Tibet-Politik

Aktuell: Neue Informationen über am Nangpa-Pass gefangen genommene Kinder
1. Februar 2007
Laut neuer Informationen wurden die Tibeter, die während der Schüsse am Nangpa-Pass im September letzten Jahres fest genommen wurden, einige Tage bis zu mehreren Monaten in Haft gehalten. Mindestens 25 Tibeter wurden von den Sicherheitskräften am 30. September 2006 inhaftiert, darunter mindestens zehn Kinder im Alter von acht bis 15 Jahren. Nach Aussage eines Tibeters aus der Gruppe, der jetzt im Exil lebt, wurden die älteren Jugendlichen schwer geschlagen und einige Kinder, die nicht unmittelbar später von ihren Eltern abgeholt wurden, befanden sich mehr als drei Monate im Gefängnis.
Berichten zufolge wurden Jugendliche und Erwachsene mit Gummiknüppeln und Elektrostöcken geschlagen . Die circa 13 Kinder der Gruppe wurden verhört. Sie seien nach dem Dalai Lama, ihren Fluchtgründen und den Fluchthelfern befragt. Nach einigen Tagen sei die Gruppe in ein Gefängnis nach Shigatse (chinesisch: Xigaze) gebracht worden, dem so genannten „Schneeland Aufnahmezentrum“ (bekannt unter „Shigatse Gefängnis“), das 2003 eröffnet wurde, um Tibeter, die bei Fluchtversuchen gefasst wurden oder aus Nepal oder Indien nach Tibet zurückkehrten, zu inhaftieren.

Tibet-Politik

Pressemitteilung: Statement von Richard Gere zu Tibet auf der Pressekonferenz der International Campaign for Tibet Deutschland e.V. und Cinema for Peace am Montag den 12. Februar 2007 im Hotel Adlon, Berlin
13. Februar 2007
Berlin. Die Gefahren für Tibeter, die aufgrund von Repressionen über den Himalaja ins Exil fliehen, sind im September letzten Jahres durch einen Vorfall in der Nähe der nepalesischen Grenze besonders deutlich zu Tage getreten. Hierbei wurde eine Nonne von chinesischen Sicherheitsbeamten erschossen. Auch Abschiebungen von Tibetern nach Tibet haben laut eines Berichts der International Campaign for Tibet Deutschland (ICT) zugenommen. Bei der Pressekonferenz wird außerdem ein Videofilm des rumänischen Kameramann Sergiu Matei gezeigt, der die Schüsse der chinesischen Grenzbeamten zeigt. Dies ist der erste nichtwiderlegbare Beweis über den Umgang Chinas mit ins Exil fliehenden Tibetern.
China behauptete, dass es sich bei der grausamen Tötung, um `normale Grenztätigkeit` gehandelt habe. Diese Antwort passt gut zu dem "alten" China. Sie passt jedoch nicht zu dem Land, dass ein Jahr, bevor es Gastgeber der Olympischen Spiele wird, danach strebt, international als aufstrebende Supermacht wahrgenommen zu werden. Wenn Hu Jintao den internen und internationalen Respekt, den China seiner Meinung nach verdient, in Anspruch nimmt, muss sich seine Verhaltensweise ändern. Dies ist er Chinas Volk wie auch den Tibetern schuldig.
Rund 2500 bis 3000 Tibeter fliehen jedes Jahr über das Himalajagebirge und Nepal ins Exil nach Indien. Viele begeben sich nur auf die Reise, um den Dalai Lama zu sehen. Mehr als ein Drittel der Fliehenden sind Kinder, die von ihren Eltern auf tibetische Exilschulen geschickt werden, weil sie keine ausreichende Ausbildung in Tibet erhalten oder diese für sie nicht finanzierbar ist. Viele sind Mönche und Nonnen, die ihre Religion frei praktizieren wollen. Andere verlassen Tibet, weil sie ihr Land verloren haben oder mit der hohen Zahl chinesischer Zuwanderer nicht mehr konkurrieren können, die aufgrund von Wirtschaftskampagnen nach Tibet kommen.
Zitat International Campaign for Tibet Deutschland:
Kai Müller, der Geschäftsführer von ICT Deutschland, sagte: "Pekings Beschreibung der Schüsse am Nangpa Pass und der Vorfall selbst sind repräsentativ für die Repressionen, die Tibeter zwingen, im Exil ihre Freiheit zu suchen. Bis eine politische Lösung gefunden wird, die Tibetern eine Zukunftsperspektive bietet, können wir davon ausgehen, dass der Flüchtlingsstrom der Tibeter nicht abreißen wird."
Deutschland ist Pekings wichtigster politischer Partner des westlichen Europas wie auch Chinas Haupthandelspartner in der EU. Die Pekinger Regierung legt besonderen Wert auf ihre Beziehung zu Berlin. ICT fordert deshalb Bundeskanzlerin Merkel auf, während der Ratspräsidentschaft eine Führungsrolle in der EU zu übernehmen und folgendes zu tun:
Kanzlerin Merkel, die den Dalai Lama getroffen hat und seine Integrität kennt, solle sich jetzt gegenüber Hu Jintao mit deutlichen Worten dafür einsetzen, dass der Dalai Lama offiziell in die Volksrepublik China eingeladen wird. Es sei zwingend, dass der Dalai Lama als international geschätze Persönlichkeit und geistliche Autorität auf der deutschen Weltbühne direkt in die Entscheidungen über die Zukunft Tibets eingebunden werde.
Die Europäische Union entwickelt gerade ein strategisches Rahmenabkommen, in dem sie die Beziehung zu China in dem nächsten Jahrzehnt festschreiben will. Deutschland solle sicherstellen, dass Tibet in dieser Agenda eine wichtige Rolle hat.
Deutschland könnte Europa dahin führen, die dringend notwendige Entwicklungshilfe in Tibet durch Nichtregierungsorganisationen, die mit Tibetern zusammenarbeiten, anzustoßen. Dies werde helfen, Tibet eine Rolle in der ökonomischen Entwicklung zu geben. Außerdem werde es sicherstellen, dass ernste Probleme wie Unterernährung, Kindersterblichkeit und Analphabetismus wie auch dem Bau von Straßen und Eisenbahnstrecken Teil der Entwicklung in Tibet werden.
Gefährliche Flucht
Der heute erschienene Flüchtlingsbericht der International Campaign for Tibet Deutschland enthält nicht veröffentlichte Augenzeugenberichte über die Schüsse am Nangpa Pass im September 2006. Er dokumentiert zudem die Situation tibetischer Flüchtlinge in Tibet und Nepal. Der ICT Bericht kann in Kürze unter www.savetibet.de heruntergeladen werden oder kontaktieren Sie bitte presse@savetibet.de, um eine Kopie zu erhalten.
Der Bericht "Gefährliche Flucht" kann hier heruntergeladen werden (pdf-Download, 3,7 MB).

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