Berlin, 21. August 2025. Unter massiv verschärften Sicherheitsvorkehrungen und zunehmender Repression ist Chinas Staatschef Xi Jinping am 20. August in Lhasa, der Hauptstadt Tibets, eingetroffen. Anlass seines Besuchs ist die Feier zum 60. Jahrestag der Errichtung der sogenannten „Autonomen Region Tibet“ (TAR) durch die chinesische Regierung. Die International Campaign for Tibet (ICT) zeigt sich alarmiert über die zusätzlichen repressiven Maßnahmen gegenüber Tibetern. Die Geheimhaltung des Besuchs belege zudem, dass Peking sich seiner Herrschaft in Tibet nicht sicher sei, so ICT.
„Die Ironie von Besuch und Feierlichkeiten liegt darin, dass sie unter Geheimhaltung und strengen Kontrollen stattfinden müssen. Xi Jinping ist im besetzten Tibet, um Stärke, Stabilität und Legitimität zu inszenieren – die Umstände seines Aufenthaltes in Tibet belegen aber das Gegenteil. Das können weder Propaganda und absurd inszenierte Feierlichkeiten, die die Verbrechen der Kommunistischen Partei in Tibet verschweigen, überdecken“, sagte Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet in Deutschland.
Obwohl staatliche chinesische Medien von einer „herzlichen Begrüßung“ durch die tibetische Bevölkerung berichten, wurde der Termin der Feierlichkeiten erst am Vorabend des 20. August um 20 Uhr Ortszeit bekannt gegeben – lediglich zwölf Stunden vor Beginn der Zeremonie. Diese kurzfristige Bekanntgabe und die strengen Sicherheitsmaßnahmen, darunter die Sperrung zentraler Pilgerstätten wie dem Potala-Palast und dem Jokhang-Tempel sowie Hausarrest für ehemalige politische Gefangene, verdeutlichen die angespannte Lage in Lhasa.
Xi Jinpings Besuch ist der erste eines amtierenden Vorsitzenden der Zentralen Militärkommission und Generalsekretärs der KPCh zu einem Gründungsjubiläum einer sogenannten autonomen Region. Begleitet wurde er von hochrangigen Funktionären wie Wang Huning, Vorsitzender der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes, und Cai Qi, Direktor des Generalbüros des Zentralkomitees der KPCh.
Die Errichtung der TAR im Jahr 1965 folgte auf die Invasion und völkerrechtswidrige Besetzung Tibets durch die Volksrepublik China. Die damals versprochenen Rechte – regionale Autonomie, Religionsfreiheit, Förderung der tibetischen Sprache – wurden von der Kommunistischen Partei Chinas systematisch verletzt. Bis heute wurde kein Tibeter zum höchsten politischen Amt der Region, dem Parteisekretär, ernannt. Stattdessen regierten chinesische Funktionäre, darunter bekannte Menschenrechtsverletzer wie Chen Quanguo und korrupte Kader wie Wu Yingjie.
Schon vor Schaffung der „Autonomen Region“ wurden andere Teile Tibets – und damit auch deren Bewohner – zum großen Teil als sogenannte „Tibetisch Autonome“ Landkreise und Präfekturen den chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan zugeschlagen. Die neuen Verwaltungsgliederungen entsprechen in keiner Weise der traditionellen tibetischen Benennung der unterschiedlichen Teile Tibets. Die Tibeter selbst unterteilen ihr Heimatland in die drei Großregionen Ü-Tsang (West- und Zentral-Tibet), Amdo (Nordost-Tibet) und Kham (Südost-Tibet). Die neuen chinesischen Grenzziehungen erfolgten völlig willkürlich. Dabei umfasst die „Autonome Region Tibet“ flächenmäßig nur etwa das halbe Tibet. Mit ihrer Errichtung war die Aufspaltung Tibets zementiert.
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Kai Müller
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
