Tibet: Zwei Mönche wegen friedlicher Einzelproteste zu Haftstrafen verurteilt / Kein eigener Anwalt vor Gericht / In Haft gefoltert
Berlin, 14. November 2014. Zwei junge Mönche des Klosters Kirti im osttibetischen Ngaba (chin.: Aba) wurden von einem Gericht zu zwei bzw. drei Jahren Haft verurteilt, weil sie im April unabhängig voneinander friedlich für Freiheit und die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet protestiert hatten. Wie tibetische Mönche im indischen Exil mitteilten, seien beide in der Haft schwer gefoltert worden. Beide waren vor Gericht nicht von einem Anwalt ihrer Wahl vertreten. Informationen von Mönchen aus dem nordindischen Schwesterkloster Kirti zufolge war der 20-jährige Losang Gyatso am 2. April mit einer selbst gemalten tibetischen Fahne durch Ngaba gegangen und hatte dabei laut „Freiheit für Tibet!“ sowie „Der Dalai Lama muss nach Tibet zurückkehren!“ gerufen. Offenbar gelang es ihm zunächst seiner Verhaftung zu entgehen und unbehelligt ins Kloster zurückzukehren. Losang Gyatso wurde dort erst am 15. April festgenommen. Am 7. November verurteilte ihn das Mittlere Volksgericht von Ngaba zu drei Jahren Haft.
Ebenfalls am 7. November wurde der 19-jährige Losang Tenpa zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er am 26. April ebenfalls auf der Hauptstraße von Ngaba für Freiheit in Tibet und die Rückkehr des Dalai Lama protestiert hatte. Die Straße war in den vergangenen Jahren Schauplatz mehrerer Selbstverbrennungen und Protestaktionen und wird im Volksmund auch als „Helden“- oder „Märtyrerstraße“ bezeichnet. Zuletzt hatte sich dort am 14. Februar ein 25-jähriger ehemaliger Mönch des Klosters Kirti mit Namen Lobsang Dorje selbst angezündet und war seinen Verletzungen erlegen. Wie es heißt, soll auch Losang Tenpa bei seinem Einzelprotest eine selbstgemalte tibetische Fahne getragen haben. Seine Angehörigen seien von den Behörden aufgefordert worden, zur Gerichtsverhandlung zu erscheinen. Wie auch die Familie von Losang Gyatso erhielten sie jedoch keine Gelegenheit, einen eigenen Anwalt für den Angeklagten zu engagieren. Sowohl Losang Tenpa als auch Losang Gyatso stammen aus der Ortschaft Meuruma in der verwaltungsmäßig zur Provinz Sichuan zählenden Autonomen Präfektur Ngaba und waren schon in jungen Jahren in das Kloster Kirti eingetreten.
Der englischsprachige Orignalbericht kann hier heruntergeladen werden: https://savetibet.de/fileadmin/user_upload/content/berichte/Aktuelle_Berichte/ICT_Bericht_13112014.pdf.
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Berlin, 16. März 2011. Der 21 Jahre alte tibetische Mönch Phuntsog aus dem Kloster Kirti in Ngaba (chin.: Aba) in der chinesischen Provinz Sichuan hat sich heute Morgen öffentlich angezündet und ist anschließend seinen Verletzungen erlegen. Augenzeugen in Kontakt mit tibetischen Exil-Quellen zufolge soll die Polizei die Flammen gelöscht und auf Phuntsog eingeschlagen haben. Kurz danach sei der Mönch gestorben. Die Selbstverbrennung Phuntsogs fiel zusammen mit dem dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des friedlichen Protests im Kloster Kirti im Jahre 2008. Dabei waren mindestens zehn Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Tod Phuntsogs führte anschließend zu einer großen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurückgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti „eher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu übergeben“. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem Militär umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem Frühjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey überlebte, wurde allerdings anschließend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem Maße erschütternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter über die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.

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