Berlin, 7. August 2025. Mit Blick auf den bevorstehenden 60. Jahrestag der Errichtung der sogenannten „Autonomen Region Tibet“ (TAR) am 9. September 2025 und die bereits anschwellende Propaganda der Kommunistischen Partei Chinas kritisiert die International Campaign for Tibet (ICT) die Aufspaltung Tibets und die anhaltende Unterdrückung und Missachtung grundlegender Rechte der tibetischen Bevölkerung durch die chinesische Regierung.
„Für unsere Brüder und Schwestern in Tibet waren die letzten sechzig Jahre eine Abfolge von Katastrophen“, erklärt Tencho Gyatso, Präsidentin der ICT. „Statt Tibetern eine inszenierte Dankbarkeit abzuverlangen, muss China endlich die Interessen des tibetischen Volkes über seine Machtansprüche stellen.“
Die Schaffung der TAR im Jahr 1965 folgte auf die Invasion und völkerrechtswidrige Besetzung Tibets durch die Volksrepublik China. Die damals versprochenen Rechte – regionale Autonomie, Religionsfreiheit, Förderung der tibetischen Sprache – wurden von der Kommunistischen Partei Chinas systematisch verletzt. Bis heute wurde kein Tibeter zum höchsten politischen Amt der Region, dem Parteisekretär, ernannt. Stattdessen regierten chinesische Funktionäre, darunter bekannte Menschenrechtsverletzer wie Chen Quanguo und korrupte Kader wie Wu Yingjie.
Schon vor Schaffung der „Autonomen Region“ wurden andere Teile Tibets – und damit auch deren Bewohner – zum großen Teil als sogenannte „Tibetisch Autonome“ Landkreise und Präfekturen den chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan zugeschlagen. Die neuen Verwaltungsgliederungen entsprechen in keiner Weise der traditionellen tibetischen Benennung der unterschiedlichen Teile Tibets. Die Tibeter selbst unterteilen ihr Heimatland in die drei Großregionen Ü-Tsang (West- und Zentral-Tibet), Amdo (Nordost-Tibet) und Kham (Südost-Tibet). Die neuen chinesischen Grenzziehungen erfolgten völlig willkürlich. Dabei umfasst die „Autonome Region Tibet“ flächenmäßig nur etwa das halbe Tibet. Mit ihrer Errichtung war die Aufspaltung Tibets zementiert.
Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet in Deutschland, fügte hinzu: „Es ist der Kommunistischen Partei Chinas gelungen, auch in westlichen Gesellschaften ihre verzerrten Narrative über Tibet zu verbreiten. Ein besonders irreführendes Beispiel ist die weitverbreitete Gleichsetzung der sogenannten ‚Autonomen Region Tibet‘ mit ganz Tibet. Diese Darstellung verschleiert, dass Tibet weit über die Grenzen der ‚Autonomen Region‘ hinausreicht. Dadurch wird nicht nur die tatsächliche Größe Tibets ignoriert, sondern auch das Leid und die Unterdrückung der Tibeter in den anderen tibetischen Regionen unsichtbar gemacht. Der 9. September mahnt dazu, Narrative autoritärer Herrschaft zu hinterfragen.“
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
