Zwei Selbstanzündungen in Tibet innerhalb einer Woche / Offenbar Protest gegen politische Indoktrination
Berlin, 28. Mai 2015. Innerhalb einer Woche haben sich zwei Tibeter in Tibet offenbar aus Protest gegen politische Indoktrination selbst angezündet. Zunächst hatte sich am 20. Mai der Tibeter Tenzin Gyatso in Tawu (chin.: Daofu) in Kardze (chin.: Ganzi) in der Provinz Sichuan unmittelbar vor staatlichen Verwaltungsgebäuden der Ortschaft, in denen, so Quellen vor Ort, „politische Erziehung“ stattgefunden habe, angezündet. Am 27. Mai hatte sich die 36-jährige Tibeterin Sangye Tso in einer Ortschaft im Kreis Chone (chin.: Zhuoni) in der Autonomen Tibetischen Präfektur Kanlho (chin.: Gannan) in der Provinz Gansu angezündet. Auch Sangye Tso zündete sich laut Quellen in der Nähe von örtlichen Partei- und Verwaltungsgebäuden an. Während davon ausgegangen wird, dass die Mutter von zwei Kindern an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben ist, ist der Zustand Tenzin Gyatsos unklar. Gyatso ist Vater von vier Kindern.

Beide Regionen sind in der jüngeren Vergangenheit Schauplatz von Maßnahmen politischer Indoktrination und Übergriffen gewesen. 2013 eröffnete Polizei in Tawu Feuer auf Tibeter, die friedlich den 78. Geburtstag des Dalai Lama feiern wollten, wobei mindestens zehn Personen verletzt und weitere inhaftiert wurden. Berichten zufolge ist in Tawu das Aufgebot von Sicherheitskräften aufgrund des bevorstehenden 80. Geburtstag des Dalai Lama massiv verstärkt worden, was zu Unmut und Sorge unter der Bevölkerung geführt haben soll. Quellen sehen die Selbstanzündung Tenzin Gyatsos in direkten Zusammenhang mit diesen Maßnahmen. Auch im Kreis Chone, dem Schauplatz der Selbstverbrennung von Sangye Tso, war die Sicherheitspräsenz seit den landesweiten Unruhen im Jahr 2008 ausgebaut worden. In ganz Tibet wurden insbesondere nach den Unruhen im Jahre 2008 die „patriotischen Erziehungskampagnen“ verstärkt worden.

Die International Campaign for Tibet ist zutiefst besorgt über die erneuten Selbstverbrennungen und ruft die chinesischen Behörden dazu auf, insbesondere vor dem bevorstehenden 80. Geburtstag des Dalai Lama, der vermutlich von vielen Menschen in Tibet begangen werden wird, die Rechte von Tibetern zu achten und internationale Menschenrechtsstandards einzuhalten.
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Kai Müller
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Berlin, 16. März 2011. Der 21 Jahre alte tibetische Mönch Phuntsog aus dem Kloster Kirti in Ngaba (chin.: Aba) in der chinesischen Provinz Sichuan hat sich heute Morgen öffentlich angezündet und ist anschließend seinen Verletzungen erlegen. Augenzeugen in Kontakt mit tibetischen Exil-Quellen zufolge soll die Polizei die Flammen gelöscht und auf Phuntsog eingeschlagen haben. Kurz danach sei der Mönch gestorben. Die Selbstverbrennung Phuntsogs fiel zusammen mit dem dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des friedlichen Protests im Kloster Kirti im Jahre 2008. Dabei waren mindestens zehn Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Tod Phuntsogs führte anschließend zu einer großen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurückgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti „eher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu übergeben“. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem Militär umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem Frühjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey überlebte, wurde allerdings anschließend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem Maße erschütternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter über die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.

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