Menschenrechtsbeauftragter reist in Autonome Region Tibet – ICT: Bundesregierung muss Peking mit Realität in Tibet konfrontieren
Berlin, 26. November 2015. Berichten staatlicher chinesischer Medien (Xinhua, 25. November 2015: "China, Germany hold "candid, in-depth" dialogue on human rights", http://on.china.cn/1T6VHfQ) zufolge besucht der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte und Humitäre Hilfe, Christoph Strässer, in dieser Woche die Autonome Region Tibet.
Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet (ICT), sagte aus diesem Anlass: "Wir begrüßen, dass der Menschenrechtsbeauftragte nach Tibet reist. Die Menschenrechtslage in Tibet ist unverändert angespannt und hat sich seit Machtübernahme Xi Jinpings nicht verbessert, sondern in verschiedenen Teilbereichen noch verschärft. Wir beobachten eine flächendeckende ‚patriotische Erziehung‘ oder ‚Rechtserziehung‘ in tibetischen Gebieten, die einhergehen mit einer noch umfassenderen Überwachung und Kontrolle. Auch die zuletzt scharfe Rhetorik gegen den Dalai Lama von Seiten einiger Parteivertreter in Tibet sind Beleg für eine andauernde ideologische Verhärtung. Besondere Sorge bereiten uns die neuen Sicherheitsgesetze in der VR China, die mit einem ‚Anti-Terror-Gesetz‘ noch mehr Willkür und politische Verfolgung von Andersdenkenden gerade in Tibet ermöglichen werden. Statt ihre menschenrechtswidrige Politik zu korrigieren, zeichnet die chinesische Regierung ein groteskes und geradezu absurdes Bild von einem angeblich idyllischen Leben in Tibet. In Wirklichkeit haben sich seit 2009 mehr als 140 Tibeterinnen und Tibeter aus Protest gegen Politik der Behörden in Tibet selbst angezündet. Der Menschenrechtsbeauftragte und die Bundesregierung müssen die Politik Pekings kritisch hinterfragen und die chinesischen Behörden mit der Realität in Tibet konfrontieren. Dass der Menschenrechtsbeauftragte die Reise nach Tibet unternimmt, ist vor diesem Hintergrund ermutigend."
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
Berlin, 16. März 2011. Der 21 Jahre alte tibetische Mönch Phuntsog aus dem Kloster Kirti in Ngaba (chin.: Aba) in der chinesischen Provinz Sichuan hat sich heute Morgen öffentlich angezündet und ist anschließend seinen Verletzungen erlegen. Augenzeugen in Kontakt mit tibetischen Exil-Quellen zufolge soll die Polizei die Flammen gelöscht und auf Phuntsog eingeschlagen haben. Kurz danach sei der Mönch gestorben. Die Selbstverbrennung Phuntsogs fiel zusammen mit dem dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des friedlichen Protests im Kloster Kirti im Jahre 2008. Dabei waren mindestens zehn Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Tod Phuntsogs führte anschließend zu einer großen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurückgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti „eher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu übergeben“. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem Militär umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem Frühjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey überlebte, wurde allerdings anschließend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem Maße erschütternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter über die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.

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