
Tibetische Kindergartenkinder marschieren mit der chinesischen Flagge. Foto: Das Bild stammt aus einem Bericht staatlicher chinesischer Medien, http://www.xztzb.gov.cn/zongjiao/1779790260734.shtml
Berlin, 10. Juni 2026. Die International Campaign for Tibet (ICT) ist zutiefst beunruhigt über kürzlich aufgetauchte Bilder aus der südtibetischen Grenzstadt Tsona (chinesisch: Cuona), die höchst verstörende Szenen zeigen: Tibetische Kindergartenkinder – vermutlich jünger als sechs Jahre – marschieren in Militäruniformen unter der chinesischen Flagge und nehmen an simulierten Kampfübungen teil. Die Kinder scheinen im Rahmen des sogenannten „Trainings“ Gewehr-Attrappen zu tragen.
Die Bilder wurden am 26. Mai in einem Bericht der Abteilung für Einheitsfrontarbeit der Kommunistischen Partei Chinas in den staatlichen Medien veröffentlicht. Der Bericht mit dem Titel „Vaterlandsliebe fördern, Kinder schützen die Grenze – Kindergarten in Tsona führt Bildungsaktivitäten zu Landesverteidigung und ethnischer Einheit durch“ hebt diese Aktivitäten ausdrücklich als vorbildliche Initiative hervor.
„Die Bilder aus Tsona sind zutiefst verstörend. Kein Kind sollte einer militärischen Ausbildung unterzogen oder zu Kampfsimulationen gezwungen werden – schon gar nicht in Kindergärten. Wir verurteilen diese Praktiken aufs Schärfste. Die internationale Gemeinschaft darf sich über die Natur der Politik der KP Chinas in Tibet keinerlei Illusionen hingeben. Die Kommunistische Partei missbraucht tibetische Kinder und zwingt ihnen eine aggressive Ideologie auf. Eine derartige Behandlung tibetischer Kinder erfordert dringend internationale Aufmerksamkeit und uneindeutige Zurückweisung.“, erklärte ICT-Geschäftsführer Kai Müller.
Dem Bericht zufolge nutze der Kindergarten seine „einzigartigen revolutionären Ressourcen“ in der Grenzregion, um „intensive und besondere Bildungsaktivitäten“ mit Schwerpunkt auf Landesverteidigung und „ethnischer Einheit“ durchzuführen. Ziel sei es, den Kindern eine „tiefe Liebe zur Partei, zum Land und zu ihrer Heimatstadt sowie ein Engagement für die Verteidigung der Grenze“ zu vermitteln. Das Programm ziele außerdem darauf ab, die „frühkindliche Bildung“ zur Landesverteidigung zu fördern und die Erziehung zur ethnischen Einheit zu stärken.
Aus Sicht von ICT ist diese Form der Militarisierung von Kindern Teil einer umfassenden systematischen ideologischen Indoktrination. Tibetische Kinder werden damit nicht nur frühzeitig mit militärischen Bildern, Drill und Disziplin konfrontiert, sondern auch staatlich gelenkten Narrativen zur „ethnischen Einheit“ unterworfen.
„Besonders alarmierend ist, dass diese Kinder gleichzeitig mit einer politischen Ideologie – der Forderung nach ‚ethnischer Einheit‘ – indoktriniert werden, die das Überleben der tibetischen Kultur bedroht. In einer Grenzregion wie Tsona überschneidet sich dies zudem mit Chinas aggressivem Auftreten gegenüber Indien und verstärkt die Besorgnis über die Instrumentalisierung von Kindern in staatlichen Narrativen.“, so Müller weiter.
Die Entwicklungen in Tsona sind kein Einzelfall. ICT vorliegende Berichte dokumentieren ein umfassenderes Muster zunehmender Militarisierung und Indoktrination im tibetischen Bildungswesen. Dabei werden Militärübungen und politische Schulungen vermehrt in Grundschulen eingeführt und sogar auf die Schulferien ausgedehnt.
Die aktuellen Bilder verdeutlichen eindrücklich, was ICT als die prägenden Merkmale der Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas in Tibet beschreibt: Indoktrination, Militarisierung und Repression – die selbst die Jüngsten der Gesellschaft erreichen. Die International Campaign for Tibet erinnert Regierungen, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Akteure daran, mit wem sie es mit der Kommunistischen Partei Chinas zu tun haben, ganz besonders angesichts auch solcher Bilder wie aus Tsona.
Die der Pressemitteilung beigefügten Bilder wurden am 26. Mai in einem Bericht der Abteilung für Einheitsfrontarbeit der Kommunistischen Partei Chinas in den staatlichen Medien veröffentlicht.
Kontakt:
Telis Koukoullis
Presse- und Medienreferent
Tel.: +49 (0) 30 27 87 90 86
E-Mail: presse(at)savetibet.de
Bluesky: @savetibetde.bsky.social
International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
Schönhauser Allee 163
10435 Berlin
www.savetibet.de
Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
