Tibet: Lage nach Erdbeben unübersichtlich / Ausmaß der Schäden nicht unabhängig einschätzbar / Problematisches Nachrichtenmonopol der chinesischen Staatsmedien
Berlin, 8. Mai 2015. Auch in Tibet hat das verheerende Erdbeben vom 25. April schwere Schäden verursacht. Dies kann nicht verwundern, liegen einige Grenzregionen Tibets doch näher am Epizentrum als beispielsweise die schwer betroffene nepalesische Hauptstadt Kathmandu. Insbesondere die südlichen Landkreise der Präfektur Shigatse melden Schäden. Deren Ausmaß ist jedoch nicht verlässlich einzuschätzen, da eine unabhängige Überprüfung der offiziellen chinesischen Angaben unmöglich ist. Die einzig verfügbaren Zahlen werden von den chinesischen Staatsmedien verbreitet, deren Nachrichtenmonopol in Tibet unangefochten ist. Unabhängige Berichterstatter erhalten ebenso wenig Zugang zu der betroffenen Region wie nicht-staatliche Hilfsorganisationen oder ausländische Besucher.
Die über Xinhua und andere Medien verbreiteten Opferzahlen für Tibet belaufen sich derzeit auf 26 Tote, drei Vermisste und mehr als 850 Verletzte. Zudem ist die Rede von etwa 2.700 zerstörten und 40.000 beschädigten Gebäuden, wie es heißt seien auch 82 Klöster beschädigt, 13 davon schwer. Angesichts der Zahl der zerstörten Gebäude erscheint die Zahl der Erdbebenopfer relativ niedrig, auch wenn man berücksichtigen muss, dass die betroffene Region sehr dünn besiedelt ist. Das Erdbeben war in Tibet besonders stark zu spüren im Gebiet der kreisfreien Stadt Shigatse, namentlich in der Region nördlich des Mount Everest (tibetisch: Chomolungma) sowie in den Kreisen Kyirong (chin: Jilong), Tingri (chin: Dingri), Nyalam (chin: Nielamu) und Dram (chin: Zhangmu). In den Folgetagen kam es zu mehreren Nachbeben, die in Shelkar (chin.: Xiege’er, auch bekannt als „New Tingri“) weiteren Schaden anrichteten. Mehreren Quellen zufolge sollen in Nyalam achtzig Prozent der Gebäude entweder komplett zerstört oder schwer beschädigt worden sein. Nach dem Erdbeben wurden große Konvois mit Militärlastwagen gesichtet, die von Lhasa und Shigatse aus in Richtung der Erdbebenregion entlang der Grenze zu Nepal unterwegs waren. Nach offiziellen Angaben sollen in Tibet 20.000 zivile und militärische Katastrophenhelfer zum Einsatz gekommen sein.
Ganz offenkundig hat die Katastrophenhilfe in der sensiblen Grenzregion zu Nepal für die chinesischen Behörden große politische Bedeutung. So nutzte die politische Führung die Gelegenheit, sich in den Medien als fürsorglich und kompetent zu präsentieren. Der KP-Sekretär der Autonomen Region Tibet (TAR), Chen Quanguo, sprach unter Bezug auf Äußerungen von Staatspräsident Xi Jinping davon, dass die „Sicherheit und das Wohlergehen der Katastrophengebiete“ der Führung sehr am Herzen läge. Gemeinsam wolle man die Verantwortung übernehmen; dies spiegele die „Wärme der großen Familie des Mutterlandes und die Vorzüge des sozialistischen Systems“.
Unseren englischsprachigen ICT-Bericht „The impact of the Nepal earthquake in Tibet“ können Sie hier herunterladen:
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Kai Müller
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 25 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel, London und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien. ICT ist gemeinnützig und finanziert sich aus Spenden.

Berlin, 16. März 2011. Der 21 Jahre alte tibetische Mönch Phuntsog aus dem Kloster Kirti in Ngaba (chin.: Aba) in der chinesischen Provinz Sichuan hat sich heute Morgen öffentlich angezündet und ist anschließend seinen Verletzungen erlegen. Augenzeugen in Kontakt mit tibetischen Exil-Quellen zufolge soll die Polizei die Flammen gelöscht und auf Phuntsog eingeschlagen haben. Kurz danach sei der Mönch gestorben. Die Selbstverbrennung Phuntsogs fiel zusammen mit dem dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des friedlichen Protests im Kloster Kirti im Jahre 2008. Dabei waren mindestens zehn Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Tod Phuntsogs führte anschließend zu einer großen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurückgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti „eher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu übergeben“. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem Militär umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem Frühjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey überlebte, wurde allerdings anschließend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem Maße erschütternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter über die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.

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