International Campaign for Tibet
 

Tibet: „Zerstörung, Kommerzialisierung, gefälschte Nachbildungen“ / ICT-Bericht über die Welterbestätten in Lhasa zum Treffen des UNESCO-Welterbekomitees

Berlin, 25. Juni 2018. Ein neuer Bericht der International Campaign for Tibet (ICT) belegt, wie Chinas Missachtung seiner Verpflichtungen nach der Welterbekonvention der UNESCO Lhasas verbliebenes, einzigartiges Kulturerbe gefährdet. Das UNESCO-Welterbekomitee tagt vom 24. Juni bis 4. Juli in Bahrain und wird dort über einen Beschlussentwurf abstimmen, der von China Informationen über die Welterbestätten in Tibets historischer und kultureller Hauptstadt einfordert.

Der Bericht der International Campaign for Tibet beschreibt unter dem Titel „Destruction, commercialization, fake replicas” das Folgende:

  • Seit der Anerkennung des Potala Palasts sowie weiterer Gebäude als UNESCO-Weltkulturerbe wurden in Lhasa Dutzende historische Gebäude zerstört und durch neue Gebäude ersetzt, die im Gewand gefälschter, „tibetisch“ anmutender Architektur daherkommen. Offizielle chinesische Planungsunterlagen, über die die International Campaign for Tibet verfügt, zeigen, dass dieses Schicksal im Rahmen einer ungebremsten Bautätigkeit auch für circa 50 weitere, derzeit noch intakte historische Gebäude vorgesehen ist.
  • Vier Monate nach einem Großbrand im Jokhang Tempel im Herzen der Altstadt – einst das Zentrum des tibetischen Buddhismus und von herausragender Bedeutung für die tibetische Kultur – verwehrt die chinesische Regierung noch immer den Zugang zu dem Gebäude und blockiert Informationen über das Ausmaß der Brandschäden. Es besteht der Verdacht, dass diese durch ungeeignete Reparaturmaßnahmen vertuscht und zugleich vergrößert werden könnten. Weder ausländischen Journalisten noch unabhängigen Experten wurde der Zugang zum Jokhang gestattet, obwohl die chinesischen Behörden einen Monat nach dem Brand gegenüber der UNESCO erhebliche Schäden am Tempel eingestanden.
  • Offizielle Planungsunterlagen zeigen, dass sich die Stadtentwicklung Lhasa vor allem an den Interessen des Sicherheitsstaats und den ideologischen Zielen der Kommunistischen Partei ausrichtet – die Erhaltung der Welterbestätten findet darin kaum je Erwähnung. Eine akute Gefahr für die Welterbestätten in Lhasa geht auch von dem dramatischen Anstieg des chinesischen Inlandstourismus und dem damit verbundenen massiven Ausbau der Infrastruktur aus.
  • Der historische Rundweg Lingkor, auf dem tibetische Pilger die heiligen Stätten Lhasas zu umrunden pflegten, ist durch den Bau neuer, häufig unpassierbarer Straßen und chinesischer Gebäude unterbrochen worden.

Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet in Deutschland sagte dazu: „Die UNESCO muss auf der Einhaltung der Welterbekonvention bestehen und ernsthafte Schritte zum Schutz von Lhasa verbliebenem kulturellem Erbe unternehmen. Insbesondere muss sie die Stadtplanung einer Regierung hinterfragen, die bereits so viele historische Gebäude hat zerstören lassen. Die UNESCO sollte verlangen, dass die chinesische Regierung konkrete und detaillierte Pläne für den Schutz der Welterbestätten nach besten denkmalpflegerischen Grundsätzen vorlegt”, so Müller weiter.

Zudem sollten das Welterbekomitee und die UNESCO-Mitgliedsstaaten sicherstellen, dass der Zustand des Jokhang-Tempels samt aller darin befindlichen Statuen und Wandgemälde unabhängig untersucht werden kann, und dafür sorgen, dass die Reparaturarbeiten nach dem Brand unter der Aufsicht anerkannter Experten erfolgen, so der ICT-Geschäftsführer.

Pressekontakt:

Kai Müller
Geschäftsführer
Tel.: +49 (0) 30 27879086
E-Mail: presse(at)savetibet.de
Twitter: @savetibet

International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
Schönhauser Allee 163
D-10435 Berlin
www.savetibet.de

Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

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