Buddhistischer Lehrer
seit neun Monaten
«verschwunden»
Foto: ICT
Auch neun Monate nach seiner willkürlichen Festnahme durch die chinesischen Behörden bleibt Choktrul Dorje Ten weiterhin „verschwunden“. Weder ist der Aufenthaltsort des prominenten tibetisch-buddhistischen Lehrers bekannt, noch gibt es Informationen über seinen Gesundheitszustand. Sieben separate formelle Appelle von Familienangehörigen und Schülern von Choktrul Dorje Ten an die chinesischen Behörden blieben sämtlich unbeantwortet.
Choktrul Dorje Ten leitete das Kloster Minthang Osel Thegchok Chokhorling im nordosttibetischen Landkreis Chikdril (chin.: Jiuzhi). Er setzte sich entschieden für den Erhalt der tibetischen Sprache und Kultur ein. Nach seiner Inhaftierung am oder um den 4. Dezember 2025 wurde die von ihm gegründete „Dorje Ten Ethnic Vocational School“ gewaltsam geschlossen. Es handelte sich dabei um eine der wenigen verbliebenen Schulen mit tibetischer Unterrichtssprache.
Behörden verweigern Auskunft über Aufenthaltsort und Gesundheitszustand
Wie Quellen der International Campaign for Tibet (ICT) mitteilten, haben seitdem Familienangehörige und Schüler von Choktrul Dorje Ten die chinesischen Behörden mehrfach um Auskunft über seinen Verbleib und seinen Gesundheitszustand gebeten. Jedoch hätten diese sämtliche der insgesamt sieben separaten Eingaben ignoriert. Mittlerweile seien Freunde und Verwandte in großer Sorge darüber, ob der buddhistische Lama überhaupt noch am Leben sei.
Choktrul Dorje Ten hat auch schon die Vereinten Nationen beschäftigt. So leitete die UNO-Arbeitsgruppe für erzwungene oder unfreiwillige Verschleppungen in ihrem Bericht vom 16. Juli (A/HRC/WGEID/139/1) seinen Fall an die chinesische Regierung weiter. Und das Europaparlament forderte in einer am 30. April verabschiedeten Entschließung die sofortige Freilassung von Choktrul Dorje Ten. Ebenfalls im April startete Amnesty International eine „Urgent Action“-Kampagne für die Freilassung des tibetischen Lamas.
Schließung von Schulen und Kultureinrichtungen
Die chinesischen Behörden haben systematisch mehrere von Choktrul Dorje Ten gegründete Bildungs- und Kultureinrichtungen geschlossen. Dazu gehören die Nyenpo-Yutse-Grundschule, das Mayang-Lhakhar-Chukmo-Gesar-Kulturverbreitungszentrum sowie die Gesar-Kulturerbe-Stiftung und das Mayang-Chugmo-Gesar-Kulturausbildungszentrum. Deren Mitgliedern ist es zudem untersagt, organisatorische Angelegenheiten zu besprechen. Außerdem wurden entsprechende WeChat-Gruppen dauerhaft geschlossen und die Bevölkerung unter verstärkte Überwachung gestellt.
Choktrul Dorje Ten wurde am 25. Oktober 1967 in Akyong Khangsar geboren. Der auch als Choktrul Thubten Yeshe Nyima bekannte Lama studierte buddhistische Lehren der Nyingma-Tradition bei angesehenen Meistern wie Khenpo Jigme Phuntsok. Er erlangte den Titel eines Khenpo, also eines Abtes, an der buddhistischen Akademie Larung Gar im osttibetischen Serthar, einem der weltweit größten tibetisch-buddhistischen Bildungsinstitute. Larung Gar ist seit Langem Ziel einer Zerstörungskampagne der chinesischen Regierung. Diese zielt auf Abriss, Vertreibung von Ordensangehörigen und strenge Einschränkungen der freien Ausübung buddhistischer Traditionen. Vor seinem „Verschwindenlassen“ galt Choktrul Dorje Ten Rinpoche als angesehener Gemeindevorsteher.


