Berlin, 31. Januar 2019. Die International Campaign for Tibet (ICT) ist in großer Sorge um die Gesundheit des tibetischen Mönchs Choekyi, der im Januar nach dreieinhalb Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wurde. Choekyis „Verbrechen“ bestand darin, dass er ein T-Shirt getragen hatte, mit dem er den 80. Geburtstag des Dalai Lama feiern wollte. Zudem hatte er in sozialen Medien Glückwünsche gepostet. Der Mönch war im vergangenen Jahr Gegenstand einer Dringlichkeits-Resolution des EU-Parlaments gewesen, in der seine Freilassung gefordert wurde. ICT hat in der Vergangenheit eine Reihe von Fällen tibetischer Gefangener dokumentiert, die offenbar nach in der Haftzeit erlittener Folter und Misshandlung vorzeitig entlassen wurden. Einige von ihnen starben nach ihrer Haftentlassung, wie etwa der Tibeter Goshul Lobsang, der im März 2014 an den Folgen von Schlägen, Schlafentzug und Hunger in seinem Heimatort verstarb.

Der Anti-Folter-Ausschuss der Vereinten Nationen hatte 2015 mit großer Besorgnis unter anderem festgestellt (pdf), dass Folter und Misshandlung nach wie vor im chinesischen Strafverfolgungssystem „fest verwurzelt“ seien. Die International Campaign for Tibet fordert ein Ende von Folter und Misshandlung in Tibet. Gefangene müssen überdies auch nach Haftentlassung Zugang zu medizinischer Versorgung und Entschädigung bei erlittener Misshandlung während der Haftzeit erhalten.

Die Gesundheit des tibetischen Mönchs Choekyi hat im Gefängnis offenbar ebenfalls ernsten Schaden genommen, weshalb er am 18. Januar 2019 fünf Monate vor Ende seiner vierjährigen Haftstrafe entlassen wurde. Möglicherweise wollte die Gefängnisleitung damit verhindern, dass er in der Haft stirbt. Dennoch wurde ihm bislang die nötige medizinische Behandlung verwehrt. Bereits vor seiner Inhaftierung hatte Choekyi an einem Nierenleiden und weiteren Gesundheitsbeschwerden gelitten. Im Gefängnis wurde er zu schwerer körperlicher Arbeit gezwungen und in Einzelhaft gehalten. Folter und Misshandlung im bei Chengdu gelegenen Mianyang-Gefängnis beeinträchtigten seine Gesundheit Berichten zufolge zusätzlich.

Bereits im Dezember 2017 waren Befürchtungen hinsichtlich Choekyis Gesundheit aufgekommen. Zwei Monate zuvor hatte die Gefängnisleitung die Besuchszeit auf fünf bis zehn Minuten verkürzt und den Angehörigen untersagt, Essen oder Medikamente für den Mönch mitzubringen. Der Mönch hält sich gegenwärtig bei seiner Familie in der Ortschaft Nyitod (chin.: Niduo) im osttibetischen Landkreis Serthar (chin.: Seda) auf. Die Behörden untersagten den Angehörigen, seine Rückkehr mit Khatags, tibetischen Glücks- und Segensschals, sowie unter Einbeziehung größerer Gruppen von Freunden und Bekannten zu feiern, wie es in Tibet früher üblich war. Es ist davon auszugehen, dass Choekyi unter schweren Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, im Kopf und in den Beinen leidet. Tibetischen Quellen zufolge sei es ihm verboten, ohne Erlaubnis der Behörden einen Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen. Auch der Besuch seines gleichfalls in Nyitod gelegenen Klosters Phugu sei ihm untersagt.

Lesen Sie dazu auch unseren Bericht „Fears for health of Tibetan monk jailed for celebrating Dalai Lama’s birthday“.

 

Pressekontakt:

Kai Müller
Geschäftsführer
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Schönhauser Allee 163
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

 

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