Pressemitteilung: Angesehener tibetischer Geistlicher nach unfairem Gerichtsverfahren zu langer Haftstrafe verurteilt
Washington/Berlin, 5. Januar 2010 – Ein angesehener tibetischer Geistlicher, der tibetische Lama Phurbu Rinpoche aus Kardze (chin. Ganzi) in der chinesischen Provinz Sichuan, ist nach einem offensichtlich unfairen Verfahren zu einer Haftstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt worden. Das Berichten zufolge am 23. Dezember 2009 vom „Mittleren Volksgericht“ in Dartsedo (chin. Kangding) ergangene Urteil ist die seit März 2008 erste Verurteilung eines angesehen tibetischen Geistlichen. Dem 52-jährigen Phurbu Rinpoche war illegaler Besitz von Waffen und Munition und die widerrechtliche Nutzung eines öffentlichen Gebäudes vorgeworfen worden. Der Geistliche war zunächst von zwei bekannten chinesischen Anwälten aus Peking, Li Fangping und Jiang Tianyong, verteidigt worden, denen allerdings in der Folge die weitere Vertretung des Tibeters untersagt worden war. Beiden Anwälten wie auch mehr als vierzig weiteren Anwälten wurde zudem die Genehmigung für ihre anwaltliche Tätigkeit entzogen. Phurbu Rinpoche genießt in der Region hohes Ansehen, da er sich intensiv für die Belange der örtlichen Bevölkerung eingesetzt und stets den Dialog mit den chinesischen Behörden gesucht hat.
Li Fangping und Jiang Tianyong hatten kritisiert, dass es während des Prozesses zu schweren Verstößen gegen das chinesische Recht gekommen sei und dass es der Anklage an „faktischer Klarheit“ und „ausreichenden Beweisen“ fehle. Beide Anwälte hatten in einer Erklärung vom 21. April 2009 zudem kritisiert, dass Phurbu Rinpoche in der Haft gefoltert worden sei. Die Anklage stand offenbar in Zusammenhang mit einem friedlichen Protest im Mai 2008, als rund 80 Nonnen des Klosters Pangri-na, dem Phurbu Rinpoche vorsteht, einen Protestzug zu den örtlichen Regierungsgebäuden in Kardze abhielten. Berichten zufolge sind diese Nonnen in der Folge misshandelt und festgenommen worden. Phurbu Rinpoche war ebenfalls unmittelbar nach diesem Protest im Mai 2008 in Haft genommen worden.
Li Fangping und Jiang Tianyong hatten in ihrer Erklärung berichtet, dass Phurbu Rinpoche abwechselnd an beiden Armen an eine Eisenstange im Verhörzimmer gekettet worden sei und mit ausgestreckten Armen gezwungen wurde, über vier Tage und Nächte in stehender Position zu verharren. Dem Angeklagten sei zudem gedroht worden, dass seine Frau und sein Sohn festgenommen würden, falls er den unterstellten Waffenbesitz nicht zugeben würde. Die Erklärung der Anwälte vom 21. April 2009 kann hier eingesehen werden (engl.): http://savetibet.org/media-center/ict-news-reports/verdict-tibetan-lama-deferred-chinese-lawyers-statement-charges-against-phurbu-rinpoche.
Ein detaillierter Bericht der International Campaign for Tibet über die Verurteilung Phurbu Rinpoches vom 4. Januar 2010 kann hier eingesehen werden (engl.): http://www.savetibet.org/media-center/ict-news-reports/influential-tibetan-lama-sentenced-eight-and-half-years-prison.

Kontakt:

Kai Müller
Geschäftsführer / Executive Director
International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
Schönhauser Allee 163
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