Berlin, 02.09.2026. Die International Campaign for Tibet (ICT) kritisiert die rigorose Kontrolle von Informationen durch die chinesischen Behörden in Tibet infolge der verheerenden Sturzflut vom 26. August. So werden Posts und Videos in den Sozialen Medien Chinas von den Behörden gelöscht und Verfasser solcher Beiträge verfolgt. Laut chinesischen Staatsmedien wurden im Rahmen der Kampagne „Sauberes Netz 2026” zwölf Personen wegen der „Verbreitung von Gerüchten” belangt, weil sie in den Sozialen Medien über die Zahl der Todesopfer und das Ausmaß der Verwüstungen in Tibet geschrieben haben. Welche Sanktionen gegen diese Personen verhängt wurden und ob es noch weitere Fälle gab, wird in dem Bericht, der von „zwölf typischen Fällen” spricht, nicht genannt.
Gleichzeitig geben Berichte Anlass zur Sorge, denen zufolge private Hilfsmaßnahmen von Tibetern unterbunden werden, mutmaßlich um Solidaritätsbekundungen unter Tibetern abseits staatlicher Kontrolle zuvorzukommen. Dieses Vorgehen ist nicht neu und war bereits bei dem schweren Erdbeben in Südtibet im Januar 2025 zu beobachten. Tibeter, die seinerzeit Bilder oder Videos der Erdbebenfolgen veröffentlichten, wurden inhaftiert, ihre Mobiltelefone beschlagnahmt und Online-Inhalte gelöscht. Damals verhinderten chinesische Sicherheitskräfte auch den Zugang von tibetischen Helfern und verwehrten selbst Mönchen und Nonnen den Zugang, die für die Opfer beten wollten.
ICT-Geschäftsführer Kai Müller sagte dazu: „Repressionen wegen angeblicher Verbreitung von Gerüchten oder Falschinformationen sind absolut inakzeptabel. Aus der Reaktion der chinesischen Behörden spricht offensichtlich auch die Sorge, die Kontrolle über den Informationsfluss aus Tibet zu verlieren. Und darüber hinaus, dass sich Tibeter untereinander solidarisieren könnten. Besonders heikel dürfte die Katastrophe für Peking auch vor dem Hintergrund sein, dass Tibet Schauplatz massiver und hochriskanter Staudammprojekte der Regierung ist.“
China treibt seit Jahren den Ausbau ihrer Wasserkraftkapazitäten voran – insbesondere in Tibet, wo einige der größten Flüsse Asiens entspringen. Der Bau eines Mega-Staudamms am Yarlung Tsangpo-Fluss im Südosten Tibets markiert einen neuen Höhepunkt dieser Entwicklung. Mit einer geplanten Kapazität von rund 70 Gigawatt soll dieser Staudamm mehr als die Gesamtkapazität Polens erzeugen. Die Dimensionen dieses Projekts sind ökologisch höchst bedenklich. Tibet gehört zu den artenreichsten Regionen und ist zugleich durch seine Höhenlage besonders anfällig für klimatische Veränderungen. Der Bau von Mega-Staudämmen in erdbebengefährdeten Gebieten etwa um den um den Yarlung Tsangpo erhöht die Gefahr von Naturkatastrophen und langfristigen Umweltschäden.
Die International Campaign for Tibet warnt in ihrem Bericht „Chinese Hydropower: Damning Tibet’s Culture, Community, and Environment“ eindringlich vor den Folgen dieser Politik. Seit dem Jahr 2000 wurden über 193 Staudämme in Tibet gebaut oder befinden sich im Bau, viele davon in ökologisch sensiblen und kulturell bedeutenden Regionen. Der Bau des Khamtok-Damms in Derge in Zentraltibet etwa führte zur Vertreibung Tausender Tibeter und zur Zerstörung jahrhundertealter Klöster. ICT fordert daher einen sofortigen Baustopp aller Großprojekte und eine politische Lösung, die sich zentral am Recht der Tibeter auf Selbstbestimmung orientiert. Das bedeutet, dass die Tibeter auch über ihre natürlichen Ressourcen selbst bestimmen können.
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
