Massenverhaftungen
in Tibet nach Protesten
gegen Goldabbau

 

Quelle: Screenshot Tibet TV

ICT ist in großer Sorge um die tibetische Bevölkerung der Ortschaft Kashi (chinesisch: Gayi) im osttibetischen Landkreis Sershul (Shiqu). Nachdem Anfang November viele Tibeter gegen den Goldabbau auf ihrem traditionellen Weideland protestiert hatten, wurden etwa 80 der Demonstranten von den chinesischen Behörden festgenommen.

Wie das in Dharamsala, Indien, ansässige Tibetan Policy Institute (TPI) mitteilte, wurden viele von ihnen während der Verhöre gefoltert, einige sollen noch immer in Haft sein. Nach den Protesten verhängten die Behörden außerdem eine Kommunikationssperre über die Region. Nachfragen internationaler Medien blieben bislang unbeantwortet, jedoch bestritten die chinesischen Behörden nicht, dass es zu solchen Protesten gekommen war.

Am 5. November 2025 entdeckten tibetische Anwohner erstmals Aktivitäten zum Abbau von Gold auf einer traditionellen Weidefläche für ihr Vieh. Diese trägt den tibetischen Namen Serkhok, zu Deutsch „Goldtal”. Die Tibeter benachrichtigten daraufhin sofort die Gemeindebehörden. Die Beamten jedoch bezeichneten die Versuche der Dorfbewohner, die Bergbauaktivitäten zu stoppen, als illegale Einmischung und verwiesen auf das uneingeschränkte Eigentumsrecht der Regierung an dem Land.

„ICT ist in großer Sorge im Hinblick auf das Wohlergehen der tibetischen Bevölkerung von Kashi. Verschleppung und Misshandlung von Demonstranten durch die chinesischen Behörden sind ebenso wenig hinnehmbar, wie die rigorose Überwachung ganzer Gemeinden. Foltervorwürfe müssen untersucht werden und erfordern dringend internationale Aufmerksamkeit“, sagte Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet.

„ICT fordert die unverzügliche Freilassung der mutigen Tibeter, die sich gegen die Bergbauaktivitäten in Serkhok gewehrt haben. Bevor sie fragwürdige Bergbauaktivitäten genehmigen, sollten die chinesischen Behörden den Dialog mit den betroffenen tibetischen Gemeinschaften suchen, anstatt sie zu bedrohen und zu verhaften“, so Müller weiter.

Den verfügbaren Informationen zufolge haben die Behörden am Abend des 6. November 2025 in Kashi Hausdurchsuchungen durchgeführt und etwa 80 Tibeter festgenommen. Laut den Quellen waren die Festgenommenen Schlafentzug und aggressiven Verhören ausgesetzt. Folterungen hätten zu gebrochenen Rippen und Nierenschäden geführt.

Die Inhaftierten seien gezwungen worden, Dokumente zu unterzeichnen, in denen sie sich verpflichteten, keine Informationen weiterzugeben und in Zukunft nicht mehr gegen Bergbauaktivitäten zu protestieren. Laut TPI hätten die Behörden auch Zeugenaussagen gefälscht, in denen behauptet wurde, dass Tibeter chinesische Beamte ohne Grund angegriffen hätten.

Während die meisten von ihnen nach den Verhören freigelassen wurden, befanden sich laut TPI am 16. November noch etwa sieben Tibeter in Haft, deren Aufenthaltsort derzeit nicht bekannt ist. Nach den Protesten der Tibeter verhängten die chinesischen Behörden in Kashi eine Ausgangssperre in Kombination mit einer Kommunikationssperre. Bei Patrouillen und Hausdurchsuchungen nahmen sie Personen fest, die im Verdacht standen, sich gegen den Bergbau zu stellen. Zudem beschlagnahmten sie Mobiltelefone weiterer Personen.

Die Behörden beriefen Versammlungen ein, um die Einwohner davor zu warnen, über den Vorfall zu sprechen, und betonten, dass jede Weitergabe von Informationen „an die Außenwelt“ eine schwere Straftat darstelle.

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