ARD-Dokumentation
nutzt chinesisches
Propagandamaterial

 

Quelle: SWR_Screenshot

Die jüngste Kontroverse um die SWR-Produktion „Inside Wuhan“ verdeutlicht ein weiteres Mal Probleme in der China-Berichterstattung in Deutschland, speziell bei den öffentlich-rechtlichen Medien. Wie Lea Deuber in der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) offenlegte, verwendet „Inside Wuhan“ Bildmaterial und Interviews der Regierungsbehörde CICC, einer Institution also, deren Auftrag lautet, Propaganda im Sinne des Regimes zu betreiben, die Narrative aus Peking möglichst in aller Welt zu verbreiten, gerne auch für das Publikum nicht ohne weiteres sichtbar. So dürften die meisten deutschen Fernsehzuschauer davon ausgehen, dass die Bilder, die die ARD plant, am kommenden Montagabend zu versenden, auch von der ARD selbst stammen, oder doch wenigstens von der damit beauftragten privaten Produktionsfirma. Tatsächlich aber, so schreibt die China-Korrespondentin der SZ, habe das CICC bei der Dokumentation eine „beratende Funktion” gehabt. Offenbar ging der Einfluss der chinesischen Propagandabehörde sogar so weit, dass das CICC „verschiedene Versionen des Manuskripts eingesehen“ und auf Änderungen gedrungen habe.

Wie der bei der ARD federführende Südwestrundfunk in einem Schreiben an die SZ dennoch darauf beharren kann, der Film entspreche „Ansprüchen an unabhängigen Journalismus”, muss zumindest verwundern. Lea Deubers Artikel zitiert Mareike Ohlberg von der Denkfabrik German Marshall Fund in Berlin mit der Einschätzung, China nutze Kooperationen wie im Fall der SWR-Dokumentation, um seine Botschaften in die Welt zu bringen. Den Chinesen sei klar, dass ihre Kanäle weniger Glaubwürdigkeit besitzen. Deshalb nutzten sie ausländische Medien, die in ihren Ländern Vertrauen genössen, so Ohlberg in der SZ. Aus ihrer Sicht ist völlig klar, „dass das staatliche Material genutzt wird, um Einfluss auf die ausländische Berichterstattung zu nehmen”. Da stellen sich Fragen an die ARD. Wie ist es möglich, dass dies offenbar in der ARD nicht so gesehen wird?

Im Falle von „Inside Wuhan“ hat die deutsche Produktionsfirma anscheinend von vornherein darauf verzichtet, ein eigenes Drehteam nach China zu schicken. In der SZ heißt es: „Die Interviews mit den chinesischen Virologen und Ärzten im Januar und Februar hat die Propagandaabteilung selbst gedreht.“ Eigene Interviews „mit unabhängig recherchierten Gesprächspartnern in China“ kämen in der Dokumentation nicht vor. Auch die regulären China-Korrespondenten der ARD seien in die Produktion nicht eingebunden gewesen. Die werden im ARD-Verbund traditionell vom NDR entsandt. Laut SZ soll es deshalb zwischen SWR und NDR „zu deutlichen Verstimmungen gekommen sein“.

Doch der innerhalb der ARD für die China-Berichterstattung zuständige NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz selbst ist in den vergangenen Jahren nicht gerade durch klare Abgrenzung von Pekings Propaganda-Apparat aufgefallen. Ganz im Gegenteil: Sein „Dialog mit China“ wurde auf dem Blog „uebermedien“ als „Chinesische Propaganda mit freundlicher Unterstützung des NDR“ kritisiert. Ohne erkennbare Berührungsängste arbeitet der NDR dabei mit dem englischsprachigen Kanal CGTN des chinesischen Staatsfernsehens China Central Television (CCTV) zusammen, Cichowicz persönlich moderiert die Sendung. Es kümmert den NDR-Chefredakteur offenkundig wenig, dass er damit einem der wichtigsten Propagandainstrumente der Diktatur eine „falsche Legitimität“ verleiht, wie Hinnerk Feldwisch-Drentrup schreibt. Und seit geraumer Zeit zählt Cichowicz zu den Stammgästen des Medienforums China Deutschland USA, das die Bosch-Stiftung ausgerechnet zusammen mit dem chinesischen Propagandablatt „Global Times“ ausrichtet. Bereits durch seine schiere Anwesenheit unterstützt er die Lesart, es handele sich bei seinen chinesischen Gesprächspartnern um normale Journalisten. Doch der Auftrag von Medien wie CCTV, Xinhua oder der „Global Times“ ist kein journalistischer. Ihr Auftrag lautet auf unbedingte Loyalität zur Führung der Kommunistischen Partei Chinas und Verteidigung von deren Herrschaft.

Welchen Gewinn also eine demokratische Öffentlichkeit aus solchen Formen der Zusammenarbeit ziehen sollte, bleibt Cichowicz’ Geheimnis. Vielmehr – so steht zu befürchten – profitiert davon alleine Peking. Die ARD sollte daher endlich einen neuen Kurs einschlagen und ihre Zusammenarbeit mit Feinden der Pressefreiheit einstellen: Denn China ist kein normaler Partner – schon gar nicht im Medienbereich.

Autor: Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet

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