ICT macht Tibet zum
Thema der «World Water
Week» in Stockholm
Foto: Screenshot World Water Week
Wasser ist die Grundlage unseres Lebens. In den kommenden Jahren haben wir die Verantwortung, die großen Flüsse zu schützen, die für so viele Menschen die Quelle des Wassers sind.“
14. Dalai Lama
Ende August fand in Stockholm die „World Water Week” statt. ICT war bei der internationalen Fachkonferenz bereits zum zweiten Mal mit einer eigenen Veranstaltung vertreten. Bei unserer Podiumsdiskussion ging es am 27. August um Tibet als Epizentrum von Klimarisiken und regionalen Konflikten.
Auf dem Podium saßen Palmo Tenzin von ICT Deutschland, Charlotte Wagner vom Stockholm Environment Institute und der Potsdamer Geomorphologe Dr. Wolfgang Schwanghart. Die Moderation hatte unser Kollege Franz Matzner aus dem ICT-Büro in Washington. Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der Darstellung der enormen Risiken, die mit Pekings Plänen für einen weiteren Ausbau zahlloser Megastaudämme in Tibet einhergehen.
Pekings Pläne sind ökologisch und geopolitisch höchst bedenklich
So treibt die Volksrepublik China seit Jahren den Ausbau ihrer Wasserkraftkapazitäten voran – insbesondere in Tibet, wo einige der größten Flüsse Asiens entspringen. Der jüngste Bau eines Mega-Staudamms am Yarlung Tsangpo-Fluss im Südosten Tibets markiert einen neuen Höhepunkt dieser Entwicklung. Mit einer geplanten Kapazität von rund 70 Gigawatt soll dieser Staudamm mehr als die Gesamtkapazität Polens erzeugen. Die Dimensionen dieses Projekts sind ökologisch und geopolitisch höchst bedenklich.
Die International Campaign for Tibet (ICT) warnt in ihrem Bericht „Chinese Hydropower: Damning Tibet’s Culture, Community, and Environment“ eindringlich vor den Folgen dieser Politik. Seit dem Jahr 2000 wurden über 193 Staudämme in Tibet gebaut oder befinden sich im Bau, viele davon in ökologisch sensiblen und kulturell bedeutenden Regionen.
Der Bau des Khamtok-Damms in Derge in Zentraltibet etwa führt zur Vertreibung Tausender Tibeter und zur Zerstörung jahrhundertealter Klöster. ICT fordert daher einen sofortigen Baustopp aller Großprojekte und eine politische Lösung, die sich zentral am Recht der Tibeter auf Selbstbestimmung orientiert. Das bedeutet, dass die Tibeter auch über ihre natürlichen Ressourcen selbst bestimmen können.
Warum Umweltorganisationen Chinas Staudammbau in Tibet kritisieren müssen
Aber nicht nur die Politik ist gefordert. Auch Umweltorganisationen weltweit müssen sich kritisch zu den Staudammprojekten in Tibet äußern – nicht zuletzt, um ihrer eigenen Glaubwürdigkeit gerecht zu werden. Wer sich für Klimaschutz, Biodiversität und Menschenrechte einsetzt, darf zu den ökologischen und sozialen Folgen dieser Megaprojekte nicht schweigen. Die tibetische Hochebene ist nicht nur ein ökologisches Rückgrat Asiens, sondern auch ein kulturelles Erbe, das durch den rücksichtslosen Ausbau der Wasserkraft akut bedroht ist.
Die Umweltbewegung muss sich selbstkritisch fragen, ob sie bereit ist, auch dort aktiv zu werden, wo eine autokratische Einparteienherrschaft Kritik an ihrer Politik zu unterbinden sucht. Schweigen aus strategischer Vorsicht darf nicht zur Normalität werden, wenn grundlegende ökologische und menschenrechtliche Prinzipien verletzt werden. Die tibetische Hochebene ist ein ökologisches Rückgrat Asiens – ihr Schutz sollte ein zentrales Anliegen aller sein, die sich für eine gerechte und nachhaltige Zukunft einsetzen.


