International Campaign for Tibet
 

Tibet-Politik

PRESSEERKLÄRUNG - Bericht der USA: Religiöse Unterdrückung in Tibet hält an

18. Dezember 2003


Washington, D.C. - Die International Campaign for Tibet (ICT) ruft die USA auf, ihre Haltung gegenüber China an ihre Berichterstattung anzupassen.

Das US-amerikanische Außenministerium veröffentlicht seinen jährlichen Bericht zur Religionsfreiheit für das Jahr 2003. Darin beschreibt es ausführlich die von der chinesischen Regierung in Tibet eingesetzten Mittel zur religiösen Unterdrückung.

„Die tibetische buddhistische Kultur wurde in den frühen Jahren der chinesischen Besatzung und während der Kulturrevolution sehr stark angegriffen. Dieser Bericht belegt, dass die systematische Unterdrückung in Tibet tatsächlich bis zum heutigen Tage anhält", stellt Frau Dr. Gudrun Henne, Geschäftsführerin der International Campaign for Tibet (ICT) Deutschland e.V., fest.

„Mönche und Nonnen sind in Tibet von Gefängnis, Folter oder Verweisung für geringfügige, gewaltfreie Handlungen oder einfach, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind".

„Wir rufen die US-amerikanische Regierung auf, streng mit China zu verfahren, um angemessen auf den Grad religiöser Unterdrückung, den sie in ihrem Bericht darlegt, zu reagieren", sagte Frau Mary Beth Markey, Geschäftsführerin des amerikanischen Büros der International Campaign for Tibet (ICT).

Der US-amerikanische Kongress beauftragte das Außenministerium mit dem jährlichen Bericht zur Religionsfreiheit. Die fünfte Ausgabe ist die bisher ausführlichste Berichterstattung über die Lage in Tibet. Es werden Vorfälle religiöser Unterdrückung in ganz Tibet, einschließlich der tibetischen Gebiete außerhalb der Autonomen Region Tibet (TAR) beschrieben. Der Bericht zeichnet ein klares Verständnis der chinesischen Politik gegenüber allen Tibetern.

In einigen Bereichen fällt der Bericht jedoch noch immer unzureichend aus oder gibt nur ein unvollständiges Bild des Ausmaßes religiöser Verfolgung auf dem tibetischen Hochplateau. Beispielsweise wird versäumt, eine Reihe gewaltsamer Verhinderungen von religiösen Aktivitäten von Tibetern in Kham und Amdo (tibetische Gebiete in den Provinzen Gansu und Sichuan) zu berücksichtigen. Stattdessen erklärt der Bericht, die Gebiete außerhalb der TAR genössen vergleichsweise größere religiöse Freiheiten.

Die ICT dokumentiert hingegen zunehmend religiöse Unterdrückung, besonders in der Autonomen Präfektur Kardze (Provinz Sichuan), in der chinesische Beamte gleichermaßen tibetische Klöstervorsteher, religiöse Institutionen und praktizierende Laien zum Ziel ihrer religiösen Unterdrückung machten. Die angewandten Methoden entsprechen denen, die in der TAR zur Unterdrückung der Religionsausübung verwendet werden.

Mehrere nennenswerte Beispiele wurden in dem Bericht zur Religionsfreiheit übergangen:

  • Berichten zufolge drohten chinesische Behörden in Kandze im November 2003 der lokalen Bevölkerung, ihr Land zu konfiszieren, sollten sie sich weigern, Bilder des Dalai Lama auszuhändigen.
  • Radio Free Asia berichtete im Oktober 2003 vom Tod Nyima Drakpas, einem tibetischen Mönch aus einem Kloster in der Autonomen Tibetischen Präfektur Kardze (Provinz Sichuan). Er sei während seiner Zeit im Gefängnis, während er seine neunjährige Haftstrafe für „spalterische" Aktivitäten abdiente, wiederholt gefoltert worden.
  • Im August 2003 konfiszierten Beamte des Büros für Öffentliche Sicherheit in Ngaba eine große Zahl von Bildern des Dalai Lama im Kloster Khangmar und verhafteten sechs Mönche wegen politischer Ausschreitungen.
  • Im Juli 2003 wurde die Klosterschule Kirti in der Autonomen Tibetischen Präfektur Ngaba und der Autonomen Präfektur Qiang in der Provinz Sichuan offiziell geschlossen. Die Schule wurde seit 1998 fortwährend von lokalen chinesischen Behörden angegriffen.

Während der Bericht im Allgemeinen korrekt und streng ausfällt, wiederholt das amerikanische Außenministerium weiterhin einige irreführende Aussagen. Beispielsweise wird angedeutet, dass lediglich religiöse Aktivitäten im Zusammenhang mit separatistischen Aktivitäten unterdrückt würden. Eine Anzahl von Regelungen, die in dem Bericht dargelegt werden, wie beispielsweise die Beschränkung der Anzahl von Mönchen, die in jedem Kloster zugelassen werden, stehen jedoch in keinem Zusammenhang mit separatistischen Aktivitäten. Sie sind vielmehr Hauptpfeiler von Chinas umfassendem Angriff auf die tibetisch-buddhistischen Kultur.

Das amerikanische Außenministerium versäumt es weiterhin, die legitime Autorität tibetischer buddhistischer Oberhäupter – anstelle der chinesischen politischen Behörden – über die Bestimmung reinkarnierter Lamas wie des Panchen Lamas, vollständig anzuerkennen.

„Indem die USA China als ‚totalitäres oder autoritäres Regime, das religiösen Glauben und die Religionsausübung kontrolliert’ aufführt, machen die USA deutlich, dass weiterhin eine deutliche Kluft zwischen chinesischen und US-amerikanischen Werten im Bereich der Religionsfreiheit herrscht", bemerkt Henne.

„Die Vereinigten Staaten müssen auf diesen Befund angemessen reagieren und etwas unternehmen, um die Situation in Tibet zu verändern - sie müssen nachdrücklich darauf hinarbeiten, dass der Dialog zwischen den Chinesen und dem Dalai Lama oder seinen Vertreten zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung führt"; schließt Henne.

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