Berlin, 13.9.2020. Die International Campaign for Tibet (ICT) fordert die deutsche EU-RatsprĂ€sidentschaft aus Anlass des bevorstehenden virtuellen Gipfels mit Chinas Staatschef Xi Jinping auf, die Situation in Tibet mit Nachdruck zu thematisieren und das Schweigen um die verheerende Menschenrechtslage auf dem „Dach der Welt“ zu durchbrechen. An den fĂŒr Montag vorgesehenen GesprĂ€chen nehmen Bundeskanzlerin Merkel, EU-KommissionsprĂ€sidentin von der Leyen und RatsprĂ€sident Michel teil.

Die International Campaign for Tibet verweist insbesondere auf die innenpolitische Bedeutung der Tibetfrage fĂŒr die FĂŒhrung in Peking. Ende August bekrĂ€ftigte das „7. Arbeitsforum zu Tibet“ der Kommunistischen Partei Chinas unter Vorsitz Xi Jinpings die repressive Politik in Tibet. Demnach will Peking seine folgenreiche Assimilationspolitik in Tibet verstĂ€rken und noch mehr in Propaganda, Überwachung und Kontrolle investieren. Unter dem Stichwort der „Sinisierung“ der tibetischen Kultur soll die Lebensweise der Tibeter, ob in Religion, Sprache oder Wirtschaftsweise, der chinesischen Gesellschaft angepasst werden. Andersdenkende und Tibeter, die sich hiergegen wehren, werden unnachgiebig und unter Verletzung internationalen Rechts verfolgt.

ICT-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Kai MĂŒller: „Tibet ist systematisch von der Außenwelt abgeschottet. UnabhĂ€ngige Beobachter, UNO-Experten, Diplomaten oder Medien haben keinen freien Zugang zum Land und Tibeter werden hart bestraft, wenn sie ĂŒber die Lage im Land nach außen berichten.“ Peking dĂŒrfe es nicht gelingen, hinter einer Mauer von Schweigen und Propaganda Kultur und Religion der Tibeter zu assimilieren und all diejenigen Tibeter mit großer HĂ€rte zu verfolgen, die gegen die staatliche Politik in Tibet protestieren. Die tibetische Kultur kĂ€mpfe um ihr Überleben, so MĂŒller.

Die International Campaign for Tibet fordert von der EuropĂ€ischen Union ferner Konsequenzen fĂŒr die Politik Pekings in Tibet. „Wir verlangen personenbezogene Sanktionen fĂŒr KP-FunktionĂ€re und chinesische Regierungsvertreter, die fĂŒr die Abschottung Tibets verantwortlich sind, so wie sie bereits der US-Kongress parteiĂŒbergreifend beschlossen hat. Eine Öffnung Tibets wĂŒrde Transparenz und Verantwortlichkeit schaffen und das verhindert Menschenrechtsverletzungen“, so MĂŒller.

Der EU Policy Director der ICT, Vincent Metten, sagte: „Die EU sollte ihr politisches Kapital einsetzen und das von der KP Chinas propagierte ‚alternative Regierungsmodell‘, wie sie es auch in Tibet umsetzt, zurĂŒckweisen. Europa basiert auf gemeinsamen Werten, die universell sind. Die KP Chinas greift diese UniversalitĂ€t offen an und untergrĂ€bt das internationale menschenrechtliche Schutzsystem. Auch Europas UntĂ€tigkeit in Tibet hat dazu beigetragen, die chinesische Regierung zu weiteren RechtsbrĂŒchen zu ermutigen, wie in Xinjiang und Hong Kong. Europa sollte eine robuste, einheitliche und ehrgeizige EU-Politik in Bezug auf China und Tibet umsetzen. Wir fordern die EuropĂ€ische Union auf, nachhaltig fĂŒr die Rechte von Millionen von Tibeterinnen und Tibetern einzutreten.“

Die Organisation schlĂ€gt fĂŒnf konkrete Aktionspunkte vor, mit deren Umsetzung die EuropĂ€ische Union aktiv zur Verbesserung der Lage in Tibet beitragen kann.

Die deutsche EU-RatsprÀsidentschaft sollte in den Beziehungen zu China:

  • die Achtung bĂŒrgerlicher und politischer Rechte von Tibeterinnen und Tibetern, die einem System von Folter, willkĂŒrlicher Inhaftierung und EinschrĂ€nkung von Meinungs-, Religions- und Versammlungsfreiheit ausgesetzt sind, öffentlich und nachdrĂŒcklich einfordern;
  • eine Bestimmung des nĂ€chsten Dalai Lama ohne Einmischung der chinesischen Regierung einfordern;
  • uneingeschrĂ€nkten Zugang nach Tibet fĂŒr UNO-Experten, Diplomaten, Parlamentarier, Journalisten und Nichtregierungsorganisationen einfordern;
  • eine nachhaltige Umwelt-, Entwicklungs- und Klimapolitik der chinesischen Regierung auf dem tibetischen Hochland einfordern, die die Rechte der Tibeter achtet und nicht zu massenhafter Zwangsansiedlung tibetischer Nomaden und sozialer Deklassierung fĂŒhrt;
  • aktiv fĂŒr die Wiederaufnahme des tibetisch-chinesischen Dialogs eintreten.

Die International Campaign for Tibet wird zusammen mit der Gesellschaft fĂŒr bedrohte Völker, dem Weltkongress der Uiguren und anderen Organisationen am 14.9. von 10-13 Uhr vor dem Bundeskanzleramt in Berlin eine Menschenrechtsaktion aus Anlass des virtuellen Gipfels veranstalten.

Pressekontakt:

Kai MĂŒller
GeschĂ€ftsfĂŒhrer
Tel.: +49 (0) 30 27 87 90 86
E-Mail: presse(at)savetibet.de
Twitter: @savetibet

International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
Schönhauser Allee 163
10435 Berlin
www.savetibet.de

Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit grĂ¶ĂŸte Tibet-Organisation seit 30 Jahren fĂŒr die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhĂ€lt BĂŒros in Washington, D.C., Amsterdam, BrĂŒssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

 

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