ICT-Bericht dokumentiert
Todesfälle von Tibetern
durch Folter in Haft

 

Foto: RFA*

Regelmäßig sterben Tibeter durch Folter, die sie in chinesischer Haft erleiden. Zu diesem schockierenden Ergebnis kommt ein neuer Bericht von ICT mit dem Titel Justice Denied: The Pattern of Deaths in and After Custody in Tibet“. Darin dokumentieren wir 16 Fälle von Tibetern, die zwischen 2014 und 2026 in chinesischer Haft oder kurz nach ihrer Freilassung starben.

Der Bericht erschien am 26. Juni, dem Internationalen Tag zur Unterstützung der Opfer von Folter. ICT unterstreicht damit die Forderung nach Gerechtigkeit für die tibetischen Opfer, für deren Tod die chinesischen Behörden verantwortlich sind.

Straflosigkeit für chinesische Folterer

Der Bericht verdeutlicht, dass es sich bei diesen Todesfällen nicht um Einzelfälle handelt. Er entlarvt ein chinesisches Justizsystem, das Straflosigkeit für Sicherheitskräfte duldet, die Tibeter gefoltert und misshandelt haben. In den Fällen aus verschiedenen Teilen Tibets zeigt sich ein einheitliches Muster:

Die Betroffenen werden inhaftiert, oft ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand, oder Kontakt zu ihren Angehörigen. Abgeschottet von der Öffentlichkeit sind die Betroffenen Misshandlungen, Missbrauch oder der Verweigerung medizinischer Versorgung ausgesetzt.

Manche sterben in Haft, andere werden erst freigelassen, wenn sich ihr Zustand irreparabel verschlechtert hat. Sie kehren verletzt, bewusstlos oder sprachunfähig zu ihren Familien zurück und sterben oft nur Tage später.

Chinesische Behörden versuchen, Todesfälle zu vertuschen

Zu den dokumentierten Fällen gehören Tsedon, eine 20-jährige Studentin aus Lhasa, die wenige Wochen nach ihrer Inhaftierung starb, Geshe Pende Gyaltsen, ein angesehener Mönch seiner Gemeinde, oder Gonpo Namgyal, ein Dorfvorsteher und Verfechter der tibetischen Sprachbildung, dessen Körper sichtbare Spuren von Misshandlung aufwies.

Regelmäßig deutet das Verhalten der Behörden darauf hin, den Tod der Betroffenen vertuschen zu wollen. Leichen der Opfer werden zurückgehalten oder unter strenger behördlicher Kontrolle eingeäschert, während den Familien der Zugang verweigert und die Durchführung religiöser Riten untersagt wird. Unabhängige Autopsien werden nicht durchgeführt, formelle Untersuchungen gegen mögliche Tatverdächtige werden nicht eingeleitet.

„In Tibet kann eine Haftstrafe einem Todesurteil gleichkommen“

Der ICT-Bericht kommt zu dem Schluss, dass das wiederholte Auftreten solcher Todesfälle, verbunden mit der konsequenten Weigerung, zu ermitteln oder Wiedergutmachung zu leisten, die Schwelle für das Vorliegen eines systematischen Musters von Folter überschreitet.

„In Tibet kann eine Haftstrafe einem Todesurteil gleichkommen, wie unser Bericht mit zahlreichen Fällen zeigt. Dies sind keine isolierten Tragödien. Sie offenbaren ein wiederkehrendes Muster, bei dem Tibeter in Gewahrsam genommen werden und nicht lebend zurückkehren. An diesem Internationalen Tag gegen Folter gedenken wir aller Tibeter, die in chinesischer Haft gestorben sind, und wir fordern Wahrheit und Gerechtigkeit, die ihren Familien viel zu lange verweigert wurden“, so ICT-Präsidentin Tencho Gyatso.

ICT fordert ungehinderten Zugang nach Tibet

Der ICT-Bericht fordert Regierungen auf, Einzelfälle bei der chinesischen Führung anzusprechen und auf unverzügliche, unabhängige Untersuchungen zu drängen sowie darauf, UN-Beobachtern, Diplomaten und Journalisten ungehinderten Zugang nach Tibet zu ermöglichen. Regierungen sollten Repressalien gegen trauernde Familien verurteilen und gezielte Sanktionen gegen Verantwortliche im Partei- und Staatsapparat Chinas erwägen, die an Todesfällen in Haft, Folter und Verschwindenlassen beteiligt oder für das Muster an Straflosigkeit politisch verantwortlich sind.

Die chinesische Regierung muss allen Foltervorwürfen nachgehen, Verantwortliche strafrechtlich verfolgen und den Opfern und ihren Familien wirksame Rechtsmittel garantieren, so der Bericht weiter. Darüber hinaus appelliert der ICT-Bericht an die Vereinten Nationen, Todesfälle in tibetischer Haft ausdrücklich als Teil eines umfassenderen Musters von Folter, Diskriminierung und Straflosigkeit anzuerkennen.

* Das Foto zeigt den tibetischen Mönch Geshe Pende Gyaltsen (auch Geshe Phende Gyaltsen), der Anfang 2023 in chinesischer Haft starb.

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