Berlin/Genf, 29.09.2026. Kinderrechte, das Verschwindenlassen und willkürliche Inhaftierungen von Tibetern – Vertreter der International Campaign for Tibet (ICT) haben im Rahmen der aktuellen Sitzung des UN-Menschenrechtsrates auf die prekäre Menschenrechtslage in Tibet hingewiesen. Volker Türk, UN-Hochkommissar für Menschenrechte, erneuerte unterdessen seine Kritik an der Politik Pekings in Tibet und forderte eine “Kehrtwende” angesichts “zunehmender Einschränkungen der Rechte des tibetischen Volkes”, so Türk. Gleichzeitig äußerte sich eine Reihe von Staaten, darunter die Europäische Union, Deutschland, Großbritannien und weitere, mit Sorge über die Menschenrechtslage in Tibet.
Aus Anlass der bevorstehenden Überprüfung Chinas im UN-Kinderrechtsausschuss, nahm ICT an einem Side-Event der Helsinki Foundation for Human Rights (HFHR) zur Menschenrechtslage tibetischer Kinder teil. Weiterhin wiesen ICT-Vertreter im Namen der Helsinki Foundation for Human Rights in drei Video-Statements auf Menschenrechtsverletzungen an Tibetern hin.
ICT-Präsidentin Tencho Gyatso äußerte in einem Video-Statement am 22. September ihre tiefe Besorgnis über das am 1. Juli 2026 in Kraft getretene chinesische „Gesetz über ethnische Einheit“. Gleichzeitig begrüßte Gyatso ausdrücklich den von UN-Hochkommissar Volker Türk schon im Juni im Menschenrechtsrat abgegebenen Appell an die chinesische Regierung zur Abschaffung des Gesetzes. Der Appell des Hochkommissars spiegele das Fehlen grundlegender Rechte wider, auf die das tibetische Volk einen Anspruch habe, erklärte Gyatso.
Side-Event dokumentiert systematische Verstöße gegen Kinderrechtskonvention
Bei einem Side-Event am 24. September 2026 dokumentierten ICT und weitere Experten systematische Verstöße gegen die Rechte tibetischer Kinder. Die von der HFHR ausgerichtete Veranstaltung brachte verschiedene Rednerinnen und Redner zusammen, darunter Thinlay Chukki, Vertreterin des Dalai Lama in Genf, Lhadon Tethong sowie Dr. Gyalo vom Tibet Action Institute (TAI), und Kai Müller von ICT. Für die HFHR moderierte Vincent Metten die Diskussion.
Kai Müller wies bei seiner Präsentation auf neue Gesetze – wie etwa das Gesetz über „Ethnische Einheit“ – hin, die aus Sicht von ICT Verstöße der chinesischen Behörden gegen Kinderrechte in Tibet vertiefen, darunter die Indoktrination und Militarisierung tibetischer Kinder und systematische Verbote freier Religionsausübung. Müller erläuterte die Ergebnisse des von ICT dem UN-Kinderrechtsausschuss vorgelegten Schattenberichts über die Lage der Kinderrechte in Tibet.
An der Veranstaltung nahmen rund 20 Vertreter von UN-Mitgliedstaaten sowie Vertreter zahlreicher Nichtregierungsorganisationen und zivilgesellschaftlicher Gruppen teil.
Video-Statements thematisieren Verschwindenlassen und willkürliche Inhaftierung
ICT-Geschäftsführer Kai Müller gab am 15. September 2026 im Namen der Helsinki Foundation for Human Rights ein Video-Statement vor dem UN-Menschenrechtsrat ab. Darin kritisierte er unter anderem die Verhaftung des tibetisch-buddhistischen Lehrers Choktrul Dorje Ten Rinpoche durch die chinesischen Behörden am 4. Dezember 2025.
Der aktuelle Bericht der UN-Arbeitsgruppe für erzwungenes Verschwindenlassen verdeutlicht das Ausmaß eines wiederkehrenden Musters, wonach Tibeter immer wieder in Gewahrsam verschwinden und nicht mehr lebend zurückkehren. Ein aktueller Bericht dokumentiert, dass allein 16 Tibeter zwischen 2014 und 2026 in Haft oder kurz nach ihrer Freilassung starben.
In seinem Video-Statement im Namen der Helsinki Foundation for Human Rights am 16. September 2026 vor dem UN-Menschenrechtsrat verurteilte Vincent Metten die immer wieder auftretenden willkürlichen Inhaftierungen von Tibetern durch chinesische Behörden. Tibeter, die sich friedlich für die tibetische Sprache, Kultur, Religion und Umwelt einsetzten, würden dabei häufig unter vollständiger Isolation festgehalten.
Metten forderte die chinesische Regierung in seinem Statement auf, die willkürlich Inhaftierten unverzüglich freizulassen, das Schicksal und den Verbleib verschwundener Tibeter offenzulegen, den Zugang zu Rechtsbeiständen und Familien zu gewährleisten sowie alle Vorwürfe von Folter und Misshandlung zu untersuchen.
In einem Statement vor dem UN-Menschenrechtsrates verwies schließlich Phuntsok Topgyal vom Tibet-Büro in Genf im Namen der Gesellschaft für bedrohte Völker unter anderem auf den Fall von Lobga Rangzen, der am 2. Juli 2026 starb, nachdem er sich vor dem UN-Hauptquartier in New York selbst verbrannt hatte, einen Tag nachdem Chinas neues „Gesetz über ethnische Einheit“ in Kraft getreten war.
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
