ICT berichtet der UNO
über die Lage der
Kinderrechte in Tibet

 

Foto: FIDH

Aktuell spielen die Kinderrechte in Tibet eine zentrale Rolle für die Arbeit der International Campaign for Tibet (ICT) zu den Vereinten Nationen. Hintergrund ist die Vorprüfung Chinas durch den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes, die am 29. September in Genf begonnen hat. Die letzte Überprüfung Chinas vor dem Ausschuss fand im Jahr 2013 statt.

Besonderes Augenmerk liegt nun auf der Lage in Tibet, wo die chinesischen Machthaber systematisch die Kinderrechte verletzen. Dies belegt anschaulich der Schattenbericht über die Lage der Kinderrechte in Tibet, den ICT dem UN-Kinderrechtsausschuss vorgelegt hat.

Veranstaltung in Genf dokumentiert systematische Verstöße gegen Kinderrechtskonvention 

Wenige Tage vor Beginn des Vorprüfungsverfahrens fand in Genf am Rande des UN-Menschenrechtsausschusses eine Veranstaltung zu diesem Thema statt. Bei dem sogenannten Side-Event am 24. September 2026 (Foto oben) dokumentierten ICT und weitere Experten systematische Verstöße gegen die Rechte tibetischer Kinder.

Für seine Präsentation verwendete ICT-Geschäftsführer Kai Müller (re.) auch Material der chinesischen Propagandamedien. (Foto: FIDH)

Die von der Helsinki Foundation for Human Rights (HFHR) ausgerichtete Veranstaltung brachte verschiedene Rednerinnen und Redner zusammen, darunter Thinlay Chukki, Vertreterin des Dalai Lama in Genf, Lhadon Tethong sowie Dr. Gyalo vom Tibet Action Institute (TAI) und Kai Müller von ICT. Für die HFHR moderierte der Leiter des Brüssler Büros von ICT Vincent Metten die Diskussion.

Kai Müller wies bei seiner Präsentation des ICT-Schattenberichts auf neue Gesetze – wie etwa das Gesetz über „Ethnische Einheit“ – hin. Aus Sicht von ICT vertiefen diese die Verstöße der chinesischen Behörden gegen Kinderrechte in Tibet, wie etwa die Indoktrination und Militarisierung tibetischer Kinder sowie systematische Verbote freier Religionsausübung. An der Veranstaltung nahmen rund 20 Vertreter von UN-Mitgliedstaaten sowie Vertreter zahlreicher Nichtregierungsorganisationen und zivilgesellschaftlicher Gruppen teil.

Politische Indoktrination und Militarisierung tibetischer Kinder

Belege für die Vorwürfe der Menschenrechtsorganisationen finden sich zahlreich in den chinesischen Propagandamedien. So beklagte ICT jüngst etwa den von der chinesischen Regierung forcierten Einsatz militärischer Erziehungsmethoden und politischer Indoktrination bei tibetischen Kindern. Ein aktueller Bericht chinesischer Staatsmedien zeigt tibetische Kinder in der osttibetischen Stadt Dartsedo (chinesisch: Kangding), die an einem fünftägigen Trainingsprogramm teilnehmen. Das Training vermittelt „Schulregeln und Verhaltensnormen“ mit militärisch anmutenden Übungen und Einheiten zur politischen Indoktrination.

Militärtraining und politische Indoktrination für tibetische Schüler. (Foto: Mittelschule Dartsedo/WeChat*)

Mit dem Bericht veröffentlichte Bilder zeigen tibetische Schüler der Mittelstufe, die in Militäruniformen marschieren und im Rahmen einer ideologischen Schulung Einheiten zur „Förderung der ethnischen Einheit“ absolvieren müssen. Bei den Schülern handelt es sich offenbar um Jugendliche, die erst kurz zuvor die Grundschule abgeschlossen haben. Aus Sicht von ICT sind derartige Programme Instrumente der Zwangsassimilation und Mittel zur Auslöschung der tibetischen Identität.

ICT hat bereits früher über die systematische Militarisierung und Indoktrination tibetischer Kinder durch die Kommunistische Partei berichtet. Ähnliche Aufnahmen zeigen tibetische Kindergartenkinder, die in Militäruniformen marschierten und Gewehrattrappen trugen.

Zum Schulstart chinesische Propaganda

In einem anderen Fall sahen sich die Schüler im tibetischen Landkreis Mdzodge (auch Zoigê genannt) zu Beginn des neuen Schuljahres gezwungen, chinesische Propaganda anzusehen. Das Programm trägt den Titel „Unser Langer Marsch“ und soll laut dem Artikel an die „lange Geschichte der revolutionären Bewegung“ vor Ort und „an den 90. Jahrestag des Sieges der Kommunistischen Partei Chinas“ erinnern. Dies stellt einen weiteren Beleg der verstärkten Indoktrination der Jüngsten in der tibetischen Gesellschaft durch die Führung in Peking dar.

KP-Propaganda zum Schulstart: Tibetische Schulkinder müssen aufmerksam einer chinesischen Propagandasendung folgen. (Foto: mp.weixin.qq.com*)

Die chinesische Regierung verfolgt in Tibet eine aggressive Assimilierungspolitik, die darauf abzielt, die tibetische Kultur und Identität zu zerstören und letztlich aus Tibetern Chinesen im Sinne der KP zu formen. Etwa eine Million tibetische Kinder müssen in chinesische Zwangsinternate gehen. Dort werden sie systematisch von ihren Familien getrennt und ihrer Sprache, Kultur und Religion entfremdet.

Die International Campaign for Tibet setzt sich für ein Ende der Indoktrination und Zwangsinternate ein und fordert von der chinesischen Regierung die Rücknahme des Assimilationsgesetzes.

* Die beiden unteren Fotos stammen von WeChat-Kanälen mit chinesischen Propagandainhalten.

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