Berlin, 5. August 2026. Ein tibetischer Mönch ist nach Misshandlungen durch chinesische Behörden weiterhin in kritischem Zustand. Dies teilten Quellen der International Campaign for Tibet (ICT) mit. Der Mönch Gonpo Tsering war vor zwei Jahren im Zusammenhang mit Protesten gegen ein chinesisches Wasserkraftprojekt im osttibetischen Landkreis Derge verhaftet worden.
Gonpo Tserings Fall spiegelt ein weit verbreitetes Muster von Folter und Misshandlung von Tibetern in chinesischer Haft wider. Wie der aktuelle ICT-Bericht „Justice Denied: The Patterns of Deaths In and After Custody in Tibet“ dokumentiert, sind Folter, die Verweigerung medizinischer Versorgung und das Fehlen jeglicher Rechenschaftspflicht systemische Merkmale des chinesischen Haftsystems in Tibet. Häufig werden Inhaftierte erst freigelassen, wenn sich ihr Gesundheitszustand so weit verschlechtert hat, dass keine Heilung mehr möglich ist.
Nachdem er während seiner Haft von chinesischen Behörden gefoltert wurde, befindet sich der Mönch des Klosters Yena weiterhin in kritischem Zustand in einem Krankenhaus in Chengdu, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan.
Der 46-jährige Gonpo Tsering ist einer der Verwalter des Klosters Yena im osttibetischen Landkreis Derge (chinesisch: Dege). Er wurde festgenommen, nachdem die chinesischen Behörden ihn beschuldigt hatten, im Februar 2024 die Proteste gegen den von China geplanten Bau des Kamtok-Wasserkraftwerks (Gangtuo) mit angeführt zu haben. Bevölkerung wie Mönche lehnten das Projekt gleichermaßen ab, da es die Zerstörung jahrhundertealter Klöster wie Yena und Wonto sowie die Überflutung mehrerer Dörfer und heiliger Stätten zur Folge gehabt hätte.
Während seiner Haft unterzogen die chinesischen Behörden Gonpo Tsering schweren körperlichen Misshandlungen und Folter. In der Folge musste er ins West China (Huaxi) Hospital in Chengdu eingeliefert werden, wo er sich laut Angaben von Quellen seit zwei Jahren in kritischem Zustand befindet.
Demnach sei Gonpo Tsering derzeit bettlägerig, er könne weder stehen noch sprechen und werde über Sonden ernährt. Er reagiere nicht auf Familienangehörige und sei nicht in der Lage, Menschen in seiner Umgebung zu erkennen. Sein Vater, Lobsang Dorjee, der durch die Inhaftierung und den Zustand seines Sohnes zutiefst erschüttert war, verstarb am 21. September 2025.
Trotz der Schwere seiner Verletzungen habe die chinesische Regierung keine finanzielle Unterstützung für seine medizinische Versorgung geleistet, so die Quellen. Stattdessen würden die Behörden im Krankenhaus eine strenge und ständige Überwachung aufrechterhalten, Besuche einschränken und die Pflegekräfte überwachen. Das Aufnehmen oder Teilen von Fotos oder Videos sei verboten, wie die Quellen ICT mitteilten.
Gonpo Tserings Zustand bestätigt zentrale Erkenntnisse aus dem ICT-Bericht „Justice Denied“: So kann eine Inhaftierung in Tibet an sich schon lebensbedrohlich sein. Misshandlung und Folter von Tibetern in Gewahrsam durch die chinesischen Behörden gehen weit über ihre Haft hinaus. Den Familien werden häufig Informationen über den Zustand ihrer inhaftierten Angehörigen vorenthalten, unabhängige Untersuchungen finden nicht statt. Diejenigen, die nach Antworten suchen, sehen sich Einschüchterungen und Überwachung ausgesetzt. Gonpo Tserings Fall verdeutlicht zudem die anhaltende Straffreiheit derjenigen, die für Folter und andere Formen des Missbrauchs in Haft verantwortlich sind.
„Der Fall von Gonpo Tsering ist kein Einzelfall. Er ist ein Beweis für ein systemisches Muster willkürlicher Inhaftierungen, Folter, Verschleppungen und Straflosigkeit in Tibet, das eine koordinierte internationale Reaktion erfordert“, sagte Tencho Gyatso, Präsidentin der International Campaign for Tibet. „ICT fordert die Regierungen nachdrücklich auf, über bloße Bekundungen der Besorgnis hinauszugehen und China dazu zu drängen, alle Tibeter freizulassen, die willkürlich wegen der Ausübung ihrer Grundrechte inhaftiert wurden. Außerdem muss Peking Rechenschaft über die Verschwundenen ablegen, Foltervorwürfe untersuchen und unabhängigen UN-Experten einen sinnvollen Zugang zu Tibet gewähren“, fügte sie hinzu.
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
