Pressemitteilung: „Gefährliche Flucht“ aus Tibet / ICT-Bericht dokumentiert neue Gefahren für Tibeter in Nepal / Enge Zusammenarbeit von chinesischen und nepalesischen Grenzbehörden

Berlin, 20. Juni 2011. Anhaltend stark ist der Einfluss Pekings auf die Politik der nepalesischen Regierung in Kathmandu gegenüber den tibetischen Flüchtlingen, die versuchen via Nepal das sichere Exil in Indien zu erreichen. Zusätzlich verstärkt werden Chinas Einflussmöglichkeiten noch durch das instabile politische Klima in dem Himalajastaat. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Bericht der International Campaign for Tibet (ICT), der unter dem Titel „Dangerous Crossing: Conditions Impacting the Flight of Tibetan Refugees“ zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni veröffentlicht wird. Die jährlich erscheinende Dokumentation beleuchtet sowohl die Lage der bereits länger in Nepal lebenden Tibeter, deren Flucht schon Jahrzehnte zurückliegt, als auch die der aktuell aus ihrer Heimat Flüchtenden.

Im Berichtszeitraum 2010 blieb die Situation beider Gruppen anhaltend prekär. Damit setzte sich ein Trend fort, der mit dem Jahr 2008 eingesetzt hatte, als eine Welle von Protesten fast ganz Tibet erfasste. Parallel zur Niederschlagung der Proteste riegelte Peking Tibet vollständig ab und verstärkte die ohnehin schon drastischen Grenzsicherungsmaßnahmen. In der Folge betrug die Zahl der im Jahr 2008 in Nepal registrierten tibetischen Flüchtlinge weniger als ein Drittel der Ankömmlinge des Vorjahrs, im Jahr 2005 hatten sich noch fünfmal so viele Tibeter erfolgreich auf die „gefährliche Flucht“ über den Hauptkamm des Himalaja gemacht. In den Jahren 2009 und 2010 lag ihre Zahl zwar wieder höher als 2008, doch mit 838 (2009) und 874 (2010) immer noch deutlich unter dem Schnitt der vorausgegangenen Jahre.

ICT-Geschäftsführer Kai Müller kritisierte die Haltung der nepalesischen Regierung gegenüber den tibetischen Flüchtlingen. „Offenbar verspricht sich  die Führung in Kathmandu große Vorteile davon, ihre Politik an den Wünschen Chinas auszurichten. Dafür wirft sie bereitwillig Prinzipien über Bord und negiert die engen historischen und kulturellen Verbindungen zwischen Nepalesen und Tibetern. Leidtragende dieser Politik sind die in Nepal lebenden Tibeter und die Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um der chinesischen Unterdrückungspolitik in Tibet zu entkommen.“ ICT-Geschäftsführer Müller weiter: „Diese Politik, die grundlegende politische Freiheiten und das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit opfert, stellt eine ernsthafte Bedrohung nicht nur für Tibeter, sondern auch für das nepalesische Volk und seine demokratischen Institutionen dar.“

Den vollständigen englischsprachigen Bericht können Sie unter https://savetibet.de/fileadmin/user_upload/content/berichte/refugees2010_web.pdf einsehen.

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Kai Müller

Geschäftsführer / Executive Director

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Berlin, 16. März 2011. Der 21 Jahre alte tibetische Mönch Phuntsog aus dem Kloster Kirti in Ngaba (chin.: Aba) in der chinesischen Provinz Sichuan hat sich heute Morgen öffentlich angezündet und ist anschließend seinen Verletzungen erlegen. Augenzeugen in Kontakt mit tibetischen Exil-Quellen zufolge soll die Polizei die Flammen gelöscht und auf Phuntsog eingeschlagen haben. Kurz danach sei der Mönch gestorben. Die Selbstverbrennung Phuntsogs fiel zusammen mit dem dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des friedlichen Protests im Kloster Kirti im Jahre 2008. Dabei waren mindestens zehn Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Tod Phuntsogs führte anschließend zu einer großen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurückgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti „eher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu übergeben“. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem Militär umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem Frühjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey überlebte, wurde allerdings anschließend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem Maße erschütternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter über die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.

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