Berlin, 31. Juli 2014. Ein aktueller Bericht der International Campaign for Tibet (ICT) dokumentiert die systematische Kriminalisierung der Selbstverbrennungen von Tibeterinnen und Tibetern durch die chinesischen Behörden. Die Umsetzung einer neuen, im Dezember 2012 verkĂŒndeten pseudo-legalen Richtlinie hatte eine Welle der Repression im Zusammenhang mit SelbstanzĂŒndungen zur Folge und fĂŒhrte zu Verurteilung, Inhaftierung ohne Gerichtsurteil oder dem âVerschwindenlassenâ von mindestens 98 Tibetern. In einem Fall wurde gar die Todesstrafe verhĂ€ngt, vielfach wissen die Angehörigen und Freunde der âVerschwundenenâ fĂŒr Wochen oder Monate nicht, wo diese festgehalten werden oder ob sie noch am Leben sind.
Kai MĂŒller, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der der International Campaign for Tibet sagte dazu: âDiese erschreckenden neuen MaĂnahmen fĂŒhrten zu willkĂŒrlichen Inhaftierungen und sollten ein Weckruf fĂŒr die Regierungen der Welt sein. Die chinesische Regierung greift zu inakzeptablen Kollektivstrafen, um den Widerstand in Tibet zu brechen. Diese fuĂen nicht auf einer rechtlichen Grundlage, sondern auf Propaganda, Falschinformationen und RealitĂ€tsverweigerung, und zielen darauf ab, die Angehörigen und Freunde derjenigen zu bestrafen, die sich selbst angezĂŒndet haben.â
Der neue ICT-Bericht ââActs of significant evilâ â The criminalization of Tibetan self-immolationsâ stellt fest, dass
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Tibeter aufgrund von 2012 verkĂŒndeten Richtlinien alleine wegen ihrer angeblichen âAbsichtâ sowie ihres unterstellten Einflusses auf Tibeter,, die sich selbst verbrannt haben, wegen eines Tötungsdelikts verurteilt werden können,
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mindestens 15 Tibeter wegen âvorsĂ€tzlicher Tötungâ zu GefĂ€ngnisstrafen verurteilt wurden, weil sie angeblich andern âgeholfenâ oder diese âangestiftetâ haben, sich selbst anzuzĂŒnden, obwohl die rechtliche Grundlage fĂŒr eine solche Anklage offensichtlich nicht auf dem dafĂŒr vorgesehenen gesetzlichen Weg zustande gekommen ist,
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seit 2010 mindestens 98 Tibeter im Zusammenhang mit SelbstanzĂŒndungen verurteilt, eingesperrt oder Opfer von âVerschwindenlassenâ wurden,
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die chinesischen Behörden in einer Region, in der sich mehrere Selbstverbrennungen ereignet haben, im April 2013 eine Reihe von Verordnungen erlassen haben, die es möglich machen, Familien und ganze Gemeinschaften zu bestrafen.
In Reaktion auf diese neuen MaĂnahmen und im Hinblick auf ihre zweifelhafte gesetzliche Grundlage fordert die ICT, dass
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die chinesische Regierung all diejenigen auf freien FuĂ setzt, die im Zusammenhang mit SelbstanzĂŒndungen beispielsweise wegen âUnterstĂŒtzungâ oder âAnstiftungâ inhaftiert sind, die Aufenthaltsorte der âVerschwundenenâ offenlegt und alle Kollektivstrafen fĂŒr Familien und ganze Gemeinschaften abschafft,
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die internationale Gemeinschaft gegenĂŒber chinesischen Vertretern darauf hinweist, dass die angesprochenen MaĂnahmen weder mit internationalem noch mit chinesischem Recht im Einklang stehen, und
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die chinesische Regierung der tatsÀchlichen Unzufriedenheit der Tibeter dadurch begegnet, dass sie deren universelle Rechte respektiert und mit ihnen in ernstgemeinte Verhandlungen eintritt.
Den vollstÀndigen englischsprachigen ICT-Bericht können Sie dem Anhang dieser Nachricht entnehmen oder hier herunterladen: http://www.savetibet.org/wp-content/uploads/2014/07/Acts-of-significant-evil-073114.pdf
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit gröĂte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren fĂŒr die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhĂ€lt BĂŒros in Washington, D.C., Amsterdam, BrĂŒssel, London und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
Der Tod Phuntsogs fĂŒhrte anschlieĂend zu einer groĂen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurĂŒckgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti âeher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu ĂŒbergebenâ. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem MilitĂ€r umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.
Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem FrĂŒhjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey ĂŒberlebte, wurde allerdings anschlieĂend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach EinschĂ€tzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem MaĂe erschĂŒtternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter ĂŒber die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.
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