Aktuell: Tibet: Verhaftungen wegen Selbstverbrennung / Aggressive Kampagne der chinesischen Behörden gegen persönliches Umfeld / Zweite Selbstverbrennung in Tibet im neuen Jahr
Berlin, 22. Januar 2013. Die chinesischen Staatsmedien haben über die Verhaftung von sieben Tibetern berichtet, denen vorgeworfen wird, eine Selbstverbrennung „organisiert“ zu haben: Die Tibeter seien Mitglieder des „Tibetan Youth Congress“ (TYC), einer Exilorganisation mit Sitz im nordindischen Dharamsala sowie der so genannten „Dalai-Clique“. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua in der vergangenen Woche meldete(vgl. http://news.xinhuanet.com/politics/2013-01/15/c_114378934.htm), sollen die Beschuldigten hinter einer Selbstverbrennung gestanden haben, die sich im Oktober 2012 in Nordosttibet ereignet hatte. Am 6. Oktober hatte sich der 27-jährige Sangay Gyatso in Tsoe in der Tibetisch Autonomen Präfektur Kanlho (chin.: Gannan) selbst in Brand gesetzt und war an den dabei erlittenen schweren Verletzungen verstorben. Der Xinhua-Darstellung zufolge seien die nun verhafteten Tibeter im vergangenen Jahr für ein wichtiges buddhistisches Festival nach Indien gereist, um dort an Veranstaltungen mit dem Dalai Lama teilzunehmen, und anschließend wieder nach Tibet zurückgekehrt. Es handele sich bei ihnen um „Schlüsselfiguren“ des „Tibetan Youth Congress“. Beobachter werten die Xinhua-Meldung als Beleg für eine zunehmend aggressive Kampagne der chinesischen Behörden gegen das persönliche Umfeld von Tibeterinnen und Tibetern, die sich selbst angezündet haben.
Unterdessen betonte Tsewang Norbu, der Präsident des „Tibetan Youth Congress“ in einer Stellungnahme, seine Organisation ermutige niemanden zur Selbstverbrennung und warf den chinesischen Behörden vor, mit ihren Vorwürfen von ihrer eigenen fehlgeleiteten Politik ablenken zu wollen. Die chinesischen Vorwürfe an die Adresse des TYC seien „lächerlich“, sagte auch Tenzin Norsang vom „Tibetan Youth Congress“ in einem Interview mit der New York Times. Diejenigen, die sich selbst in Brand gesetzt hatten, hätten „mehr als 50 Jahre unter chinesischer Herrschaft gelebt“ – sie brauchten „niemanden, der ihnen sagt, was sie tun sollten“.
Am vergangenen Freitag ereignete sich in der osttibetischen Autonomen Präfektur Ngaba die zweite Selbstverbrennung des Jahres 2013. Ein Tibeter namens Tsering setzte sich in dem im Landkreis Marthong gelegenen Dorf Drachen selbst in Brand und erlag an Ort und Stelle seinen Verletzungen, wie tibetische Exilquellen berichteten. Tsering soll sich in seinen Zwanzigern befunden haben, er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Die zur Provinz Sichuan zählende Präfektur Ngaba war Schauplatz von 35 der aktuell 97 Selbstverbrennungen in Tibet seit Februar 2009.
Weitere Details können Sie unserem englischsprachigen ICT-Bericht „Chinese state media blame ‚Dalai clique’ and announce detentions in aggressive security drive against Tibetan self-immolations“ entnehmen: https://savetibet.de/fileadmin/user_upload/content/berichte/Aktuelle_Berichte/ICT_Bericht_18012013.pdf.
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Kai Müller
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel, London und Berlin sowie Rechercheteams in Dharamsala, Indien, und Kathmandu, Nepal.
Berlin, 16. März 2011. Der 21 Jahre alte tibetische Mönch Phuntsog aus dem Kloster Kirti in Ngaba (chin.: Aba) in der chinesischen Provinz Sichuan hat sich heute Morgen öffentlich angezündet und ist anschließend seinen Verletzungen erlegen. Augenzeugen in Kontakt mit tibetischen Exil-Quellen zufolge soll die Polizei die Flammen gelöscht und auf Phuntsog eingeschlagen haben. Kurz danach sei der Mönch gestorben. Die Selbstverbrennung Phuntsogs fiel zusammen mit dem dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des friedlichen Protests im Kloster Kirti im Jahre 2008. Dabei waren mindestens zehn Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Tod Phuntsogs führte anschließend zu einer großen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurückgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti „eher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu übergeben“. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem Militär umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem Frühjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey überlebte, wurde allerdings anschließend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem Maße erschütternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter über die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.

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