Klöstern und religiösen Einrichtungen in Tibet und Indien, das auf seiner Europareise für zwei Tage in Berlin Station gemacht hatte. Denn wohl kaum ein anderer Tibeter könnte derzeit so kundig Auskunft geben zu dem bedrückenden Thema der Selbstverbrennungen in Tibet wie der Mann aus Dharamsala, der 1959 wie der Dalai Lama seine Heimat für das indische Exil hatte eintauschen müssen. Schließlich war es das Kloster Kirti im osttibetischen Autonomen Landkreis Ngaba, wo die Serie der Selbstanzündungen im Februar 2009 ihren Anfang nahm. Unter den 113 Menschen, die sich seit Februar 2009 in Tibet und China selbst angezündet haben, befinden sich 22 Tibeter, die entweder ordinierte oder frühere Mönche aus dem Kloster Kirti waren. Mehr als ein Driitel der Selbstverbrennungen fanden in der Präfektur Ngaba statt.
Nicht nur Journalisten interessierten sich für den Gast aus Dharamsala. Auch Vertreterinnen und Vertreter von Parlament und Regierung suchten das Gespräch mit Kirti Rinpoche, dessen Europareise auf Einladung der ICT zustande gekommen war. So empfing der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, den Besucher im Auswärtigen Amt. Weitere Gespräche führte er mit Abgeordneten des Menschenrechtsausschusses und des Tibet-Gesprächskreises im Deutschen Bundestag. Obwohl er gezwungenermaßen schon seit vielen Jahren im Exil lebt, dürften nur wenige Menschen außerhalb Tibets über ein so genaues Bild der Lage vor Ort verfügen wie Kirti Rinpoche. Dies liegt vor allem daran, dass sein im indischen Exil errichtetes Kloster über direkte Kontakte zu seinen über weite Teile Tibets verstreuten Anhängern verfügt. Trotz aller chinesischen Bemühungen um eine totale Kommunikationssperre gelingt es so immer wieder, detaillierte Beschreibungen der Geschehnisse in den Klöstern und deren Umgebung an die Außenwelt zu übermitteln. Namen, Daten, aber auch Fotos und Videobilder gelangen auf diese Weise nach Nordindien und von dort in die Welt.

Kirti Rinpoche hat sich in den vergangenen Jahren wiederholt zur Lage im Kloster Kirti, in der Region Ngaba und in Tibet insgesamt geäußert. Dabei betonte er stets die Notwendigkeit, den Protest gegen die chinesische Unterdrückung strikt gewaltfrei zu halten. Zugleich charakterisierte er den brutalen Einsatz der chinesischen Sicherheitskräfte als diskreditierten alten Ansatz aus der Ära des „Klassenkampfs“. Die chinesische Führung müsse erkennen, dass die Menschen nicht mehr „alleine durch Wirtschaftswachstum und staatliche Propaganda“ unter Kontrolle gehalten werden könnten. „Wenn nicht begriffen wird, dass die Zeiten von ‘Die Macht kommt aus den Gewehrläufen’ vorüber ist, muss dies zwangsläufig zu einer wachsenden Konfrontation zwischen Herrschern und Beherrschten und einer anhaltenden Krise führen.“

Neben seinen Terminen mit Politik und Medien versäumte es Kirti Rinpoche nicht, sich auch mit Vertreterinnen und Vertretern der tibetischen Gemeinde in Berlin zu treffen. Bilder seines Aufenthals in Berlin können Sie hier auf Facebook anschauen. Während seines Europabesuchs besuchte Kirti Rinpche insgesamt sechs Länder, darunter auch die Schweiz und Belgien, wo er zum Jahrestag des tibetischen Volksaufstands an der großen Solidaritätsdemonstration für Tibet teilgenommen hatte.

Geburtstagsfeier in Washington

Als am 15. März 1988 in Washington die International Campaign for Tibet gegründet wurde, dürften die meisten der daran Beteiligten nicht allzu viele Gedanken an das Jahr 2013 verschwendet haben. Viel naheliegender dürfte es ihnen erschienen sein, erst einmal ihr neues Büro arbeitsfähig zu machen und so die Grundlagen dafür zu legen, den Menschen in Tibet eine Stimme zu verleihen, die dort unter der chinesischen Besatzung leben mussten. Auf einer Bildergalerie, die unsere US-Kollegen ins Internet gestellt haben, findet sich eine Fotografie des ersten ICT-Büros in Washington. Sieben Menschen lächeln in die Kamera, an der Wand ein Pinnbrett, im Hintergrund sind Umzugskartons zu erkennen. In dem nüchternen Büro versammelt sehen wir die Gründer und die ersten Angestellten der ICT.

Heute, 25 Jahre später, hat sich die ICT deutlich entwickelt. Neben das Büro in der US-Hauptstadt sind weitere in Amsterdam, Berlin und London getreten. Hinzu kommen noch die Rechercheteams in Dharamsala, Indien, und Kathmandu, Nepal. Und immer noch ist die Aufgabe die gleiche wie zu Beginn. So lautet das Jubiläumsmotto „25 Years amplifying Tibetan Voices“; auch im Jahr 2013 versucht ICT den Stimmen der Tibeter in der Welt Gehör zu verschaffen. Dies geschieht mit Hilfe von gründlich recherchierten Berichten, mit Presse- und Medienarbeit, mit der Ansprache von politischen Entscheidungsträgern. So konnte in den vergangenen 25 Jahren viel erreicht werden. Beispielsweise durfte die tibetische Nonne Ngawang Sangdrol nach vielen Jahren in Haft in die USA ausreisen – auch dank des Einsatzes der ICT. Ebenfalls freigekommen ist am 31. März dieses Jahres Jigme Gyatso, nachdem er 17 Jahre in chinesischer Haft zubringen musste. Auch für ihn hatte sich die ICT eingesetzt. Wenn auch Sie zugunsten inhaftierter Tibeter Briefe an die chinesischen Behörden schreiben wollen, finden Sie hier weitere Beispiele, für die Sie sich stark machen können.

Die International Campaign for Tibet hilft auch denjenigen Tibeterinnen und Tibetern, die es geschafft haben, sich durch Flucht über den Himalaja der chinesischen Unterdrückung zu entziehen. Mit humanitären Projekten, wie z. B. unserem Flüchtlingskinderprojekt in Nordindien, leisten wir konkrete Hilfe vor Ort. Dies sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie wichtig unser Einsatz für Tibet ist. Und leider ist er auch 25 Jahre nach Gründung der ICT nicht weniger wichtig geworden. Vielmehr hat die Repression in Tibet nach der Protestwelle des Frühjahrs 2008 neue Höhen erreicht In dieser für die Tibeter so kritischen Zeit dürfen wir mit unseren Bemühungen nicht nachlassen. Dafür sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen. Ohne Ihre Spenden ist unsere erfolgreiche Arbeit für Tibet nicht möglich. Haben Sie ganz herzlichen Dank dafür!

Ihre Stimme für Tibet?

Nur noch wenige Monate sind es bis zur Bundestagswahl im September. Zeit also, sich Klarheit darüber zu verschaffen, wie die Positionen der deutschen Politik zum Thema Tibet aussehen. Wie schon in der Vergangenheit haben sich daher die International Campaign for Tibet, die Tibet Initiative Deutschland und der Verein der Tibeter in Deutschland zusammengetan und gemeinsame „Tibet-Wahlprüfsteine“ entwickelt. Konkret handelt es sich dabei um einen Fragenkatalog zu den wichtigsten Aspekten rund um die Tibetfrage. Diese „Tibet-Wahlprüfsteine“ wurden Anfang März gemeinsam allen Fraktionen im Deutschen Bundestag mit der Bitte um Beantwortung übergeben. Die Übergabe fand statt im Rahmen einer „Tibet-Woche“ im Deutschen Bundestag, bei der in Deutschland lebende Tibeter in den Gesprächen auf ihre Anliegen hingewiesen haben.
Unter anderem werden die Parteien befragt nach ihrer Bewertung der Lage in Tibet sowie nach aus ihrer Sicht möglichen Lösungen der Tibetfrage. Weitere Fragen zielen auf die mögliche Unterstützung einer Tibet-Resolution des Bundestags, nach Treffen der Bundeskanzlerin (oder des Bundeskanzlers) mit dem Dalai Lama sowie der Forderung, UN-Vertretern Zugang zu Tibet zu gewähren. Die vollständigen Fragen finden Sie hier auf unserer Homepage, die Antworten werden ergänzt, sobald uns diese von den Fraktionen vorliegen. Auf diese Weise sollte es Ihnen rechtzeitig möglich sein zu entscheiden, wie Sie im Herbst Ihre Stimme für Tibet einsetzen können.

Ein paar Fotos von der Übergabe der Wahlprüfsteine finden Sie hier auf Facebook.

Tibetfreunde in Brüssel

„Europe for Tibet“ – Europa für Tibet hieß es auf der großen Solidaritätsdemonstration am 10. März in Brüssel, die auch von der International Campaign for Tibet mitorganisiert worden war. Etwa 5.000 Menschen folgten dem Aufruf und verwandelten die Demonstrationsstrecke in ein gelb-blau-rotes Farbenmeer. Eine Bildergalerie auf Facebook kann Ihnen einen kleinen Eindruck davon vermitteln. Prominenter Demonstrationsteilnehmer war Kirti Rinpoche, dessen Europareise ihn just zu diesem Zeitpunkt in die belgische Hauptstadt geführt hatte, wo er unter anderem Gespräche im Europaparlament führte. Eine gute Woche später sollte er Berlin besuchen, wie Sie in diesem Newsletter bereits an anderer Stelle lesen konnten.
Bekanntlich ist der 10. März der Jahrestag des tibetischen Volksaufstands gegen die chinesische Besatzung von 1959. Tibeterinnen und Tibeter wie auch Tibet-Freundinnen und -Freunde in aller Welt nutzen diesen Tag, um an die Geschehnisse von damals zu erinnern und die Öffentlichkeit auf die nach wie vor ungelöste Tibetfrage hinzuweisen. In Tibet selbst ist dies alles selbstverständlich streng verboten. Dennoch nutzen Tibeterinnen und Tibeter immer wieder religiöse Feierlichkeiten, um sich ihrer kulturellen Identität zu vergewissern. Eine Serie von beeindruckenden Fotoaufnahmen aus mehreren Orten in Nord- und Ost-Tibet, die mit einiger Verzögerung ihren Weg ins Ausland gefunden haben, zeigen dies auf höchst anschauliche Weise. Darauf zu erkennen sind ungewöhnlich große Teilnehmerzahlen an religiösen Feierlichkeiten aus Anlass des tibetischen Neujahrsfests Losar. Die Menschen strömten zu Tausenden zu den bedeutenden Klöstern Labrang und Kumbum, um dort das Gebetsfest Monlam zu begehen.
Die Bilder zeigen Einheiten von regulärer und paramilitärischer Polizei, die die Besucher umstellt halten und selbst mitten im religiösen Geschehen unübersehbar präsent sind. So trennt etwa im Inneren des Klosters Kumbum eine Reihe von Polizisten die Pilger von einem reich geschmückten Altar. Die Fotos wurden wenige Tage vor dem 10. März im Internet verbreitet. Bezeichnenderweise ist auf Bildern von denselben Veranstaltungen, die in den chinesischen Staatsmedien erschienen, keine Spur der massiven Präsenz der Sicherheitskräfte zu erkennen. Weitere Einzelheiten können Sie einer Pressemitteilung entnehmen, die die International Campaign for Tibet hier veröffentlicht hat. Dort finden Sie auch den Link zu einem ausführlichen Bericht mit zahlreichen Fotos. Die Bilder können Sie aber auch separat in einer Fotogalerie auf Facebook betrachten.

Sonderangebot!

Wo befinden Sie sich gerade, wenn Sie diesen Newsletter lesen? Im Büro? Unterwegs? Zuhause? Im Falle, dass Sie sich gerade in Ihren eigenen vier Wänden aufhalten, werfen Sie doch bitte einmal einen prüfenden Blick auf die Wände Ihrer Wohnung. Ist da nicht vielleicht noch eine kahle Stelle an der einen Wand, von der Sie nicht so recht wissen, was Sie dort aufhängen könnten? In diesem Fall dürfen wir Ihnen einen kleinen Vorschlag unterbreiten: Bestellen Sie noch heute Ihr persönliches Exemplar der geringen Restauflage unseres diesjährigen Tibet-Kalenders "Tibet – Lhasa and Beyond".
Zugegeben, das Jahr 2013 ist nicht mehr ganz taufrisch. Dafür aber können wir den Kalender nun auch günstiger abgeben. Für ICT-Förderer kostet er nur noch 8 Euro, in denen die Versandkosten bereits enthalten sind. (Wer ICT noch nicht fördert, bezahlt 12 Euro inklusive Versand). In jedem Fall haben Sie das gute Gefühl, mit dem Kauf des ICT-Kalender 2013 unsere Arbeit für Tibet zu unterstützen. Bitte klicken Sie sich einfach zu unserem Tibet-Shop durch. Dort finden Sie übrigens auch weitere Angebote, die Sie interessieren könnten.
"Tibet – Lhasa And Beyond" (Versandformat ca. 30 x 30 cm, an der Wand 60 x 30 cm) lädt auf eine Entdeckungsreise durch Städte und Landschaften in Tibet ein. Zentren wie Lhasa, Dartsedo, Labrang oder Litang sind nur einige der Regionen, die vorgestellt werden. Zwölf großformatige Bilder, ergänzt mit interessanten Hintergrundinformationen in englischer Sprache, machen diesen Kalender so einzigartig und wertvoll. Dieser Kalender ist ein Muss für alle Tibetfreundinnen und -freunde und nicht zuletzt auch ein ausgezeichnetes Geschenk.

Irmtraut Wäger: Amala – Mein Leben für Tibet

Das Leben von Irmtraut Wäger zeichnet sich durch ihren unermüdlichen Einsatz für Tibet aus. Die Tibeter nennen sie deshalb "Amala", "verehrte Mutter". Mehr als 30 Jahre widmete sich die langjährige Vorsitzende der Deutschen Tibethilfe der Unterstützung tibetischer Flüchtlinge. Von ihrer kleinen Zweizimmerwohnung in München aus sammelte sie Gelder und vermittelte über 5.000 Patenschaften für Kinder, Studenten, Mönche, Nonnen und alte Tibeter. Dort besuchte sie der Dalai Lama im Jahr 2003.

Ihre im Februar erschienene Biographie beschreibt den Lebensweg einer außergewöhnlichen Frau, die für ihr herausragendes Engagement 1986 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt wurde. Im Jahr 2005 erhielt Wäger den „Light of Truth Award“ der International Campaign for Tibet vom Dalai Lama persönlich überreicht. Mit diesem Preis werden Personen ausgezeichnet, die sich auf besondere Weise für Tibet eingesetzt haben.

Unsere Arbeit

Kampagnenarbeit, Hilfsprojekte, politische Arbeit und mehr: Hier finden Sie weitere Informationen über unsere aktive Arbeit für die Menschen in Tibet. Mehr über unsere Arbeit

Tibetische politische Gefangene brauchen unsere Unterstützung!

Seit den landesweiten Protesten im letzten Jahr befinden sich immer noch mehr als 1.200 Tibeter in Haft oder sind „verschwunden“ – und müssen mit großer Wahrscheinlichkeit Folter und Misshandlungen hinnehmen. Der Grund: viele haben auf friedliche Weise gegen die Verhältnisse in Tibet und die Politik Pekings auf dem Hochland protestiert. Grundlegende Rechte werden ihnen damit systematisch vorenthalten.
Die Situation in Tibet ist eine Menschenrechtskrise, die uns alle angeht. Helfen auch Sie wie Schauspieler Hannes Jaenicke bei unserer Kampagne für tibetische Gefangene auf www.missingvoices.net oder sehen Sie ein Statement von Hannes Jaenicke auf unserer Webseite, laden Sie ein eigenes Videostatement hoch oder nehmen Sie an unserer Appellaktion an Staatspräsident Hu Jintao teil!

So können Sie helfen!

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende bei unserem Einsatz für die Wahrung der Menschenrechte und die Selbstbestimmung des tibetischen Volkes.
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So können Sie helfen!

Mit 5 € können Malstifte und Zeichenblöcke gekauft werden.
Mit 50 € können 5 warme Decken gegen die Kälte bezahlt werden.
Mit 250 € könnten fünf zusätzliche Betten angeschafft werden.
Internationaler Vorsitzender ist der bekannte Schauspieler Richard Gere (Foto). Er setzt sich bereits seit vielen Jahren aktiv für die Freiheit und die Selbstbestimmung Tibets ein.

ICT – News April 2009 Chinesisches Gericht verhängt Todesstrafe gegen Tibeter

Am 8. April hat das Mittlere Volksgericht in Lhasa zwei Tibeter zum Tode verurteilt. Ihnen wird vorgeworfen, Geschäfte von Han-Chinesen in Brand gesetzt zu haben und dadurch den Tod mehrerer Menschen verursacht zu haben. Es handelt sich dabei um die ersten Todesurteile im Zusammenhang mit den Unruhen in Lhasa vom März 2008. Insgesamt wurden vor dem Mittleren Volksgericht in Lhasa drei Fälle von Brandstiftung verhandelt, die sich einem Bericht der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge alle am 14. März 2008 ereignet haben sollen. Dabei hätten sieben Menschen den Tod gefunden. Zwei Angeklagte, deren Namen von Xinhua mit Losang Gyaltse und Loyar angegeben wurden, erhielten die Todesstrafe, zwei weitere Todesstrafen ergingen mit zweijährigem Aufschub, ein Angeklagter erhielt lebenslänglich. Todesstrafen mit Aufschub können in China bei guter Führung in lebenslange Haft umgewandelt werden. 
Der Meldung zufolge seien zwar alle fünf Angeklagten von Rechtsanwälten vertreten worden. Aus früheren Fällen ist jedoch bekannt, dass eine freie Wahl des Anwalts häufig unmöglich ist. So wurden im vergangenen Jahr 18 engagierte Bürgerrechtsanwälte massiv bedroht, sollten sie ihre Dienste Angeklagten in politisch sensiblen Verfahren anbieten. Generell muss davon ausgegangen werden, dass in solchen Fällen internationale Mindeststandards nicht eingehalten werden. Folter und Einschüchterung der Angeklagten sind an der Tagesordnung, die Gerichte stehen unter hohem Druck, ihre Urteile entsprechend den Erwartungen der politischen Führung zu fällen. ICT fordert die chinesischen Behörden auf, alle Urteile, die gegen Teilnehmer an den Protesten in Tibet vom März 2008 ergangen sind, unter der Teilnahme unabhängiger Beobachter zu überprüfen und in jedem Fall von der Anwendung der Todesstrafe abzusehen. Die Härte der ergangenen Urteile dürfte in keiner Weise geeignet sein zu einer Beruhigung der Lage beizutragen. Die Spannungen in Tibet dürften dadurch im Gegenteil nur noch erhöht werden.
Wenn Sie mehr über unseren weltweiten Einsatz für das tibetische Volk erfahren möchten, sehen Sie das
ICT-Video „20 Years ICT“.

„Tag der Befreiung der Leibeigenen“ provoziert Widerspruch

Mit großem Aufwand inszenierte die chinesische Staatsführung am 28. März in Lhasa die Feierlichkeiten zum „Tag der Befreiung der Leibeigenen“ in Tibet. Tatsächlich aber markiert das Datum den 50. Jahrestag der Niederschlagung des tibetischen Volksaufstands. Damit begann die Phase der direkten Herrschaft Pekings über Tibet. Am 28. März verkündete der chinesische Ministerpräsident Zhou Enlai die Auflösung der tibetischen Regionalregierung. Dies bedeutete das vorläufige Ende des tibetischen Volksaufstands, der am 10. März begonnen hatte. In seinem Verlauf verloren mehrere zehntausend Tibeter ihr Leben, der Dalai Lama musste – begleitet von zahlreichen Flüchtlingen – seine Heimat verlassen und lebt seither im indischen Exil. Der neue Feiertag muss als Reaktion auf die massiven Proteste im März 2008 gesehen werden. Diese machten aller Welt deutlich, dass die chinesische Herrschaft von den Tibetern keineswegs als Befreiung empfunden wird. Mit massiver Propaganda soll nun der große Fortschritt gewürdigt werden, den China angeblich nach Tibet gebracht hat. Vor allem der chinesischen Öffentlichkeit gegenüber wird deshalb betont, wie unsagbar rückständig die gesellschaftlichen Verhältnisse in Tibet gewesen seien. Dabei wird vom Dalai Lama keineswegs bestritten, dass Tibet vor 1959 eine äußerst arme Gesellschaft war und dass es große Ungerechtigkeiten gab. Klar ist, dass der Dalai Lama längst schon Reformen eingeleitet hatte und Tibet auch ohne chinesische Herrschaft seinen eigenen Weg der Modernisierung gegangen wäre. Insofern ist der „Tag der Befreiung der Leibeigenen“ eine Provokation für die tibetische Bevölkerung und ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die an einer Entspannung der Lage interessiert sind.

Missing Voices – prominente Unterstützer jetzt online

Neue prominente Unterstützer auf der neuen ICT-Webseite für politische Gefangene: Burkhardt Müller-Sönksen (FDP), Obmann im Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages, Thomas Mann (CDU), Präsident der Tibet-Intergroup im Europäischen Parlament, jetzt mit Statements auf www.missingvoices.net. Machen Sie mit: auch Sie können uns Ihr Video zuschicken und damit den vielen inhaftierten Tibetern symbolisch eine Stimme verleihen! Vielen Dank!

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