Berlin, 27.August 2026. Die International Campaign for Tibet (ICT) ist tief betroffen angesichts der Berichte über die verheerende Sturzflut im südtibetischen Landkreis Kyirong (chinesisch: Gyirong) sowie den nepalesischen Distrikten Rasuwa und Nuwakot. Auch der Dalai Lama hat sich in einer Kondolenzbotschaft zu der Katastrophe geäußert.
Im Interesse der Menschen vor Ort gelte es nun, genau hinzuschauen. ICT verlangt von den chinesischen Behörden ein Höchstmaß an Transparenz und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe. Anders als dies etwa bei dem schweren Erdbeben in Südtibet im Januar 2025 der Fall war.
Derzeit steigt die Zahl der von den nepalesischen Behörden bestätigten Todesopfer stetig weiter, aktuell wird sie mit mehr als 150 angegeben. Auf der tibetischen Seite gehen die chinesischen Behörden von momentan drei Todesopfern aus. Insgesamt gelten 1.500 Menschen als vermisst. Als wahrscheinliche Ursache der Sturzflut gilt der Abbruch eines riesigen Gletscherstücks.
ICT-Geschäftsführer Kai Müller sagte dazu: „Unser Mitgefühl und unsere Gedanken sind bei den Betroffenen auf beiden Seiten der Grenze: Den Familien, die Angehörige verloren haben, den vielen Vermissten und Verletzten sowie allen Menschen, die mit dieser sich ausbreitenden Katastrophe konfrontiert sind.“
ICT hofft auf die rasche und sichere Rettung all jener, die noch vermisst sind. Besondere Anerkennung verdienen die mutigen Einsatzkräfte und lokalen Helfer, die unter extrem schwierigen Umständen Such- und Rettungsmaßnahmen durchführen.
Der ICT-Geschäftsführer betonte jedoch: „Während Nepal zeitnah Informationen bereitstellt und Möglichkeiten für internationale humanitäre Hilfe eröffnet, hoffen wir, dass die Katastrophenhilfe auch in Tibet von zeitnahen und transparenten Informationen sowie einem ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe begleitet wird.“
In seiner Kondolenzbotschaft sagte der Dalai Lama, er bete für alle, die ihr Leben verloren haben, und spreche den Hinterbliebenen sowie allen Betroffenen sein aufrichtiges Mitgefühl und seine herzliche Anteilnahme aus.
Zugleich betrachtet das geistliche Oberhaupt der Tibeter das Unglück auch als „Anzeichen einer tieferliegenden Ursache – sei es der Klimawandel oder andere Faktoren“. Der Dalai Lama bringt seine Hoffnung zum Ausdruck, dass „geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden, wo immer dies möglich ist, um dazu beizutragen, dass sich solche Katastrophen nicht wiederholen“.
Nach Einschätzung von ICT wirft die Sturzflut im Grenzgebiet von Tibet und Nepal einige grundsätzliche Fragen auf. Insbesondere stellen sich diese im Hinblick auf Chinas Bau von Megastaudämmen wie auch weiterer Infrastruktur in einer derart fragilen Hochgebirgslandschaft.
So ist es gerade einmal ein Jahr her, dass im Grenzgebiet von Tibet und Nepal eine Sturzflut die sogenannte „Freundschaftsbrücke“, die wichtigste Straßenverbindung zwischen den beiden Ländern, zerstörte. Ursache der Katastrophe, die ebenfalls Todesopfer forderte und schwere Schäden verursachte, war damals der Ausbruch eines in Tibet gelegenen Gletschersees. Experten erkennen in der Zunahme der Gletscherseen im Himalaja einen Zusammenhang mit dem rapide voranschreitenden Klimawandel.
Nicht unterschätzen darf man auch die anhaltend hohe Gefahr von Erdbeben in der seismisch aktiven Himalajaregion. So sagte etwa der renommierte Geomorphologe Prof. Dr. Wolfgang Schwanghart im Gespräch mit ICT: „Staudämme sind bei Erdbeben stets gefährdet.“
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
