Die Studentin,
vor der Peking
sich fürchtet
Quelle: ChineseYouthStand4Tibet
Vor beinahe fünf Monaten „verschwand“ die junge chinesische Studentin Zhang Yadi, als sie während der Semesterferien ihre Familie besuchen wollte. Zuvor war sie durch südosttibetische Gebiete gereist, die die chinesischen Machthaber bereits vor Jahrzehnten der Provinz Yunnan zugeschlagen haben. Ihr Reiseziel war nicht zufällig gewählt. Tatsächlich hat Zhang Yadi während ihres Studiums in Paris ein starkes Interesse an Tibet entwickelt. Zudem ist ihr Partner ein französischer Staatsbürger tibetischer Herkunft.
In Frankreich hatte die 22-Jährige damit begonnen, Beiträge für einen kleinen Blog zu verfassen, der von jungen chinesischen Auswanderern betrieben wird. Es handelte sich dabei nicht um eine politische Plattform, schreibt unser Brüsseler ICT-Kollege Vincent Metten. Vielmehr habe der Blog einen Raum für Reflexionen geboten, in dem Zhang Yadi über Kultur, Alltag und die Ideen schrieb, die sie in Europa entdeckt hatte.
Neugier und Empathie für die Tibeter
Eine ihrer Mitstreiterinnen betonte später, dass sie „niemals radikale oder separatistische Positionen vertreten habe“. Ihr Engagement war bescheiden und von Neugier und Empathie geprägt, insbesondere für die Tibeter, deren Stimmen ihrer Meinung nach in China selten Gehör fanden. Dennoch scheint dies ausgereicht zu haben, um sie zur Zielscheibe der Repressionen der chinesischen Behörden zu machen.
Vincent Metten beschreibt Zhang Yadi als „jemand, der zuhörte, lernte und sich interessierte. Genau diese Offenheit – diese Bereitschaft, frei zu denken und sich in diejenigen hineinzuversetzen, die in ihrer Heimat zum Schweigen gebracht werden – machte sie in den Augen Pekings zu jemandem, den man fürchten musste.“
In völliger Isolation festgehalten
Eigentlich wollte Zhang Yadi nach ihrer Rückkehr nach Europa ihr Studium in London fortsetzen. Doch dazu ist es nicht gekommen. Am 31. Juli 2025 verschwand sie plötzlich. Zhang Yadi nahm keine Anrufe mehr entgegen, schaffte es jedoch, einer Freundin eine kurze Audio-Nachricht zu schicken. Darin klang sie schwach, sagte, sie sei in einem Krankenhaus.
Aus ihrem großen Interesse an tibetischer Kultur hat Zhang Yadi nie einen Hehl gemacht. (Quelle: HRIC/Facebook)
Kurz darauf bestätigten ihre Verwandten, dass sie verhaftet und in ein Gefängnis in ihrer Heimatstadt Changsha gebracht worden sei. Seitdem wird sie laut ihrer Familie in völliger Isolation festgehalten: ohne Zugang zu einem Anwalt, ohne Kontakt zu ihrem Partner oder Freunden. Niemand weiß, wie es Zhang Yadi geht, wie es um ihre Gesundheit steht und unter welchen Bedingungen man sie festhält.
Dass all dies gegen grundlegende internationale Standards verstößt, muss nicht eigens betont werden. ICT fordert daher weiterhin ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.
Das chinesische KP-Regime ist paranoid
Leider ist Zhang Yadis Fall kein Einzelfall. Der französische Journalist und China‑Experte Pierre-Antoine Donnet hält fest: „Mehrere aktuelle Beispiele bestätigen, dass die unerbittliche Verfolgung jeglicher Form von Dissens oder ideologischer Abweichung nach wie vor zu den Prioritäten des Regimes gehört. Dies verdeutlicht eine Paranoia, die ihre Fragilität offenbart, auch wenn sie versucht, auf der internationalen Bühne Allmacht zu demonstrieren.“
Zhang Yadi – eine junge Chinesin, die sich weigert, die Tibeter durch die vom chinesischen KP-Regime auferlegte Brille zu sehen – verkörpert genau diese Angst. Offensichtlich fürchten die chinesischen Machthaber jede Form von freiem und abweichendem Denken. Mit aller Macht versuchen sie, den freien Austausch von Informationen und eine offene Debatte zu verhindern. Sie haben Angst vor der Kraft der Wahrheit.


