Pressemitteilung: Erneute Selbstverbrennung in Tibet / Nomade erliegt seinen Verletzungen
Berlin, 30. Mai 2013. Erneut hat sich in Tibet eine Selbstverbrennung ereignet. Tenzin Sherab, ein tibetischer Nomade, dessen Alter mit Anfang Dreißig angegeben wurde, soll dabei seinen Verletzungen erlegen sein. Die Selbstanzündung erfolgte am Montag, 27. Mai, wie aus tibetischen Exilquellen verlautete. Ort des Geschehens war die Region Gyaring in der Tibetisch Autonomen Präfektur Yushu, die verwaltungsmäßig zur Provinz Qinghai zählt. Den Quellen zufolge soll die Polizei Tenzin Sherabs Leichnam zunächst beschlagnahmt, ihn jedoch später seiner Familie übergeben haben. Offenbar wurden die Angehörigen von den Behörden hinsichtlich möglicher Gründe für Tenzin Sherabs Tat befragt.
Tenzin Sherab stammt aus einem Dorf im Landkreis Chumarleb (chin.: Qumarleb/Qumalai) am Oberlauf des Dri Chu, der Tausende Kilometer weiter östlich als Jangtsekiang ins Meer mündet. Exilquellen zufolge soll seine Familie von den Behörden im Rahmen ihres Ansiedlungsprogramms für tibetische Nomaden in Chumarleb sesshaft gemacht worden sein. Diese Politik geht häufig mit Landbeschlagnahme und der Einzäunung von vordem freiem Weideland einher und stellt in vielen Fällen eine drastische Einschränkung der wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten der Nomadenfamilien dar. Eine tibetische Exilquelle geht davon aus, dass Tenzin Sherab zum Zeitpunkt seiner Selbstverbrennung auf der Suche nach Raupenpilzen unterwegs war, die für viele Tibeter inzwischen eine wichtige Einkommensquelle darstellen, da sie – in ihrer traditionellen Nomadenwirtschaft eingeschränkt – auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben, mit den zugewanderten Han-Chinesen zu konkurrieren. Tenzin Sherab hatte noch vier jüngere Geschwister. Gegenüber Freunden soll er Sorge um das Überleben der tibetischen Kultur und Religion zum Ausdruck gebracht haben.
Tenzin Sherabs Selbstverbrennung ist die erste in dieser dünn besiedelten Region und zudem die erste nach einer Pause von über einem Monat. Zuletzt hatten sich am 24. April zwei Mönche im Taktsang Lhamo Kirti Kloster in Dzorge, Sichuan, selbst angezündet. Eine Liste mit den Namen und Daten der 117 bekannt gewordenen Selbstanzündungen in Tibet und China seit Februar finden Sie auf der Internet-Seite der International Campaign for Tibet unter http://www.savetibet.org/resource-center/maps-data-fact-sheets/self-immolation-fact-sheet.
Einen englischsprachigen Bericht können Sie hier herunterladen: https://savetibet.de/fileadmin/user_upload/content/berichte/Aktuelle_Berichte/ICT_Bericht_29052013.pdf.
Pressekontakt:
Kai Müller
Geschäftsführer
International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel, London und Berlin sowie Rechercheteams in Dharamsala, Indien, und Kathmandu, Nepal.
Berlin, 16. März 2011. Der 21 Jahre alte tibetische Mönch Phuntsog aus dem Kloster Kirti in Ngaba (chin.: Aba) in der chinesischen Provinz Sichuan hat sich heute Morgen öffentlich angezündet und ist anschließend seinen Verletzungen erlegen. Augenzeugen in Kontakt mit tibetischen Exil-Quellen zufolge soll die Polizei die Flammen gelöscht und auf Phuntsog eingeschlagen haben. Kurz danach sei der Mönch gestorben. Die Selbstverbrennung Phuntsogs fiel zusammen mit dem dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des friedlichen Protests im Kloster Kirti im Jahre 2008. Dabei waren mindestens zehn Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Tod Phuntsogs führte anschließend zu einer großen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurückgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti „eher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu übergeben“. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem Militär umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem Frühjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey überlebte, wurde allerdings anschließend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem Maße erschütternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter über die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.

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