International Campaign for Tibet
 

Tibet-News Januar 2015

Jubiläumsfeier

Der Dalai Lama im Kreise der versammelten Friedensnobelpreisträger. Der Gipfel in Rom gedachte auch des verstorbenen Nelson Mandela. Ein Klick auf das Bild vergrößert die Darstellung. Foto: Jeremy Russell/OHHDL

Am 10. Dezember 2014 waren exakt 25 Jahre vergangen seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dalai Lama. Dieses Jubiläum wurde gleich an zwei Orten feierlich begangen, in der Exilheimat des Dalai Lama Dharamsala ebenso wie in Rom, wo vom 12. bis 14. Dezember der Weltgipfel der Trägerinnen und Träger des Friedensnobelpreises stattfand. Ursprünglich hatte dieser schon zwei Monate früher im südafrikanischen Kapstadt abgehalten werden sollen. Die Verweigerung eines Visums für den Dalai Lama durch die südafrikanische Regierung hatte jedoch eine zeitliche und räumliche Verschiebung notwendig gemacht. Offensichtlich hatte Druck aus Peking hierbei eine entscheidende Rolle gespielt. ICT-Präsident Matteo Mecacci nannte die Visumsverweigerung eine „Untergrabung der Ideale Nelson Mandelas“ und Erzbischof Desmond Tutu sprach von einem „Verrat der Geschichte unseres Kampfes“.

Die anderen Friedensnobelpreisträger zeigten sich solidarisch mit dem Dalai Lama und ließen das Treffen in Kapstadt platzen. Kurzfristig sprang Rom in die Bresche. Und zur Ehrenrettung Südafrikas reiste auch die Bürgermeisterin von Kapstadt, Patricia de Lille, in die italienische Hauptstadt, um den Dalai Lama wenigstens dort begrüßen zu können. Einen guten Eindruck vom Gipfeltreffen der Trägerinnen und Träger des Friedensnobelpreises vermittelt ein Artikel auf der Webseite des Dalai Lama. Dort finden sich auch mehrere schöne Bildergalerien. „Leidtragende“ des Ganzen waren auch die Bewohner von Dharamsala, die das Jubiläum gemeinsam mit dem Dalai Lama hatten feiern wollen. Doch obwohl dieser nun in Rom weilen musste, wurde auch in Dharamsala zwei Tage lang in festlichem Rahmen der Verleihung des Friedensnobelpreises gedacht. Mit dabei war neben Sängern und Tänzern auch politische Prominenz aus Indien. Lesen Sie hier einen Bericht der tibetischen Webseite Phayul.

Doch auch in Rom war Pekings langer Arm zu spüren. So kam es nicht zu dem von vielen erwarteten Zusammentreffen des Dalai Lama mit Papst Franziskus. Offenbar ist der Vatikan um eine Verbesserung der Beziehungen zu China bemüht, deshalb habe der Papst das geistliche Oberhaupt Tibets nicht empfangen wollen, so „diplomatische Kreise“. Der Dalai Lama nahm es gelassen: “Ich glaube, die Leitung des Vatikan will diesmal sagen, dass es ein wenig heikel ist. Ich sage immer, dass man es vermeiden sollte, jemandem Unannehmlichkeiten zu bereiten. Und den Papst bewundere ich natürlich, ich bewundere ihn sehr”, wurde er in den Medien zitiert.

Neue Selbstverbrennungen

Der Mönch Kalsang Yeshe setzte sich am 23. Dezember nahe einer Polizeistation in Tawu in Brand. Es war die 136. Selbstverbrennung in Tibet und China seit Februar 2009. Zum Vergrößern bitte das Bild anklicken. Foto: RFA

Eine traurige Bilanz galt es im vergangenen Dezember zu ziehen. In Tibet war es zu drei neuerlichen Selbstverbrennungen gekommen. Damit stieg die Gesamtzahl seit dem Beginn der Serie im Februar 2009 in Tibet und China auf nunmehr 136. Eine Übersicht können Sie sich auf der Internetseite unserer Kollegen in den USA verschaffen, die die Selbstanzündungen dokumentieren. Aufgrund der scharfen Überwachung der Kommunikationswege durch die chinesischen Behörden ist der Informationsfluss aus Tibet stark eingeschränkt. Verlässliche Berichte sind daher oft nur mit einiger zeitlicher Verzögerung zu erlangen, auch bleiben Einzelheiten des Ablaufs häufig lange im Dunkeln. So ist es auch im Fall von Sangye Khar, der sich am 16. Dezember in Amchok im nordosttibetischen Landkreis Sangchu selbst in Brand setzte. Derzeit lässt sich nicht mit hinreichender Sicherheit sagen, ob er seine Selbstanzündung überlebt hat.

Nur sechs Tage später setzte sich die 19-jährige Tseypey im osttibetischen Ngaba in Brand und erlag noch am Ort ihren schweren Verletzungen. Ungefähr ein Drittel aller Selbstverbrennungen seit 2009 haben sich in der gleichnamigen Präfektur ereignet, die verwaltungsmäßig der Provinz Sichuan zugeschlagen worden war. Ebenfalls gestorben ist der etwa 30-jährige Mönch Kalsang Yeshe (s. Foto), der sich am 23. Dezember nahe einer Polizeistation im osttibetischen Tawu selbst anzündete. Die Wache war erst vor kurzem eigens zur besseren Kontrolle seines Klosters Nyitso errichtet worden.

Erst mit Verzögerung wurde bekannt, dass Sungdue Kyab Ende Oktober - fast zwei Jahre nach seiner Selbstverbrennung im Jahr 2012 - von den chinesischen Behörden mit amputierten Beinen zu seiner Familie zurückgebracht wurde. Es ist unklar, ob diese drastische Operation medizinisch zwingend notwendig war. Unter Tibetern kursieren Vorwürfe, die chinesischen Behörden setzten bei Überlebenden von Selbstanzündungen Amputationen als Form der Bestrafung ein. Im Raum steht auch der Verdacht, dass eine bewusst schlechte medizinische Versorgung letztlich dazu geführt haben könnte, dass Sungdue Kyab seine Beine abgenommen werden mussten. Genährt werden diese Vermutungen durch einen völligen Mangel an Transparenz. So wurde Sungdue Kyabs Familie während der gesamten Zeit kein Zugang zu ihm gewährt. Selbst über seinen Aufenthaltsort bestand Unklarheit. Weitere Einzelheiten liefert ein englischsprachiger ICT-Bericht.

Tibet-Journalismus

Den "Schneelöwen 2014" gewannen Thomas Weidenbach (2.v.r.) und Shi Ming (re.) für ihren Dokumentarfilm "Kampf um Tibet. Links Hauptredner Chang Ping, daneben ICT-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Jan Andersson. Zum Vergrößern Bild bitte anklicken. Foto: Michael Rahn Photography

Sie sind journalistisch tätig und arbeiten zu Tibet? Oder Sie kennen Menschen, auf die dies zutrifft? Dann sollten Sie die folgenden Zeilen mit großer Aufmerksamkeit lesen. Zum bereits fünften Mal wird der Journalistenpreis „Schneelöwe“ der International Campaign for Tibet ausgeschrieben. Bis zum 31. Mai 2015 können herausragende journalistische Beiträge mit thematischem Bezug zu Tibet eingereicht werden. Mit dem Preis möchte die ICT eine qualifizierte Berichterstattung fördern, die dazu beiträgt, ein besseres Verständnis für die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen in China und/oder Tibet zu entwickeln. Erwünscht sind insbesondere Einsendungen, die sich mit der politischen Situation in der Volksrepublik China und ihren Nationalitäten befassen. Besonders berücksichtigt werden Einsendungen, die einen Bezug zu Tibet herstellen.

Die Einreichungen dürfen aus allen Feldern journalistischen Schaffens stammen, ganz gleich ob aus Print oder Online, aus Radio oder Fernsehen. Wichtig: Die Beiträge müssen im Jahr 2014 in deutschsprachigen Medien veröffentlicht worden sein. Alle weiteren Einzelheiten finden Sie hier.

Die Jury des „Schneelöwe-Journalistenpreises 2015“ kann diesen in folgender Form vergeben:

  • Ein Erster Preis, dotiert mit 2.000 €.

  • Ein Zweiter Preis, dotiert mit 1.000 €.

Außerdem ist ein Recherchestipendium für freie Journalisten in Höhe von 2.000 € zu vergeben. Einzelheiten dazu finden Sie hier.

Der unabhängigen Jury, die über die Vergabe der „Schneelöwen“ entscheidet, gehören an: die langjährige China-Korrespondentin der ARD Eva Corell, der Schauspieler und Dokumentarfilmer Hannes Jaenicke sowie der Autor und langjährige China-Korrespondent des SPIEGEL Andreas Lorenz.

Bewerbungen für die „Schneelöwen“ und das Recherchestipendium können bis 31. Mai 2015 in der Geschäftsstelle in Berlin eingereicht werden. Alles Nähere finden Sie auf der ICT-Internetseite.

Pekings wachsender Einfluss

Großer Empfang in Belgrad. Chinas Ministerpräsident Li Keqiang und Serbiens Präsident Aleksandar Vučić. Zum Vergrößern das Bild bitte anklicken. (Foto:china-ceec.org).

Von der Öffentlichkeit hierzulande wenig beachtet fand vom 15. bis 17. Dezember in Belgrad ein Gipfeltreffen der Regierungschefs von China und einer Reihe mittel-und osteuropäischer Staaten statt, das Anlass zu Besorgnis gibt, da es doch die einheitliche Linie der EU-Staaten gegenüber China gefährdet. Das Treffen wird international auch als China-CEEC-Gipfel bezeichnet, neben der Volksrepublik nehmen daran 16 weitere Länder, darunter elf EU-Mitglieder, teil. Seit langem schon weist die International Campaign for Tibet auf die Notwendigkeit einer klaren Position der EU in Bezug auf China insbesondere auf den Feldern Menschenrechte und Demokratie hin. Es ist zu befürchten, dass China die Kooperation mit den Staaten Mittel- und Osteuropas im Sinne des Prinzips von „Teile und herrsche“ nutzen könnte, um genau dies zu verhindern.

Auffällig ist, dass das Thema Menschenrechte auf der Tagesordnung des China-CEEC-Gipfels nicht vorgesehen ist. Insbesondere die teilnehmenden EU-Mitgliedsstaaten sollten aus Sicht der ICT jedoch darauf bestehen, dass Menschenrechte und grundlegende Freiheiten in die Gespräche mit China aufgenommen werden. Dies gilt insbesondere für Themen wie Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit sowie die Diskriminierung der Tibeter.

An der Zusammenarbeit mit China nehmen teil die EU-Mitgliedsstaaten Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik und Ungarn sowie die Nicht-EU-Mitglieder Albanien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Montenegro und Serbien. Im Rahmen der Kooperation sind jährliche Gipfeltreffen vorgesehen. Als Ziele wurden festgelegt Investitionsförderung, Zusammenarbeit in Wirtschaft und Handel, Ausweitung der finanziellen Zusammenarbeit, Verbesserung der Kommunikationsverbindungen, Ausweitung der Zusammenarbeit auf den Gebieten Wissenschaft, Technologie, Innovation, Umweltschutz und Energie, die Förderung von direkten Begegnungen der Bevölkerung, Kulturaustausch und kultureller Zusammenarbeit sowie die Ermutigung zur Zusammenarbeit auf der Ebene der Gebietskörperschaften. Die Kooperation Chinas und der mittel- und osteuropäischen Länder begann vor drei Jahren in Budapest und wurde fortgesetzt und vertieft auf den folgenden Gipfeltreffen in Warschau (April 2012) und Bukarest (November 2013). Das Treffen in Belgrad ist der dritte Gipfel im Rahmen dieser Zusammenarbeit.

Suchmaschine hilft Tibet

Zweimal mit benefind gesucht ergibt einen Cent für die Arbeit der International Campaign for Tibet. Wichtig: ICT muss als begünstigte Organisation ausgewählt sein. Ein Klick auf das Symbol bringt Sie auf die Startseite.

Wie viel Geld der ICT durch die Internetsuche mit benefind im abgelaufenen Jahr ganz genau zugehen wird, lässt jetzt noch nicht sagen. Doch voraussichtlich werden durch Onlinerecherchen von ICT-Unterstützern erneut ganz elegant und nebenbei Spenden von mindestens 420 € für unsere Arbeit zusammengekommen sein. Herzlichen Dank all denjenigen, die dazu beigetragen haben! Und falls Sie noch nicht dazugehören sollten, vielleicht wollen Sie es im Jahr 2015 ja mal ausprobieren.

Wie das funktioniert? Nun, vermutlich benutzen auch Sie für Ihre Internetrecherche eine Suchmaschine. Sie tippen einen Suchbegriff ein und wenn alles gut geht, haben Sie binnen kurzem das gewünschte Ergebnis erhalten. Seit einigen Jahren bereits existiert eine Suchmaschine, mit der man nicht nur genau dies ebenfalls tun kann, zusätzlich bietet sie die Möglichkeit die Arbeit von Organisationen wie der ICT zu unterstützen. Ihr Name ist benefind und technisch basiert sie auf Microsofts Suchdienst bing. benefind wirbt mit dem Slogan „Sie suchen, wir spenden“ und tatsächlich kamen in den vergangenen zwei Jahren auf diese Weise schon mehr als 1.000 Euro für unsere Arbeit zusammen.

Pro Suchvorgang im Internet mit benefind steht ICT ein halber Cent aus den Werbeerlösen der Seite zu. Suchen Sie also zum Beispiel mit benefind zwei Mal pro Tag im Internet nach Nachrichten, Bildern oder Webseiten und haben dabei Ihre Einstellungen so gewählt, dass ICT als Hilfsorganisation ausgewählt wurde, kommen jeden Monat schon 30 Cent unserer Arbeit zugute. Am besten, Sie richten daher in Ihrem Internetbrowser benefind als Startseite ein. Dann werden Sie bei jedem Gang ins Internet auf diese einfache und doch nutzbringende Art des Spendens hingewiesen. Wichtig dabei: Nicht vergessen, ICT als begünstigte Hilfsorganisation einzustellen, am besten gleich mit diesem Link. Wenn alles geklappt hat, sehen Sie nun das ICT-Logo rechts unten auf Ihrem Computerbildschirm. Vielen Dank dafür! Und wenn Sie diese Information auch in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis streuen, dürfte der Effekt noch um Einiges gesteigert werden.

Folteropfer Trigyal

Informationen

Möchten Sie weitere Informationen über ICT erhalten?

Gerne! Bitte kontaktieren Sie uns:

International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
Schönhauser Allee 163
10435 Berlin/Germany

Telefon: +49 (0)30 27879086
Fax:       +49 (0)30 27879087
E-Mail:   info(at)savetibet.de

Netzwerk


Werde Teil der Community!