International Campaign for Tibet
 

Pressemitteilung: Tibet: Truppen schießen auf unbewaffnete Tibeter / Mindestens 60 Verletzte / Angeblicher Protestorganisator nach Folter in kritischem Zustand

Berlin, 9. Oktober 2013. Mindestens sechzig Tibeter wurden im Osten der Autonomen Region Tibet (TAR) zum Teil schwer verletzt, als chinesische Sicherheitskräfte am 6. Oktober auf eine unbewaffnete Menschenmenge geschossen haben. Die Tibeter verlangten im Landkreis Driru (chin.: Biru) in der Präfektur Nagchu die Freilassung eines Mannes, der sich geweigert hatte, den Anordnungen einer Arbeitsgruppe zur „patriotischen Erziehung“ nachzukommen. Unklar ist derzeit noch, ob die Truppen am 6. Oktober in Driru mit scharfer Munition geschossen haben oder ob die Verletzungen von Tränengas- oder andersartigen Geschossen herrühren.

Im Vorfeld des chinesischen Nationalfeiertags am 1. Oktober hatten die staatlichen Behörden die Bevölkerung angehalten, als Zeichen ihrer Loyalität zum chinesischen Staat am 1. Oktober, dem chinesischen Nationalfeiertag, die chinesische Fahne zu hissen. Als dies auf Widerstand stieß, kam es zu mehr als vierzig Festnahmen und einer Reihe von teils schweren Verletzungen aufgrund von Schlägen durch die Sicherheitskräfte.

Tibetische Quellen berichteten, dass ein junger Tibeter namens Tsering Gyaltsen von der Polizei als angeblicher Anführer des friedlichen Protests festgenommen und schwer gefoltert wurde. Trotz seines kritischen Zustands sei ihm mehrere Tage lang medizinische Behandlung verweigert worden. Er soll sich inzwischen in einem Krankenhaus in Lhasa befinden. Weitere Tibeter, die durch Schläge oder Folterungen ebenfalls verletzt wurden, konnten sich aufgrund der durch die Behörden eingeschränkten Reisemöglichkeiten in der Region nicht in medizinische Behandlung begeben.

Driru ist derzeit fast komplett abgesperrt, die Kommunikationsmöglichkeiten über Telefon und Internet wurden stark eingeschränkt, die staatlichen Sicherheitskräfte haben ihr Personal in der Region massiv verstärkt. Wie Exilquellen berichten, soll Bewohnern des Landkreises Driru in Lhasa geraten werden, wegen des Vorgehens der Behörden im Moment nicht in ihre Heimat zurückzukehren.

Weitere Details finden Sie in einem ICT-Bericht, den Sie dem Anhang dieser Nachricht entnehmen oder hier herunterladen können.

Pressekontakt:
Kai Müller
Geschäftsführer
International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
Schönhauser Allee 163
D-10435 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 27879086
Fax:  +49 (0) 30 27879087
E-Mail: presse(at)savetibet.de

Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel, London und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien. ICT ist gemeinnützig und finanziert sich aus Spenden.

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