Tibet: Populärer Geistlicher in Geheimverfahren zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt
Berlin, 23. Oktober 2014. Der populäre tibetische Geistliche Khenpo Kartse wurde laut tibetischen Quellen in einem Geheimverfahren von einem chinesischen Gericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Khenpo Kartse war am 6. Dezember 2013 in Chengdu festgenommen und in ein Gefängnis in Chamdo verbracht worden. Radio Free Asia (RFA) zitiert eine tibetische Quelle mit der Aussage, das Verfahren vor einem Gericht in Chamdo (chin.: Changdu) in der Autonomen Region Tibet (TAR) habe bereits vor zwei oder drei Monaten stattgefunden. Eine offizielle Bestätigung des Urteils gegen den Geistlichen, der mit bürgerlichem Namen Karma Tsewang heißt, steht noch aus. RFA veröffentlichte ein Bild von ihm, das ihn in Handschellen zeigt, über einer wattierten Jacke trägt er ein blaues Gefängnishemd. Grund für die Verurteilung Khenpo Kartses ist laut RFA die Beherbergung eines flüchtigen Mönchs des Klosters Karma im Landkreis Chamdo. Sein Anwalt habe dies als „im Widerspruch zu den Tatsachen“ stehend bezeichnet.
Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet (ICT), erkennt in der Verurteilung Khenpo Kartses ein bekanntes Muster der chinesischen Justiz: „Während die KP Chinas auf ihrem aktuellen ZK-Plenum über Justizreformen reden will, zeigt der Fall von Khenpo Kartse neben vielen anderen sehr anschaulich, dass China weit entfernt von Rechtsstaatlichkeit ist. Im Gegenteil ist Willkür offenbar wesentlicher Bestandteil des Vorgehens der Behörden in Tibet.“ Der ICT-Geschäftsführer erwarte, dass sich die internationale Staatengemeinschaft für die Freilassung von Khenpo Kartse einsetze.
Khenpo Kartses Verhaftung hatte zu starken Protesten geführt, mehrere Hundert Tibeter hatten sich seinerzeit zu einer friedlichen Mahnwache vor einem Gefängnis in seinem Heimatlandkreis Nangchen versammelt, der im Norden an Chamdo angrenzt, jedoch verwaltungsmäßig zur Provinz Qinghai zählt. Besonders bemerkenswert war, dass sogar Behördenvertreter aus Nangchen nach Chamdo gereist waren, um sich für Khenpo Kartse einzusetzen, ihre Bemühungen blieben allerdings ohne Erfolg, wie Tibeter mit Kontakten in die Region zu berichten wussten.
Khenpo Kartses erstem Anwalt, Tang Tianhao, war es über Monate hinweg nur zweimal gelungen, seinen Mandanten zu besuchen, obwohl er mehrere Male den weiten Weg von Chengdu nach Chamdo auf sich genommen hatte, wie RFA meldete. Unter Druck der Behörden legte Tang der tibetischen Schriftstellerin Tsering Woeser zufolge später sein Mandat nieder. Zudem wurde weder seinen Angehörigen noch seinem Arzt Zugang zu Khenpo Kartse gewährt, obwohl man davon ausgeht, dass er an einer dringend behandlungsbedürftigen Lebererkrankung leidet.
Einen englischsprachigen ICT-Bericht können Sie dem Anhang dieser Nachricht entnehmen oder hier herunterladen.
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Berlin, 16. März 2011. Der 21 Jahre alte tibetische Mönch Phuntsog aus dem Kloster Kirti in Ngaba (chin.: Aba) in der chinesischen Provinz Sichuan hat sich heute Morgen öffentlich angezündet und ist anschließend seinen Verletzungen erlegen. Augenzeugen in Kontakt mit tibetischen Exil-Quellen zufolge soll die Polizei die Flammen gelöscht und auf Phuntsog eingeschlagen haben. Kurz danach sei der Mönch gestorben. Die Selbstverbrennung Phuntsogs fiel zusammen mit dem dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des friedlichen Protests im Kloster Kirti im Jahre 2008. Dabei waren mindestens zehn Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Tod Phuntsogs führte anschließend zu einer großen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurückgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti „eher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu übergeben“. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem Militär umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem Frühjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey überlebte, wurde allerdings anschließend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem Maße erschütternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter über die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.

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