Tibetischer Mönch
zu sechs Jahren
Haft verurteilt
Quelle: vot.org
Es ist nur ein unscharfes Foto, das die Welt von Palden Yeshi kennt. Tatsächlich galt der tibetische Mönch seit dem 17. Mai 2021 zunächst fast fünf Jahre lang als „verschwunden“. Die gesamte Zeit über hielten die chinesischen Behörden seine Familie in Ungewissheit über seinen Verbleib.
Wie die International Campaign for Tibet nun erfahren hat, wurde der tibetische Mönch von einem chinesischen Gericht zu sechs Jahren Haft verurteilt. Zum ersten Mal nach seiner willkürlichen Festnahme durfte ein Verwandter Yeshi Ende Februar im Gefängnis besuchen. Palden Yeshi verbüßt seine Haftstrafe im südwestlich der tibetischen Hauptstadt Lhasa gelegenen Chushul-Gefängnis. Der 52-jährige Yeshi ist ein Mönch des osttibetischen Klosters Kardze in der gleichnamigen Präfektur.
Tibetisch-Kurse in den Schulferien
Die Quellen gehen davon aus, dass die chinesischen KP-Machthaber ihn wegen seiner Bemühungen um den Erhalt der tibetischen Sprache inhaftiert haben. Vor seiner Verhaftung hatte Palden Yeshi während der Schulferien freiwillige Kurse für mehr als 300 Kinder aus der Region organisiert. Damit wollte er ihnen grundlegende Fähigkeiten im Lesen und Schreiben ihrer tibetischen Muttersprache vermitteln.
Die Verurteilung von Palden Yeshi ist Teil einer systematischen Kampagne der KP zur Marginalisierung der tibetischen Kultur und Sprache und Teil der neuen Kulturrevolution in Tibet. So schreibt etwa eine offizielle Richtlinie aus dem Jahr 2024 vor, dass alle Grund- und Mittelschulen in der Präfektur Kardze den tibetischen Sprachunterricht einstellen müssen; stattdessen wurde der gesamte Unterricht auf Chinesisch umgestellt.
Im Jahr 2021 lösten die Behörden eine Organisation zum Schutz der tibetischen Sprache im Landkreis Sershul auf. Über hundert Tibeter wurden wegen ihres Engagements für ihre Muttersprache, und weil sie Bilder des Dalai Lama besaßen, zu langen Haftstrafen verurteilt.
Junger tibetischer Mönch stirbt in chinesischem Gewahrsam
Im vergangenen Monat erreichte uns die Nachricht vom Tod des 25‑jährigen Mönchs Samten aus dem Ditsa Geden Tashi Choedingling Kloster im Nordosten Tibets. Nach übereinstimmenden Berichten wurde Samten bereits seit 2021 polizeilich überwacht, nachdem er auf WeChat Fotos zur demokratischen Wahl der tibetischen Exilregierung geteilt hatte.
ICT ist in Sorge, dass der Tod Samtens die Folge von Folter und Misshandlung in Haft ist. Seit wann und mit welchem Vorwurf er sich in Haft befand, ist aufgrund der schwierigen Informationslage unbekannt.
ICT fordert unabhängige Untersuchung
Im Dezember 2025 übergaben Behörden seinen leblosen Körper an das Kloster und erklärten, er sei „plötzlich erkrankt“ und während eines angeblichen Nottransports verstorben. Quellen vor Ort vermuten hingegen, dass Samten während eines Verhörs schwer misshandelt wurde. Die Mönche wurden angewiesen, keinerlei Informationen über den Todesfall weiterzugeben.
Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet, sagte dazu: „Die chinesischen Behörden müssen unverzüglich eine unabhängige Untersuchung zulassen. Wir sind in großer Sorge über die seit vielen Jahren beständig wiederkehrenden Todesfälle von Tibetern in oder unmittelbar nach chinesischer Haft. Der Tod des Mönchs Samten ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Teil dieses Musters.“


