Berlin, 23.09.2026. Die International Campaign for Tibet (ICT) ist zutiefst besorgt über den von der chinesischen Regierung forcierten Einsatz militärischer Erziehungsmethoden und politischer Indoktrination bei tibetischen Kindern. Ein aktueller Bericht chinesischer Staatsmedien zeigt tibetische Kinder in der osttibetischen Stadt Dartsedo (chinesisch: Kangding) im Autonomen Bezirk Garzê (Provinz Sichuan), die an einem fünftägigen Trainingsprogramm teilnehmen. Das Training vermittelt „Schulregeln und Verhaltensnormen“ mit militärisch anmutenden Übungen und Einheiten zur politischen Indoktrination.
Mit dem Bericht veröffentlichte Bilder zeigen tibetische Schüler der Mittelstufe, die in Militäruniformen marschieren und im Rahmen einer ideologischen Schulung Einheiten zur „Förderung der ethnischen Einheit“ absolvieren müssen. Bei den Schülern handelt es sich offenbar um Jugendliche, die erst kurz zuvor die Grundschule abgeschlossen haben.
„Hier geht es nicht einfach darum, dass Kinder ‚Schulregeln‘ lernen. Tibetische Kinder werden in Militäruniformen gesteckt, gedrillt und mit der Ideologie der KP Chinas indoktriniert – und das in einem Alter, in dem sie eigentlich das Recht und die Freiheit haben sollten, ihre eigene Sprache zu erlernen sowie ihre Religion, Kultur und Traditionen zu pflegen“, erklärte ICT-Präsidentin Tencho Gyatso.
„Es ist erschreckend, dass sich die Kommunistische Partei damit brüstet, tibetische Kinder durch eine solche Ausbildung ‘taufen‘ zu wollen. Dahinter steckt offensichtlich die Absicht, Bildung zu einem Instrument der Zwangsassimilation und zu einem Mittel zur Auslöschung der tibetischen Identität zu machen. Solche Missstände müssen ein Ende haben“, so Gyatso weiter.
In dem Bericht der chinesischen Staatsmedien werden die Unterrichtseinheiten als „Kurse zur moralischen Erziehung“ beschrieben, die darauf abzielten, ein starkes Gefühl von „Patriotismus“ und „ethnischer Einheit“ zu vermitteln. Dem Bericht zufolge sangen die Kinder politische Lieder wie „Ohne die Kommunistische Partei gäbe es kein neues China“, um die Ideale der Partei sowie das Konzept der ethnischen Einheit zu verinnerlichen.
ICT hat bereits früher über die systematische Militarisierung und Indoktrination tibetischer Kinder durch die Kommunistische Partei berichtet. Ähnliche Aufnahmen zeigen tibetische Kindergartenkinder, die in Militäruniformen marschierten und Gewehrattrappen trugen.
Aus Sicht von ICT verfolgt die chinesische Regierung seit Langem die Auslöschung der tibetischen Kultur und Identität durch eine Politik der Zwangsassimilation und ein umfangreiches System staatlicher Internate; dabei werden tibetische Kinder gewaltsam von ihren Familien getrennt und daran gehindert, die tibetische Sprache zu erlernen oder zu sprechen. Bereits im Jahr 2013 stellte der UN-Ausschuss für Kinderrechte fest, dass die chinesische Bildungspolitik tibetische Kinder diskriminiert und ihre Menschenrechte verletzt.
ICT fordert die chinesische Regierung auf, die politische Indoktrination und die militärisch geprägte Ausbildung tibetischer Kinder zu beenden sowie sicherzustellen, dass tibetische Kinder ihre Rechte auf die eigene Sprache, Religion, Kultur, Bildung und Lebensweise uneingeschränkt wahrnehmen können.
Lesen Sie unseren Bericht in englischer Sprache für weitere Informationen und Fotos.
Kontakt:
Telis Koukoullis
Presse- und Medienreferent
Tel.: +49 (0) 30 27 87 90 86
E-Mail: presse(at)savetibet.de
Bluesky: @savetibetde.bsky.social
International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
Schönhauser Allee 163
10435 Berlin
www.savetibet.de
Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
